WWF: Österreichische Behörden müssen endlich Handel mit illegalem Holz aus Nationalparks und Urwäldern stoppen

Vorwürfe gegen österreichische Unternehmen alarmierend – WWF kündigt neue Beschwerde an

Wien (OTS) - Jüngste Vorwürfe gegen österreichische Holzkonzerne zeigen: Keine sichtbaren Verbesserungen in Sachen illegales Holz auf den Märkten seit NGO-Recherchen und WWF-Anzeige 2015 – Zuständige Behörden in EU-Mitgliedsländern bisher in weitgehend versagt – WWF bringt neue Beschwerde ein – Schutz der letzten europäischen Urwälder steht auf dem Spiel

Wien, 19. Juli 2018. Die Umweltorganisationen EIA (Environmental Investigation Agency) und Earthsight erheben nach langen Recherchen neue Vorwürfe gegen mehrere österreichische Holzunternehmen (u.a. Schweighofer, Egger, Kronospan). In der Ukraine soll ein Spitzenbeamter illegale Zahlungen von ausländischen Holzkonzernen gefordert haben, um diese Unternehmen mit billigem Holz aus ukrainischen Wäldern zu bedienen. In Rumänien wird durch Käufe von Zwischenhändlern sehenden Auges die Gefahr in Kauf genommen, dass Holz aus Nationalparks und aus den letzten europäischen Urwäldern illegal entnommen wird und  im Handel landet.

Der WWF Österreich beobachtet gemeinsam mit dem WWF Deutschland den Holzhandel seit Jahren mit kritischem Blick: „Die jüngsten Vorwürfe gegen österreichische Unternehmen sind besorgniserregend und führen zum Schluss, dass sich seit 2015 nichts Wesentliches geändert hat“, so Andrea Johanides, WWF Österreich-Geschäftsführerin. Der WWF informierte 2015 das Bundesamt für Wald (BfW), jene Behörde, die in Österreich für die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) zuständig ist, über mögliche Verstöße von Holzindustrie Schweighofer gegen die EUTR. Diese Verordnung hat das Ziel, nachhaltige Waldbewirtschaftung zu fördern und das Inverkehrbringen von Holz und Holzprodukten aus illegalem Einschlag auf den EU-Markt zu stoppen.

Der WWF ortet ein Versagen der Behörden bei der Umsetzung der EUTR: „Wenn weiterhin der Verdacht besteht, dass österreichische Unternehmen daran beteiligt sind, illegal geschlagenes Holz in Umlauf zu bringen, muss die zuständige Behörde in Österreich endlich tätig werden. Wir werden daher eine neue EUTR-Beschwerde beim Bundesamt für Wald in Wien einbringen“, so Johanides.

Holzhandelsverordnung EUTR lückenhaft, WWF bringt neue Beschwerde ein

„Aus der Sicht des WWF besteht eine tiefe Kluft zwischen dem Ziel der EU-Verordnung und der Realität. Eine wesentliche Lücke dieser Verordnung besteht darin, dass lediglich der sogenannte Erstinverkehrbringer von Holz die Legalität sicherstellen muss. Und so wälzt das Unternehmen Schweighofer bis heute die Schuld in erster Linie auf die Lieferanten ab“, kritisiert Holzexperte Johannes Zahnen vom WWF Deutschland und verweist auf die Rechercheergebnisse von EIA und Earthsight: „Laut Earthsight übernehmen Briefkastenfirmen den Import in die EU, damit sich die Holzkonzerne formell nicht selbst die Finger schmutzig machen und die EUTR elegant umgehen können. Wer aber ‚Sonderzahlungen‘ an Beamte in der Ukraine bezahlt, um Holz unter dem Marktpreis zu bekommen, kann nicht mit Unschuldsmiene behaupten, dass nur die anderen schuld sind. Nach einer kürzlich durchgeführten Razzia der rumänischen Anti-Mafia-Behörde addierte sich nun auch noch die Zusammenarbeit mit der lokalen Mafia zur langen Liste bestehender Vorwürfe gegen Schweighofer.“

Der Holzexperte kritisiert zudem: „Das vom Unternehmen in den letzten Monaten stark promotete GPS-Tracking-System, das Symbol einer Kehrtwende sein soll, bleibt zu schwach – da lediglich für einen Teil des Holzes und dort auch nur für einen Teil des Weges die Rückverfolgung sichergestellt werden kann. Fakt ist, es landet weiterhin illegales Holz aus Rumänien oder der Ukraine in der EU und auf anderen Märkten.“

Der WWF sieht das Bundesamt für Wald in der Pflicht: „Die EU importiert viel Holz aus der Ukraine, das in Verbindung steht mit Korruption und illegalen Holzschlägerungen. Österreichische Unternehmen spielen eine zentrale Rolle in diesem Geschäft, gemessen am Risiko, erscheinen die bisherigen Kontrollen der zuständigen österreichischen Behörde nicht angemessen. Verweigert sich die Behörde weiter auf Basis fadenscheiniger Argumente, hier wirkungsvolle Gegenschritte zu setzen, geht das muntere Treiben mit illegalem Holz weiter“, so Johanides.  

Für den WWF steht unmissverständlich fest: Die Zuständigen müssen nun liefern und dafür sorgen, dass die EUTR in den EU-Mitgliedsländern so implementiert wird, dass sie auch tatsächlich greift und damit jenen Rahmen setzt, der dem Handel mit illegalem Holz einen Riegel vorschiebt. „Mit illegalem Holz auf den Märkten muss Schluss sein, es geht um den sorgsamen Umgang mit wertvollen Ressourcen und letztlich auch um den Schutz der letzten Urwälder Europas“, so WWF Österreich-Geschäftsführerin Andrea Johanides abschließend. 

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Mag. Gerhard Auer, WWF Pressesprecher, 0676 83488231, gerhard.auer@wwf.at

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