Jagd: Ein bösartiger PR-Gag auf Kosten der Wildtiere

Wiener Tierschutzverein: Unredliche Jäger nahmen den Tod dutzender Tiere in Kauf, um die Bevölkerung gegen den Tierschutz und redliche Jäger aufzuhetzen.

Vösendorf (OTS) - Eine bitterböse PR-Masche treibt Wildtiere und Tierschutzbewegungen aktuell auf die Schlachtbank: Dass es zwischen Tierschutz und hartnäckigen Verfechtern der Jagd, insbesondere Freizeit- und Hobbyjägern, seit Langem Spannungen gibt, ist wohlbekannt. Die neueste „Maßnahme“ unseriöser Jäger, treibt allerdings nicht nur die TierschützerInnen und die Bevölkerung auf die Palme, sondern lässt auch die redliche Jägerschaft schäumen.

Künstlich hochgefütterter Bestand für maximalen Profit

Konkret geht es um die so genannte Futtermast von Rotwild, getarnt als Hege. Trophäen- und Hobbyjagd, hat im Gegensatz zur Jagd im Sinne des ökologischen Gleichgewichts, das Ziel, den maximalen Nutzen in Form von kapitalen Trophäen und einer hohen Anzahl von Abschüssen zu erzielen. Daher wird das Rotwild ganzjährig angefüttert, um den Bestand künstlich möglichst hoch zu halten. Dadurch erhält man allerdings keinen gesunden, überschaubaren Wildbestand, wie es eigentlich sinnvoll wäre, sondern fördert durch die Fütterung die Vermehrung und somit indirekt massive Wildschäden in Österreichs Wäldern.

PR-Gag fördert Tierquälerei

Nun wurde allerdings just während der extremen Kältewelle vor einigen Wochen, die Fütterung des Rotwilds eingestellt. Die Folge waren dutzende verhungerte Tiere. Nach WTV-Informationen wurden alleine im Gebiet Bad Kleinkirchheim, Reichenau und St. Oswald (Kärnten) circa 170 Stück verhungertes Rotwild aufgefunden. Auch aus Vorarlberg gibt es Meldungen von dem Hungertod anheim gefallenen Tieren. Dahinter steckt offenbar ein perverses und brutales PR-Konzept: „Weil den Befürwortern von schrankenlosen Freiheiten für die Jagd immer mehr die Argumente ausgehen, und auch die Öffentlichkeit das Treiben von Leuten wie Mayr-Melnhof und Mensdorff-Pouilly immer mehr ablehnt, scheint man jetzt zu ganz brutalen Tierquälereien zu greifen“, so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Denn in mehreren Jagdgebieten wie den genannten scheint die Kältewelle und die hohe Schneelage dazu genutzt worden zu sein, Wildtiere massenweise dem Hungertod preiszugeben und dies der Tierschutzbewegung, welche die unnatürliche Vermehrung des Wildes durch Fütterungen kritisch betrachtet, anzulasten. „Grausame Bilder dieser verhungerten Hirsche und Rehe werden öffentlichkeitswirksam präsentiert und sollen den Menschen vorgaukeln, dass es weiterhin ein Recht der Jäger sein soll, den Wildbestand künstlich hochzuhalten“, so Petrovic.

Der Wiener Tierschutzverein hat bislang stets danach getrachtet, dass vorrangig besonders qualvolle, unökologische und perverse Auswüchse der Jagd verboten werden und für einen Grundkonsens gekämpft. Dieser lautet: Alle Tiere in Not, Leid und Krankheit haben Anspruch auf Behandlung, Pflege und Zuwendung. Immer wieder haben wir auch von Menschen, die selbst auf die Jagd gehen, gehört, dass sie Fallenstellerei, Giftköder, das Aussetzen von gezüchteten Wildtieren zu Jagdzwecken, Massen-Wildtierhaltung in Gattern und die Auswüchse der Hetz- und Treibjagden ablehnen. Diese fiese PR-Masche lassen wir daher nicht unkommentiert“, sagt Petrovic.

Notfütterungspflicht in Extremsituationen

Denn sinnvolles Wildtiermanagement sieht anders aus. Während die saisonale Futtermast bzw. die unnötige Winterfütterung zu verurteilen ist, wäre es gerade bei extremer Kälte wichtig, dem Rotwild im Sinne der Hege ausreichend Futter zukommen zu lassen. Nicht zuletzt hat der Mensch durch seine Kulturlandschaften dem Wild seine natürlichen Wanderwege zu den Winterlebensräumen genommen. Das Rotwild würde im Normalfall im Winter in Niederungen und Ebenen wandern, wo es passende Nahrung findet. „Dort ist aber nun alles verbaut oder anderweitig von Menschen genutzt. Wir haben diesen Lebensraum für die Wildtiere zerstört, daher haben Jäger in Extremsituationen eine Notfütterungspflicht und müssen dieser nachkommen. Die Jägerschaft hat dies nun unterlassen und den qualvollen Hungertod dutzender Tiere bewusst herbeigeführt“, so Petrovic.

Und die WTV-Präsidentin legt nach: „Wir meinen jedenfalls: So nicht! Ein sinnvolles Wild-Management auf niedrigem Niveau ist das Gegenteil der herrschenden Strategie: Zuerst künstlich vermehren und dann nach Belieben weiter Treibjagden zu veranstalten oder, zur Denunzierung der TierschützerInnen, den Massentod durch schlagartiges Aussetzen einer Notfütterung in der extremen Kälte des Spätwinters zu verursachen“, sagt Petrovic. Langfristig fordert der WTV eine Unterlassung der ganzjährigen Fütterung mit einer Ausnahme für Extremsituationen und die Umstellung auf ein Wildtier-Management im Sinne des ökologischen Gleichgewichts. „Dies hätte eine Dezimierung des Rotwilds auf eine nachhaltige, gesunde und natürliche Population zur Folge. Doch ein gesunder, kleinerer Wildbestand bringt für Hobbyjäger eben keinen Profit“, sagt Petrovic.

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