Schnabl: „Ehrenamt ist in Gefahr!“

60-Stunden-Woche katapultiert Österreich zurück in die Vergangenheit und erschüttert unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten

St. Pölten (OTS) - Niederösterreichs Feuerwehren zählen fast 100.000 Mitglieder, über 65.000 Einsätze werden pro Jahr gefahren und dabei 7,9 Millionen ehrenamtliche Stunden geleistet. Der Arbeiter-Samariterbund rettet in Niederösterreich mit Hilfe von 577.766 freiwillig geleisteten Stunden und fast 4 Millionen gefahrenen Kilometern jährlich unzählige Menschenleben. 2,9 Millionen ehrenamtliche Stunden kommen im Rettungsbereich noch vom Roten Kreuz dazu. Auch die Hilfsorganisationen, wie Volkshilfe, Hilfswerk oder Caritas dürfen sich über viele ehrenamtlich getätigte Stunden freuen. „Alle zusammen entlasten die öffentlichen Haushalte, da sich Menschen dafür zur Verfügung stellen, im Dienste der Gesellschaft Hilfe zu leisten und anderen NiederösterreicherInnen Unterstützung zu geben. Der 12-Stunden-Arbeitstag, bzw. die 60-Stunden-Woche bringen diese solidarische Form des Zusammenhalts nun gehörig zum Wanken. Schwarz-Blau katapultiert uns zurück in die Vergangenheit und erschüttert dabei unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten“, so der Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes, SPÖ-Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl zu diesem zutiefst unsozialen, arbeitnehmer- und familienfeindlichen Schritt der schwarz-blauen Bundesregierung. Durch die vielen ehrenamtlich getätigten Stunden erspare sich das Land NÖ jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag.

Es sei zu erwarten, dass sich die Menschen künftig zweimal überlegen werden, ob ein ehrenamtliches Engagement in einem Verein oder Hilfsorganisation mit deren Familienleben vereinbar sei. Das sei nur allzu gut nachvollziehbar, so der Traismaurer Bürgermeister Herbert Pfeffer: „Die Gemeinde Traismauer erfreut sich derzeit noch reger Vereinstätigkeiten, die auch das Zusammengehörigkeitsgefühl deutlich steigern, nebenher die Verbundenheit zur Stadt stärken und zu einem Gutteil das gesellschaftliche Leben in Traismauer bestimmen. Das alles ist in Gefahr, wenn Traismauer – aufgrund des erhöhten Arbeitspensums der Menschen – nur noch zur Übernachtungsstätte zu werden droht.“

„Türkis-Blau zerstört das Familienleben der Beschäftigten, zerstört das Ehrenamt und das Vereinsleben. Es gibt keine Planbarkeit und Berechenbarkeit bei der Arbeitszeiteinteilung, und wenn in dem Entwurf gar von Freiwilligkeit die Rede ist, dann spottet das jeder Beschreibung“, bringt der schwarze AK-Präsident aus Tirol, Erwin Zangerl, die Situation treffend auf den Punkt. Zu allem Überdruss würde die ÖVP NÖ die arbeitnehmerfeindlichen Schritte der Bundesregierung auch noch offensiv mit Anträgen im NÖ Landtag unterstützen. Anstatt für die NiederösterreicherInnen Verbesserungen in Sachen ‚Work-Life-Balance‘ zu bringen, bürde man ihnen mit dem Weg von und zur Arbeit 15-Stunden-Tage auf, so Schnabl weiter:
„Schwarz-Blau nimmt den Menschen Qualitätszeit in der Familie und im Freundeskreis. Darüber hinaus wird den NiederösterreicherInnen durch den Freizeitverlust die Möglichkeit genommen sich ehrenamtlich – für ihre Mitmenschen – zu engagieren oder einfach nur zur sportlichen, musikalischen oder sonstigen gesellschaftlichen Betätigung in einem Verein aktives Mitglied zu sein.“

