188 unbezahlte Überstunden in nur drei Monaten: Arbeitnehmer bekam erst eineinhalb Jahre nach AK-Klage sein Geld

Linz (OTS) - Manchmal braucht es ziemlich lange, damit man zu seinem Recht kommt. Ein Arbeitnehmer aus dem Bezirk Gmunden musste eine derartige Erfahrung machen. Erst die Zahlung aus dem Insolvenzfonds sicherte ihm seine finanziellen Ansprüche. Allein die nichtbezahlten Überstunden in drei Monaten machten fast 3.800 Euro aus. „In diesem Fall konnten wir zum Glück helfen. Den oberösterreichischen Arbeitnehmern werden aber in Summe 150 Millionen Euro an Überstundenentgelten vorenthalten. Das gehört endlich abgestellt!“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer und fordert einen Straftatbestand für die systematische Vorenthaltung von Überstunden-Entgelten.

 

Der Tischler war knapp drei Monate bei seiner Firma beschäftigt, als er schwer erkrankte. Der Arbeitgeber kündigte ihn daraufhin fristwidrig und meldete ihn von der Gebietskrankenkasse ab. Außerdem behauptete er, es gäbe eine dreimonatige Probezeit. In Wirklichkeit waren jedoch weder Probezeit, noch Befristung vereinbart. Davon abgesehen wäre eine Probezeit ohnehin nur für einen Monat rechtswirksam.

 

Hunderte Überstunden nicht berücksichtigt

Der Montage-Tischler wandte sich die AK-Bezirksstelle, die daraufhin Kontakt mit dem Firmenchef aufnahm. In den Gesprächen konnte man sich außergerichtlich nicht einigen, und so brachten die Rechtsschutzexperten/-innen der AK Klage ein. Neben einem offenen Monatslohn waren auch fast 3.800 Euro brutto für 188 Überstunden ausständig – eine enorme Anzahl angesichts der kurzen Beschäftigungsdauer. Daher mussten die AK-Juristen/-innen zusätzlich 930 Euro für nicht konsumierte Ersatzruhe geltend machen. Durch die ausstehende Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall summierten sich die Ansprüche des Tischlers somit auf insgesamt rund 15.500 Euro.

 

Erst Insolvenz beendete Rechtsstreit

Obwohl das Arbeits- und Sozialgericht dem Arbeitsnehmer vollinhaltlich Recht gab, verweigerte der Arbeitgeber weiterhin die Auszahlung, womit ein Exekutionsantrag nötig wurde. Doch der Arbeitnehmer musste weiterhin auf das ihm zustehende Geld warten. Schlussendlich meldete die Firma eineinhalb Jahre nach der Kündigung Insolvenz an, woraufhin der Insolvenzfonds sämtliche Ansprüche des Arbeitnehmers übernahm und diese auszahlte.

 

„Solche lang dauernden Verfahren sind für die Betroffenen immer eine besondere psychische und auch finanzielle Belastung. Unsere Mitglieder können sich aber auf die Beharrlichkeit unserer Juristen und Juristinnen verlassen, die alles versuchen, um dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

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