Josef Winklers Vorlass

Klagenfurt (OTS) - Josef Winkler ist ein Weltautor aus Kärnten – so wie Ingeborg Bachmann und Peter Handke. Der vielfach preisgekrönte Autor wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur, der höchsten Auszeichnung der Republik Österreich, und mit dem wichtigsten Literaturpreis im deutschsprachigen Raum überhaupt, dem Georg-Büchner-Preis. Seine über 25 Bücher werden von Suhrkamp, dem renommiertesten deutschsprachigen Literaturverlag, verlegt, und sind in über 15 Sprachen weltweit übersetzt worden.

Josef Winklers Werk ist herausragender Bestandteil des kulturellen Erbes Österreichs – und der Welt. Zu diesem Erbe gehören auch jene Materialien, die das Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv aktuell verwahrt. Dieser Vorlass ist absolut herausragend. Er umfasst in erstaunlicher Vollständigkeit Arbeiten aus 45 Jahren – über 100 einzigartige Notiz- und Tagebücher mit ersten Textentwürfen (eine besondere Rarität), 44 Werkkonvolute mit Vorarbeiten und Entwürfen, die jeweils das Zehn- bis Zwanzigfache des veröffentlichten Buchs ausmachen, u. v. m. In aller Deutlichkeit: Der Vorlass umfasst gerade nicht die bei Suhrkamp veröffentlichten Winkler-Texte. Noch ist er Josef Winklers Privatbesitz, erst wenn die öffentliche Hand den Vorlass ankauft, kann er von uns am Institut/Archiv professionell und im Detail ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ein unabhängiges wissenschaftliches Schätzgutachten bildete die solide Basis für den – im Übrigen völlig angemessenen - Kaufpreis und für die Ankaufbeschlüsse von Stadt und Land.

Es zeugt von wachem Bewusstsein für das kulturelle Erbe und von kulturpolitischer Verantwortung, dass die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten beschlossen haben, Josef Winklers Vorlass gemeinsam anzukaufen. Dazu liegen der Regierungsbeschluss des Landes Kärnten und der Gemeinderatsbeschluss der Stadt Klagenfurt vor. Es ist ein überaus positives Signal, dass Stadt und Land hier Hand in Hand gehen.

Um den Ankauf abzuschließen, muss ein Vertrag zwischen dem Autor und den Käufern – Stadt und Land – sowie dem Dauerleihnehmer, dem Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv, abgeschlossen werden. Bei der sorgfältigen Ausarbeitung des Vertrags wurden die Rechte aller Beteiligten berücksichtigt und dabei auch die Rechte des Suhrkamp-Verlags abgeklärt. Selbstverständlich sind die jeweils zuständigen JuristInnen involviert. Dieser Vertrag steht kurz vor Abschluss.

Sorgfalt braucht ihre Zeit. Und diese Sorgfalt sind wir allen Beteiligten und der Öffentlichkeit schuldig.

Den Vermutungen in der FPÖ-Aussendung vom 4. Mai 2018 ist daher in aller Deutlichkeit zu widersprechen. Es gibt keine „Geheimniskrämerei“, keine „Rechtsstreitigkeiten“ - schon gar keine „urheberrechtlichen“ - und erst recht keinen „Betrug“ oder „versuchten Betrug“ seitens des Autors oder irgendeiner anderen involvierten Person oder Institution. Dies gilt auch für das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt. Ich verwahre mich hier gegen die Versuche der FPÖ, Josef Winkler oder irgendeine andere involvierte Person oder Institution zu kriminalisieren.

Am Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv wird sofort nach Vertragsabschluss mit der gründlichen Erfassung des Winkler-Vorlasses begonnen. Die Vorbereitungen sind getroffen.

Wir freuen uns auf die Arbeit am Vorlass, auf die daraus folgenden Veröffentlichungen und auf die Zusammenarbeit mit Josef Winkler.

Im Übrigen gab es bereits Präsentationen für die breite Öffentlichkeit – dank des Entgegenkommens Josef Winklers. Als Beispiele nenne ich meine Antrittsvorlesung an der Alpen-Adria-Universität und die Lange Nacht der Forschung am 13. April 2018, die rund 10.000 BesucherInnen an die AAU geholt hat und auf der wir Vorlass-Teile unter dem Thema „Wie schreibt Josef Winkler?“ erläutert haben.

Unsere nächsten Aktivitäten für die Öffentlichkeit: Wir bieten im Herbst 2018 eine Winkler-Ausstellung, und vom 18.-20. Oktober 2018 organisieren wir ein großes internationales Winkler-Kolloquium. Vortragende aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien und den USA haben bereits zugesagt. Das internationale Interesse am Weltautor aus Kärnten ist groß.

Und wir wissen, dass es dieses Interesse auch hier in Klagenfurt, auch hier in Kärnten gibt!

Darauf bauen wir, darauf antworten wir.

Univ.-Prof.in Dr.in Anke Bosse
Leiterin des Musil-Instituts/Kärntner Literaturarchivs

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Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse
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