Enthüllung Jonny-Moser-Park mit Figl, Baumgartner und Familie

Stadt benennt Grünfläche zu Ehren von Prof. Dr. Jonny Moser; Historiker, Zeitzeuge, Mitbegründer des DÖW

Wien (OTS) -

Auf Antrag der SPÖ Innere Stadt beschloss die Bezirksvertretung die Benennung der Parkfläche entlang des Franz-Josefs-Kais im Bereich der U-Bahn-Station Schottenring in "Jonny-Moser-Park". Heute enthüllten Bezirksvorsteher MMag. Markus Figl, Mag. Dr. Gerhard Baumgartner (Direktor des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes) und die Familie von Jonny Moser im Beisein von zahlreichen Ehrengästen das Straßenschild. *****

"Jonny Moser war ein großer Österreicher, dessen Leben ganz seinem Engagement für die Gesellschaft gewidmet war. Mit seinem Wirken hat er einen essentiellen Beitrag zur österreichischen Erinnerungskultur geleistet. Er war mit der Inneren Stadt eng verbunden, in welcher er sich jahrelang als Bezirksrat engagierte, weshalb die Innere Stadt mit der heutigen Benennung sein Andenken ehrt", betont Bezirksvorsteher MMag. Markus Figl.

"Mein Vater war ein bedeutender Zeitzeuge der Vertreibung und Ermordung der Juden im Burgenland. Er war international für seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg bekannt. Als Kinder wurde uns das daher bewusst, dass beinahe wöchentlich Historiker bei uns zu Gast waren, die mit ihm über den Holocaust und Wallenberg gesprochen haben", sagte Joseph Moser, Sohn von Jonny Moser

"Jonny Moser war einer der Pioniere in der österreichischen Forschung zur Dokumentierung der Opfer des Nationalsozialismus. Seine wissenschaftlichen Arbeiten ab den 1960er Jahren zur Quantifizierung der österreichischen Holocaustopfer haben bis heute Gültigkeit", so Gerhard Baumgartner, Direktor des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes

Zwt.: Biographie Prof. Dr. Jonny Moser

Prof. Dr. Jonny Moser (1925 - 2011) war Historiker, Zeitzeuge und Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Er wurde in Parndorf (Burgenland) geboren, wo seine Eltern eine Gemischtwarenhandlung betrieben. Als im April 1938 die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung aus Parndorf nach Ungarn abschoben, begann auch die rund siebenjährige Flucht des damals 13-jährigen Jonny Moser mit seiner Familie - zunächst nach Wien, später nach Budapest. Nach der überraschenden Entlassung aus einem Internierungslager im Sommer 1944 lernte Jonny Moser den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg kennen. Letzterer konnte ab August 1944 Tausende Juden und Jüdinnen - sowohl ungarische als auch nach Ungarn geflohene wie Jonny Moser und seine Familie - vor Erschießung und Deportation retten, indem er ihnen schwedische Schutzpässe ausstellte bzw. mehr als 15.000 Personen in 31 "Schutzhäusern" unterbrachte und verpflegte. Als Mitarbeiter Wallenbergs überlebte Jonny Moser die Shoah in Ungarn. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Österreich zurück. Jonny Moser begann das Studium der Geschichte an der Universität Wien, seine Dissertation widmete er dem damals noch tabuisierten Thema Antisemitismus in Österreich. 1966 legte er im Rahmen der in Zusammenarbeit mit dem DÖW erschienenen Reihe Monographien zur Zeitgeschichte eine erste österreichische Arbeit zur Judenverfolgung in Österreich vor, in der er aufgrund statistischer Berechnungen erstmals die Zahl von mehr als 65.000 österreichischen Holocaustopfern nannte, die in beeindruckender Weise durch das Projekt Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer empirisch bestätigt werden konnte. Von 1964 bis 1996 war Jonny Moser Bezirksrat der SPÖ im 1. Wiener Gemeindebezirk. Bis zuletzt war er im Vorstand und Stiftungsrat des DÖW und im Bundesvorstand der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen vertreten. Wenige Tage vor seinem Tod wurde der vielfach Ausgezeichnete für seine Verdienste um die Republik Österreich mit dem Bundes-Ehrenzeichen geehrt.

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