Bgm. Pfeffer, gleichzeitig aktives Mitglied des Arbeiter-Samariter-Bundes Traismauer stellt den zusätzlichen Zeitfresser intensiver Ausbildung für die hoch verantwortungsvollen Tätigkeiten ins Zentrum: „Der Samariterbund ist stets bemüht bestausgebildetes Personal zu den Menschen zu schicken, die unsere Hilfe benötigen. Das braucht aber massive Weiterbildungsmaßnahmen, was mit großem Zeitaufwand verbunden ist. Dazu kommt, dass selbst die Übernahme eines Nachtdienstes – der derzeit überwiegend von freiwilligem Personal bestritten wird - de facto nicht mehr möglich ist, ohne sich dafür frei zu nehmen, wenn der 12-Stunden-Arbeitstag und die 60-Stunden-Arbeitswoche erst einmal Platz greift. Wenn also die Freizeit verkürzt wird, geht das zulasten des persönlichen Engagements für ehrenamtliche Tätigkeiten.“

Die Feuerwehren bekämen zunehmend das Problem, dass die Menschen in ihren Heimatgemeinden nicht ausrücken könnten, wenn sie künftig 60 Stunden an ihren Arbeitsorten verbringen würden, so Leopold Brabletz, Feuerwehrkommandant Stv. in Traismauer: „Aufgrund dieser Tatsache wird sich zukünftig wohl jeder zweimal überlegen, ob sich das in der persönlichen Lebensplanung alles ausgeht, wenn nur noch vier Stunden, statt acht Stunden Freizeit bleiben. Darüber hinaus wird es künftig noch schwerer die wichtige, strukturgebende organisatorische Ebene zu besetzen und Leute zu finden, die die Zeit für abendliche Sitzungen noch aufbringen können.“

20.000 Vereine in denen sich rund 600.000 NiederösterreicherInnen engagieren, würden das gesellschaftliche Leben in Niederösterreich entscheidend mitbestimmen, so Andreas Murhammer, Fußballvereinsobmann des ESV Krems: „Wie Studien zeigen ist es höchst an der Zeit in den Köpfen der Leuten zu verankern, dass sportliche Betätigung wichtig für die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden ist. Was macht die Bundesregierung? Sie agiert genau gegensätzlich. Ich frage mich, wie jemand noch laufen gehen soll oder sich anderweitig sportlich betätigen kann, wenn er künftig 60 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz verbringen soll. Ganz zu schweigen von intensivem Training im Rahmen eines Sportvereins. Hier wird massiv in das ganze gesellschaftliche Gefüge eingegriffen. Denn auch geselliges Beisammensein gehört zum Vereinsleben. Weniger Zeit heißt nicht nur weniger Training, sondern auch weniger Geselligkeit und weniger Miteinander.“ Trainings könnten künftig wohl erst gegen 21 Uhr stattfinden, um überhaupt noch eine ganze Mannschaft auf den Platz bringen zu können. Im Speziellen im Nachwuchsbereich könnte der Zeitmangel der Jugendtrainer aber eine besondere Lücke hinterlassen.

„Die SPÖ NÖ möchte sich - stellvertretend für alle Mitglieder von Vereinen bzw. Organisationen - bei den anwesenden VereinsvertreterInnen für das gesellschaftliche Engagement bedanken. Wir können versprechen, dass wir die ArbeitnehmervertreterInnen in ihrem Kampf gegen diese unsoziale und arbeitnehmerfeindliche Vorgangsweise der schwarz-blauen Bundesregierung mit ganzer Kraft unterstützen werden. Diese setzen sich – mit ihrem Kampf für angemessene Freizeit und Erholungsphasen – letztlich auch für Zeit für die Familie, Freunde und ehrenamtliche Tätigkeiten ein“, so Schnabl weiter, der abschließend betont, dass die SPÖ für Schritte eintreten werde, die imstande wären gesellschaftliche Positiveffekte auszulösen: „Statt der Schwächung der Sozialpartnerschaft und der Ausweitung der Arbeitszeit wollen wir Arbeitszeitverkürzungsmodelle und eine sinnvolle Ausgestaltung von Arbeiterkammer und ÖGB, im Sinne der niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen diskutiert wissen. Gerechte Entlohnung hat für uns oberste Prämisse, ein fairer Mindestlohn steht ganz oben auf der Liste notwendiger Anstrengungen für jene in der Gesellschaft, die durch ihre Arbeitskraft erst die Gewinne der Wirtschaft ermöglichen.“

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