Eklat bei Ticket-Kontrolle offenbart Missstände im Sicherheitsgewerbe

Woditschka: „Gesetz für Sicherheitsdienstleistungen überfällig“

Wien (OTS) - „Der jüngste Vorfall bei der Fahrscheinkontrolle in Linz beweist, wie groß der Handlungsbedarf und die vielen Missstände im privaten Sicherheitsgewerbe sind“, so Ursula Woditschka, Sekretärin des Fachbereichs Gebäudemanagement der Gewerkschaft vida. „Sei es bei öffentlichen Veranstaltungen, Straßenaufsicht, vor Botschaften, auf Flughäfen oder bei vielen anderen Einsatzgebieten: Muss denn immer erst etwas geschehen, damit gehandelt wird?“, ärgert sich die vida-Gewerkschafterin. Sie fordert alle Sozialpartner sowie die zuständigen Politiker auf, endlich die entsprechenden Weichen für Verbesserungen zu stellen: „Lange Arbeitszeiten, wenig bis keine Pausen oder Erholungsphasen, unzureichende Einschulungen oder auch keinerlei psychologische Aufarbeitung nach Gewalt-Erfahrungen und hohe Personalfluktuation gehören mit zu den dringendsten Problemen, die es in diese Branche zu lösen gilt.“ 

Nur Top-Ausbildung sichert Fachkräfte  

Auch eine jüngst vorgelegte Studie der Uni Innsbruck, vida und AK Wien stellt dem privaten Sicherheitsgewerbe ein trauriges Zeugnis aus: Die Beschäftigten sind mit einem Mix aus prekärer Beschäftigung, nicht ausreichende Schulung, geringer Entlohnung, unzumutbaren Arbeitszeiten und schlechten Arbeitsbedingungen konfrontiert. Für Woditschka leicht erklärt: „Auslagerung an private Firmen haben immer nur das Ziel, dass Dienstleistungen billiger werden, dabei wird auf die Qualität vollkommen vergessen. Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte. Die bekommen wir nur über entsprechende Schulung und natürlich auch entsprechende Entlohnung.“ Derzeit sehe die Situation aber so aus, dass sich quasi jeder bewerben könne, wenig bis gar nicht eingeschult werde und danach mit dem Erfolgsdruck oft schwer überfordert sei. Das führe auch zu hoher Fluktuation, warnt die vida-Gewerkschafterin. Sicherheit werde dem Preisdiktat geopfert.  

Gewalt als ständiger Begleiter   

Das weitaus größte Problem bzw. einer der größten Stressfaktoren sind laut Studie die Gewalterfahrungen im Arbeitsalltag der Beschäftigten. Sieben von zehn haben in den vergangenen zwölf Monaten bereits verbale Drohungen erlebt, 30 Prozent sind im vergangenen Jahr mindestens einmal körperlich angegriffen worden. Fast ein Viertel macht sich bei Dienstantritt erhebliche oder extreme Sorgen um Gewalt. „Gerade angesichts dieser dramatischen Zahlen muss sichergestellt werden, dass diese Erfahrungen auch mit Arbeitspsychologen aufgearbeitet werden. Das passiert derzeit überhaupt nicht“, kritisiert Woditschka.  

Ausbildung statt Preisdiktat   

„Wir müssen auch in dieser Branche endlich die Umkehr vom Billigst- zu einem Bestbieterprinzip schaffen. Mit einer klaren gesetzlichen Regelung, welche Aufgaben zu welchen Bedingungen an private Sicherheitsdienste ausgelagert werden dürfen, und mit einheitlichen Ausbildungs- und Qualitätsvorschriften hätten auch Lohn- und Sozialdumping in diesem Bereich ein Ende“, bekräftigt Woditschka.

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