AK Frauen.Management.Report: Die Lösung heißt Quote

Graz (OTS) - Seit mehr als zehn Jahren untersucht die AK Wien den Anteil von Frauen in den Top-Positionen der führenden österreichischen Unternehmen. Große Erfolge sind bis dato ausgeblieben. Seit 1. Jänner gilt eine gesetzliche Quote von 30 Prozent – diese ist bitter nötig.

In den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen beträgt der Frauenanteil (Stand: 2.1.2018) gerade einmal 8,4 Prozent. Noch schlechter ist das Bild in den börsennotierten Unternehmen: Von insgesamt 195 Positionen in Top-Management sind nur zehn (5,1 Prozent) mit Frauen besetzt. Wechselt die Betrachtung in den Aufsichtsrat, verbessern sich die Prozentsätze: In den Top-200-Unternehmen sind 18,5 Prozent der Mandate an Frauen vergeben

Rekrutierung aus Freundeszirkel

Als Ursachen für die männerdominierten Führungsspitzen ortet Studienautorin und AK-Betriebswirtin Christina Wieser folgendes: "Die Rekrutierung erfolgt vorwiegend aus persönlichen Netzwerken, die Auswahlprozesse laufen unstrukturiert ab." Ihr Fazit: "Nur eine gesetzliche Quotenregelung bringt den gewünschten Erfolg. Sie schafft die Voraussetzung dafür, dass nicht mehr ausschließlich auf Kandidaten aus dem Freundeszirkel zurückgegriffen wird."

Die Quote wirkt

Ein Blick in andere EU-Länder zeigt die Wirkung der Quote: Während der durchschnittliche Anteil von Frauen in Aufsichts- oder Verwaltungsräten bei 25 Prozent liegt, können Länder mit einer gesetzlichen Regelung mit weit höheren Prozentsätzen aufwarten. So kommt etwa Frankreich auf einen Anteil von 43 Prozent, Norwegen auf 42 Prozent. In Österreich gilt das Gesetz für Neubestellungen ab diesem Jahr. Wird die vorgeschriebene Quote missachtet, folgt eine Sanktion. Wieser: "Dann bleibt der Stuhl leer."

Arbeitszeitmodelle neu denken

Um die neue Regelung besser untersuchen zu können, fordert die AK von der Regierung einen jährlichen Fortschrittsbericht. Außerdem bedarf es neuer Arbeitszeitmodelle wie das sogenannte "Top-Sharing", damit auch Frauen mit Teilzeitjobs die Chance auf eine Führungsposition haben.

Statements

Josef Pesserl, Präsident AK Steiermark: "Mit der Einführung einer verpflichtenden Frauenquote hat sich eine langjährige Forderung der Arbeiterkammer erfüllt! Der europäische Vergleich zeigt, dass eine gesetzliche Quote ein wirksames Instrument ist, den Frauenanteil zu erhöhen. Die derzeit in Österreich vorgegebenen 30 Prozent sollten daher schrittweise angehoben werden."

Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft: "Ich bin überzeugt davon, dass gute Entscheidungen dann getroffen werden, wenn sie Frauen und Männer gemeinsam treffen. Denn nur so können die unterschiedlichen Perspektiven und Lebensrealitäten von Männern und Frauen gleichermaßen in die Entscheidungsfindung einfließen. Wir brauchen daher in den Führungsebenen in Wirtschaft und Politik eine Ausgewogenheit der Geschlechter. Quotenregelungen und ein regelmäßiges Monitoring, wie es beispielsweise durch den jährlichen Frauen.Management.Report der AK erfolgt, sind sinnvolle Werkzeuge und ein Zwischenschritt, um das Ziel der paritätischen Besetzung von Führungsfunktionen rascher zu erreichen."

Tina Wirnsberger, Stadträtin für Umwelt, Frauen und Gleichstellung: "Im Haus Graz gibt es seit vielen Jahren erfolgreiche, strategische Arbeit, um Frauen in Führungspositionen zu etablieren. So ist es auch gelungen, den Frauenanteil in der ersten Führungsebene von 2011 bis heute auf 35 Prozent zu steigern. Im letzten Jahr wurden in Graz politische Entscheidungen getroffen, die diese Erfolge in Gefahr bringen und große Rückschritte provozieren. So wurde die Frauenquote für Aufsichtsräte ersatzlos gestrichen und wurden die Objektivierungsrichtlinien für die Stellenvergabe deutlich aufgeweicht. Erfolgreiche Gleichstellungspolitik erledigt sich nicht von selbst, sondern braucht klare Regeln und eine aktive strategische Herangehensweise. Dort muss weiterhin unser Fokus liegen."

Heide Cortolezis, Obfrau Verein FELIN: "Wie aktuelle Zahlen aus dem AK.Frauen.Management.Report 2018 und der FELIN Studie zeigen, ist die faktische Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen noch lange nicht erreicht. Trotz der leichten jährlichen Steigerungen holen Frauen nru sehr langsam auf. Diese Entwicklung, die dem zur Verfügung stehenden Potenzial hochqualifizierter Frauen keinesfalls entspricht, macht Interventionen auf politischer Ebene sowie Netzwerke wie FELIN notwendig. Wir sehen unseren Auftrag in der Bewusstseinsbildung, Netzwerkarbeit sowie in der Mitwirkung zur strukturellen Veränderung."

Christina Wieser, Betriebswirtin AK Wien: "Der Weg zu mehr Frauen in den Spitzengremien ist steinig. Akzeptanzdefizite und Vorbehalte stellen sich als wesentliche Hürden heraus. Zudem zeigen Studien, dass die Aufsichtsratsentsendung in Österreich sehr informell und unstrukturiert abläuft. So enden die Laufbahnen von Frauen zumeist in der zweiten oder dritten Führungsebene, während Männer dank der richtigen Beziehungen, ausgeprägter Präsenzkultur und hoher Sichtbarkeit vergleichsweise geschmeidig an die Spitze gelangen. Nur eine gesetzliche Quotenregelung bringt den gewünschten Erfolg. Deshalb sind wir auch sehr stolz, dass in Österreich
nach vielen Jahren der Bemühungen nun endlich eine solche eingeführt wurde."


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