GLOBAL 2000 zu Dritter Piste: Klimaschädliches und unnötiges Projekt nicht bauen!

Hohe Treibhausgasemissionen, sinkender Bedarf und viele Verlagerungsmöglichkeiten auf die Bahn.

Wien (OTS) -

Nach der heutigen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, das den Bau der dritten Piste in Wien-Schwechat ermöglicht, wendet sich die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 vehement gegen die Realisierung des Vorhabens: „Dieses klimaschädliche und unnötige Projekt darf nicht gebaut werden! Klimaschädliche Emissionen aus dem Flugverkehr sind bereits in den letzten Jahren massiv angestiegen, ein weiterer Anstieg um 250 Prozent durch den Bau der dritten Piste kann einfach nicht verkraftet werden. Mit einem Ausbau von umweltfreundlichen Alternativen wie der Bahn können zudem mindestens ebensogut Arbeitsplätze geschaffen werden“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000. 

Durch den Bau der dritten Piste werden sich die CO2-Emissionen bis 2025 gegenüber dem Wert von 2003 am Standort Wien-Schwechat laut Einreichunterlagen um 250 Prozent erhöhen. Dabei ist die Belastung durch den Flugverkehr bereits jetzt äußerst hoch. Im Klimaschutzbericht des Umweltbundesamts werden dem internationalen Flugverkehr CO2-Emissionen von 2,2 Mio. Tonnen zugeordnet (1). Nicht berücksichtigt ist dabei, dass Emissionen in großer Höhe laut Weltklimarat IPCC um einen Faktor 2,7 bis 4 höher zu gewichten sind. Die Klimawirksamkeit der österreichischen Emissionen aus internationalen Flugbewegungen beträgt somit rund 5,9 bis 8,8 Mio. Tonnen CO2. Der niedrigere Wert entspricht dabei den CO2-Emissionen von ganz Tirol. Da der Anteil von Wien Schwechat an den österreichischen Flugbewegungen bei etwa 80 Prozent liegt, ist somit von einem Anteil von etwa 4,8 bis 7 Mio. Tonnen CO2 auszugehen.

„Schon die derzeitige Belastung durch den Flugverkehr ist extrem hoch. Anstatt den nächsten Anschlag auf unser Klima zu planen, sollten Pläne entwickelt werden, wie die bereits hohe Belastung verringert werden kann, dafür braucht es die Entwicklung von nachhaltigen Mobilitätsangeboten“, sagt Wahlmüller.

Sinkendes Flugaufkommen und Verlagerungsmöglichkeiten

Der Bau der dritten Piste ist auch aus verkehrspolitischer Sicht nicht notwendig, weil seit Jahren das Flugaufkommen beständig sinkt. Gab es im Jahr 2012 noch 244.650 Flugbewegungen am Standort Wien, waren es im Jahr 2016 nur noch 226.395, das entspricht einer starken Abnahme um 7,5 Prozent. Die Anzahl der Fluggäste stieg in diesem Zeitraum allerdings von 22,17 auf 23,35 Mio. Personen. Zudem besteht großes Verlagerungspotenzial auf die Bahn. Rund 40 Prozent der Flüge gehen in Städte in Nachbarländer, die auch direkt mit der Bahn erreichbar sind. Durch schnelle und bequeme Verbindungen steigt die Konkurrenzfähigkeit der Bahn derzeit an.

Wahlmüller: „Die Bundesländer Wien und Niederösterreich sind mit jeweils 20 Prozent am Flughafen Wien beteiligt, indirekt könnten somit auch die BürgerInnen eine teure Rechnung präsentiert bekommen, wenn sich das Projekt wirtschaftlich nicht rechnet. Diese Sorge ist berechtigt, denn es besteht großes Verlagerungspotenzial auf die Bahn, die immer konkurrenzfähigere Angebote entwickelt.“

Unfaire Steuervorteile für den Flugverkehr

Die für die Rechtfertigung des Bauvorhabens verwendeten hohen prognostizierten Wachstumsraten im Flugverkehr haben andere Ursachen. Denn die klimaschädlichste Art zu reisen wird durch Steuervorteile künstlich verbilligt, im Verkehrsbereich ist keine Kostenwahrheit gegeben. Fluglinien müssen im Gegensatz zur Bahn keine Steuern für Treibstoff (Kerosin) bezahlen, keine Mehrwertsteuer auf Tickets entrichten und der Flughafen selbst ist von der Grundsteuer befreit. Allein für Österreich beläuft sich der Steuerentfall durch diese unfairen Wettbewerbsvorteile laut WIFO auf mehr als 500 Mio. Euro jährlich (2).

„Unfaire Wettbewerbsvorteile für den Flugverkehr müssen endlich der Vergangenheit angehören. Mit dem Ausbau der Bahninfrastruktur können mindestens ebensogut Arbeitsplätze geschaffen werden, wie mit einem Ausbau des Flughafens. Eine Verlagerung auf andere Flughäfen wird es nicht geben, wenn günstige, umweltfreundliche und komfortable Mobilitätsangebote geschaffen werden“, betont Wahlmüller abschließend.


(1) Vgl. Umweltbundesamt (2017): Klimaschutzbericht, S. 101

(2) Vgl. WIFO (2016): Subventionen und Steuern mit Umweltrelevanz in den Bereichen Energie und Verkehr


Ein Factsheet von GLOBAL 2000 mit Hintergrundinformationen zur Dritten Piste finden Sie hier: https://bit.ly/2usE8Wp



Rückfragen & Kontakt:

Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at

Michael Lachsteiner, GLOBAL 2000 Pressesprecher, michael.lachsteiner@global2000.at 0699 14 2000 20

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