GLOBAL 2000 fordert Kohleausstieg bis 2020 als Teil der Klima- und Energiestrategie!

Umweltschutzorganisation fordert raschen Ausstieg aus dreckigster und gesundheitsschädlichster Energieform.

Wien (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert von der österreichischen Bundesregierung, den Ausstieg aus der Kohleverstromung in der Klima- und Energiestrategie klar festzulegen. Dabei präsentiert die Umweltschutzorganisation heute Informationen des Betreibers EVN selbst, die die technische Machbarkeit eines Kohleausstiegs in Dürnrohr zeigen. Bereits im Jänner hat Bundesministerin Elisabeth Köstinger einen Kohleausstieg in Österreich bis 2020 angekündigt, im Entwurf zur Klima- und Energiestrategie, der am 3. April präsentiert wurde, ist dieser aber nicht enthalten. Lediglich von einer "Beschleunigung des Kohleausstiegs" wird gesprochen. "Es gibt keinen Grund, länger zu warten. Wir können und müssen aus Kohle aussteigen, um damit die klimaschädlichste und gesundheitsschädlichste Energieform hinter uns zu lassen. Die Fakten, die uns heute vorliegen, zeigen, dass die Drohung, dass wir im Dunkeln sitzen, wenn wir aus Kohle aussteigen, in den Bereich der Schauermärchen gehört", stellt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000, klar.

GLOBAL 2000 hat dabei einen Blick auf die technischen Unterlagen des Kraftwerksbetreibers EVN geworfen. Diese präsentiert das Kraftwerk in Dürnrohr sogar selbst als "Gas/Kohle-Kraftwerk", also als ein Kraftwerk, das mit Gas oder mit Kohle betrieben werden kann. In den technischen Unterlagen der Umwelterklärung (2012) wird dies weiter präzisiert: "Als Primärenergie ist für jeden der beiden Blöcke1 Erdgas und/oder Kohle vorgesehen. Diese beiden Energieträger können an jedem der beiden Blöcke in beliebigen Anteilen eingesetzt werden."2 Wenn man wie behauptet, das Kraftwerk tatsächlich noch zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit brauchen sollte, ist ein Betrieb mit Kohle also nicht zwingend.

Aber auch die Behauptung einer Gefahr für die Versorgungssicherheit ist für GLOBAL 2000 höchst fragwürdig, wenn man die Entwicklung des österreichischen thermischen Kraftwerksbestands berücksichtigt. Im Jahr 2000 waren in Österreich 6.315 MW an thermischer Kraftwerksleistung installiert. Dann wurde ein massiver Ausbau von Gaskraftwerken betrieben, der dazu führte, dass im Jahr 2011 ein Höchststand an Kraftwerksleistung von 8265 MW erreicht wurde. Durch die Stilllegung einiger veralteter Kohlekraftwerke reduzierte sich diese Kraftwerksleistung nun wieder auf 7.323 MW im Jahr 2016. Das ist aber immer noch eine um mehr als 1.000 MW höhere thermische Kraftwerksleistung als im Jahr 2000, was in etwa drei aktuellen Dürnrohr-Kohlekraftwerksblöcken entspricht. Selbst bei einer Stilllegung des verbliebenen Kraftwerksblocks in Dürnrohr würde die thermische Kraftwerksleistung in Österreich gegenüber dem Jahr 2000 mengenmäßig um zwei Kohlekraftwerksblöcke der Größenordnung von Dürnrohr höher sein. Eine massive Versorgungskrise kann damit wohl nicht schlüssig argumentiert werden.

Die Verbrennung von Kohle verschlimmert die globale Klimakrise dramatisch und gefärdet auch die Gesundheit der Bevölkerung. Bereits vor einigen Jahren präsentierte GLOBAL 2000 eine Studie, die zeigte, dass etwa 120 vorzeitige Todesfälle in Österreich auf Luftverschmutzung in Folge der Kohleverstromung zu verzeichnen sind. Durch die Stilllegungen der vergangenen Jahre hat sich diese Zahl vermutlich etwas reduziert, aber dennoch handelt es sich hier um ein schwerwiegenden Gesundheitsproblem, das nur von wenigen Einzelanlagen ausgeht. „Die österreichische Bevölkerung hat ein Recht auf saubere Luft und saubere Energie. Der Entwurf einer Klima- und Energiestrategie muss bei der Überarbeitung mit der Beschleunigung des Kohleausstiegs ernst machen und die unnötige Klima- und Gesundheitsbelastung ein für allemal beenden“, fordert Wahlmüller abschließend.

1Anm. Damals waren noch ein Block des Verbund und ein Block der EVN in Betrieb
2Vgl. EVN/Verbund (2013): Umwelterklärung 2012 für den Standort Dürnrohr

Hintergrundinformationen unter global2000.at


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Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at

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