Bohrn Mena an Köstinger: Österreich als Chinas Schlachthaus führt zu Schäden für Mensch, Tier & Natur

Rund um die Welt: Vom Regenwald in heimische Schweinemast, mit Schiff weiter nach China – Liste Pilz stellt parlamentarische Anfrage

Wien (OTS) - Als ein Ergebnis des österreichischen Staatsbesuches in China wurde die Bewilligung für den Export von Schweinefleisch verlautbart. Demnach sollen fünf heimische Schlachtbetriebe die Genehmigung erhalten künftig zu exportieren. Die Schweineteile werden in Österreich tiefgekühlt, verpackt und dann per LKW und Schiff in rund 60 Tagen nach China gebracht. China gilt als weltgrößter Schweinefleischkonsument, die Hälfte des weltweiten Schweinefleischkonsums fällt dort an – Tendenz stark steigend. 

Details zum Abkommen sind bislang nicht bekannt, von BranchenvertreterInnen gibt es unterschiedliche Angaben. Demnach könnten gerade die begehrten Stücke, Schlachtnebenprodukte die bei uns zu Tierfutter verarbeitet werden und in China höhere Preise erzielen, nicht exportiert werden. Die Liste Pilz stellt nun eine parlamentarische Anfrage an Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, um ein umfassendes Bild zu den Exporten nach China sowie über Zusammenhänge zwischen Sojaimporten, Schweinemast und negativen Auswirkungen für Mensch, Tier und Umwelt zu erhalten. 

„Bislang wissen wir nicht, was genau das Abkommen umfasst. Während die einen jubeln, machen sich andere große Sorgen, welche negativen Auswirkungen das für sie haben könnte – für heimische landwirtschaftliche Kleinbetriebe und unsere Umwelt etwa. Wenn Österreich nun zum Schlachthaus Chinas wird, dann steigert das mit Sicherheit den Profit der exportierenden Betriebe, doch in wie fern profitieren die vielen KleinbäuerInnen davon?“, fragt der Tierschutzsprecher der Liste Pilz, Sebastian Bohrn Mena. 

Jährlich werden etwa 600.000 Tonnen Soja nach Österreich importiert, zum Großteil in Form von Sojaschrot. Dieses wird vorwiegend in der Mast als Proteinlieferant im Ergänzungsfutter eingesetzt. Importiertes Soja darf gentechnisch verändert sein und ist es zumeist auch. Die Intensivtierhaltung führt zu einer starken Belastung von Böden und Grundwasser, so etwa ist die Nitratbelastung in der Nähe von Schweinemastbetrieben oft erhöht. 

„Mehr als zehn Millionen Hektar gerodete Regenwälder, Artensterben, vertriebene Indigene und Menschenrechtsverletzungen sowie katastrophale Auswirkungen auf die Klimabilanz – all das wird mit Soja für die Schweinemast mitimportiert. In Österreich wird dann gemästet und geschlachtet, auf Kosten der Belastung unserer Natur. Dann wird das Fleisch verpackt und den ganzen Weg nach China transportiert. Wie stark will man unseren Planeten für den Profit einiger weniger noch schädigen?“, so Sebastian Bohrn Mena.  

Der Futtermittel-Eiweißbedarf der Europäischen Union liegt bei 33 Millionen Tonnen pro Jahr. Doch nur knapp mehr als ein Viertel (27%) werden selbst erzeugt, der Fremdversorgungsgrad ist also gewaltig. Über 70 Prozent der für Futtermittel eingesetzten, genmanipulierten Sojabohnen und Sojaschrot, werden vorwiegend aus Südamerika importiert. 

Rund 2,5 Millionen Tonnen Schweinefleisch haben deutsche Händler zwischen Januar und Oktober 2017 nach China exportiert – das sind rund 20 Prozent der gesamten Anzahl an geschlachtetem Schweinefleisch. Seit der Jahrtausendwende stieg der Export von Fleisch- und Milcherzeugnissen um 3000 Prozent, viele Betriebe züchten extra für den Export. Dabei dominiert die konventionelle Landwirtschaft den Markt und Konzentrationsbewegungen werden befördert – es kommt zu immer weniger, aber dafür immer größeren Betrieben. 

„Schon jetzt wird in Österreich mehr Schweinefleisch erzeugt als im Inland benötigt. Das Abkommen mit China wird das noch bedeutsam steigern. Doch statt die konventionelle Schweinemast zu fördern, die sich auf den Import von genmanipuliertem Soja, Tierleid und Naturbelastung stützt, wäre die Förderung ökologischer und biologischer Landwirtschaft wichtig. Davon ist aber angeblich im Abkommen keine Rede. Stattdessen müssen wir befürchten, dass das Bauernsterben sogar befeuert wird“, kritisiert Bohrn Mena. 

„Die europäische Tiermast lebt von der Zerstörung in Ländern des globalen Südens. Um den Profit immer weiter zu steigern, wird fast alles in Kauf genommen. Statt daran mit zu wirken den Selbstversorgungsgrad zu steigern, wird jetzt auch noch Auftragsarbeit für den chinesischen Markt übernommen. Österreich wird dadurch zum Schlachthaus Chinas, mit all den negativen Auswirkungen für Mensch, Tier und Umwelt. Den Preis dafür zahlen wir alle, den Profit hingegen haben nur die Großunternehmen“, hält Bohrn Mena fest. 

„Statt einer Ausweitung der Fleischexporte sollte sich Landwirtschaftsministerin Köstinger für eine Stärkung der biologischen und ökologischen Landwirtschaft in Österreich und Europa einsetzen und Konzepte überlegen, wie der Selbstversorgungsgrad an Futtermitteln erhöht werden kann. Das würde nicht nur das Klima und die Böden freuen, sondern auch die vielen kleinen österreichischen SojaproduzentInnen und die kleinteilige Landwirtschaft in der EU“, sagt Bohrn Mena.

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