WWF macht Mobilitätswende-Check: Österreich muss vom Pannenstreifen auf die Überholspur

Neue Studie analysiert heimischen Verkehrssektor und entwickelt Kriterien für echte Mobilitätswende – Ökosoziale Steuerreform umsetzen, umweltschädliche Subventionen streichen

Wien, 4. Mai 2018 (OTS) - Der WWF Österreich präsentierte heute, Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien den neuen Mobilitätswende-Check. Die von WWF Klimasprecher Karl Schellmann und dem Energieexperten Thomas Steffl erstellte Studie analysiert den österreichischen Verkehrssektor und entwickelt daraus einen Kriterienkatalog für eine echte Mobilitätswende. „Wir müssen endlich vom Pannenstreifen auf die Überholspur wechseln. Die Belastungen durch den Verkehr nehmen zu und belasten Umwelt und Gesundheit der Menschen. Daher brauchen wir mehr denn je ein zukunftsfähiges Mobilitätssystem auf Basis erneuerbarer Energien“, sagt Schellmann.

Die Mobilitätswende ist auch aus Klimaschutzgründen entscheidend: Das Pariser Abkommen hat das klare Ziel, die globale Erderwärmung deutlich unter der Zwei-Grad-Grenze zu halten. „Österreich muss die Treibhausgase vor allem im Verkehrssektor drastisch reduzieren, um seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten. Dafür ist der möglichst rasche Ausstieg aus der ‚Erdöl-Mobilität‘ ein absolutes Muss“, betont Schellmann.

Die Studie zeigt auf, dass die Treibhausgase im Verkehrssektor seit 1990 um 60 Prozent zugenommen haben. „Das verdeutlicht den Handlungsbedarf und zugleich die Untätigkeit der Politik“, kritisiert Schellmann. „Erfreulich ist hingegen, dass bereits ein Drittel der Personenverkehrsleistung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, per Fahrrad oder auch zu Fuß erfolgt“, sagt der WWF-Klima- und Energiesprecher. Die restlichen 71 Prozent verteilen sich auf Pkw (69 Prozent), Motorräder und Inlandsflugverkehr (2 Prozent).

Absoluten Nachholbedarf gibt es in Sachen E-Autos, der Elektrifizierungsgrad der privaten Pkw liegt in Österreich noch weit unter einem Prozent, der Zielwert bis 2030 liegt bei 25 Prozent. „Hier muss also noch sehr viel passieren, um mehr E-Autos auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sollen es 250 Mal so viele sein wie heute“, so Schellmann. Umso wichtiger wäre eine starke Vorbildrolle der öffentlichen Hand und der Wirtschaft. Daher sollten zum Beispiel die großen Fuhrparks von Ministerien, Ländern und Unternehmen möglichst rasch umgestellt werden“, nennt Schellmann eine konkrete Maßnahme.

Beim Gütertransport hat die Mobilitätswende dagegen bereits begonnen: „27 Prozent des jährlichen Inlandgüterverkehrs werden auf der Schiene transportiert. Und der Grad der Elektrifizierung des gesamten Schienenverkehrs liegt bereits bei 76 Prozent“, so Schellmann.  

Fünf-Punkte-Plan für eine nachhaltige Mobilitätswende
Die Studienautoren des „Mobilitätswende-Check“ leiten aus der Studie fünf zentrale Forderungen an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern ab, um ein zukunftsfähiges Mobilitätssystem auf Basis erneuerbarer Energien zu schaffen:  

  1. Eine ambitionierte ökosoziale Steuerreform mit klaren Lenkungseffekten. Diese soll aufkommensneutral Energie- und Ressourcenverbrauch verteuern sowie Arbeit, Gesundheit und Umweltinvestitionen verbilligen. Zur Gegenfinanzierung sollten umweltschädliche Subventionen wie das Dieselprivileg gestrichen werden.

     

  2. Neuzulassung von fossil betriebenen Pkw und Klein-Lkw ab 2025 beenden und Elektro-Mobilität auf allen Ebenen fördern, samt Ausbau der Lade-Infrastruktur und Standardisierung der Bezahlsysteme.

     

  3. Heimische Automobilindustrie in Richtung E-Mobilität ausrichten. Durch klare politische Rahmenbedingungen, gezielte Anreize und Förderungen.

     

  4. Angebot öffentlicher Verkehrsmittel deutlich verbessern sowie attraktive Rad- und Gehwege schaffen und ausbauen.

     

  5. Die Bahn vollständig elektrifizieren. 

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