Neues Volksblatt: "Haarprobleme" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 18. Mai 2018

Linz (OTS) - Die Opposition ärgert sich also darüber, dass die Deutsch-Förderklassen beschlossen wurden und nicht noch weiter darüber diskutiert wird. Man kann ja immer das Haar in der Suppe suchen, aber gleich die ganze Suppe wegen eines möglichen Haares wegzuschütten, ist doch etwas übertrieben — vor allem, wenn man nicht selbst die Suppe auslöffeln muss. Denn die Leidtragenden der derzeitigen Situation sind erstens jene Kinder, die im Klassenzimmer sitzen und nicht einmal Bahnhof verstehen, weil sie einfach nicht Deutsch können. Und zweitens jene Kinder, die gerne einen normalen Unterricht hätten. Und drittens die Lehrer, die den Spagat schaffen sollen, auf der einen Seite diese „außerordentlichen“ Schüler auf den Regelunterricht vorzubereiten, dies sollte aber auf der anderen Seite nicht auf Kosten der Mitschüler gehen.
Dass hier ein Problem besteht, darin waren sich gestern auch im Parlament alle Fraktionen einig. Und darüber, dass man jahrelang kein wirkliches Rezept für das Integrationsproblem gefunden hat, gab es noch eine Verfassungsmehrheit. Dass nun spezielle Deutsch-Förderklassen kommen, musste hingegen die Regierungsmehrheit alleine beschließen. Wohl auch deswegen, dass, wenn das Haar einmal auftauchen sollte, man sagen kann: Man habe es doch gewusst. Es gibt halt einen feinen Unterschied zwischen Regierungsverantwortung und oppositioneller Besserwisserei.

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