Neues Volksblatt: "Sprachlos" von Heinz Wernitznig

Ausgabe vom 16. Mai 2018

Linz (OTS) - Bereits die Meldung vom Mord an der sieben Jahre alten Hadish aus Wien, deren Leiche in einem Müllcontainer regelrecht entsorgt wurde, hatte in ganz Österreich Entsetzen ausgelöst. Wer könnte zu solch einer grausamen Tat an dem kleinen Mädchen fähig sein, und was mag ihren Mörder zu dieser Wahnsinnstat getrieben haben? — wurde seit dem vergangenen Wochenende landauf, landab gerätselt. Nicht weniger schockierend ist die Meldung von Dienstag, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen erst 16-jährigen Burschen aus der Nachbarschaft handeln soll, der mit seinem späteren Opfer gut bekannt war. Das offensichtliche Fehlen jeglicher Empathie und die Rechtfertigung des Gymnasiasten — „Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“ — macht sogar hartgesottene Ermittler sprachlos.
Die bekannte Linzer Gerichts-
psychiaterin Heidi Kastner spricht in diesem Zusammenhang von „motivlosen Tötungsdelikten“. Diese seien sehr selten und nicht kulturspezifisch, sie verweist in diesem Zusammenhang auf diverse Schulmassaker in den USA. Auch hier hätten die Täter angegeben, aus einer nicht näher definierten „Wut auf die Welt“ gehandelt zu haben. Auch wenn Ferndiagnosen mit Vorsicht zu genießen sind, bleibt unter dem Strich ein schales Gefühl und die Frage, ob es Anzeichen für aufgestaute Aggressionen gegeben hat, denen zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

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