Specialisterne zum Weltautismustag am 2. April 2018: Naturtalente für Mangelberufe fördern

Menschen mit Autismus für den Arbeitsmarkt fit zu machen und ihre besonderen Talente bei Unternehmen anzubieten - dafür setzen sich die Experten des Social Business Specialisterne ein

"Unternehmen suchen einen Experten für Computer, aber im Interview kann man nur als Experte für Menschen überzeugen - das scheint mir unlogisch"
Johannes Klietmann, Specialisterne Mitarbeiter und selbst Autismus-diagnostiziert
Wenn wir Autismus-gerechte Ausbildungsangebote schaffen, ist das ein echter Mehrwert für alle Beteiligten
Bettina Hillebrand, Geschäftsleiterin des Social Business Specialisterne
Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Unternehmen bekommen Zugang zu besonderen Fachexperten, die Betroffenen können ihre Talente am Arbeitsmarkt einbringen und wir erweitern unsere Angebotspalette durch außergewöhnliche Fähigkeiten, während wir gleichzeitig soziale Verantwortung wahrnehmen
Hannes Färberböck, Geschäftsführer des IT Dienstleisters Nagarro in Österreich

Wien (OTS) - Menschen mit Autismus für den Arbeitsmarkt fit zu machen und ihre besonderen Talente bei Unternehmen anzubieten - für dieses Ziel setzen sich die Experten des Social Business Specialisterne ein. Mangelberufe gibt es ausreichend, insbesondere die IT sucht händeringend nach Experten. Während erstmals gezielte Ausbildungen auf die Bedürfnisse von Menschen mit Autismus eingehen und Unternehmen den Mehrwert nachweislich schätzen, bleibt nun abzuwarten, inwiefern die Kürzungen der AMS-Budgets sich auf die Beschäftigung von Menschen mit Autismus auswirken.

Software TesterInnen stehen auf der Liste der durch das AMS geführten Mangelberufe, ebenso ProgrammiererInnen oder DatenbankspezialistInnen. "Genau dies sind Bereiche, für die sich viele Personen mit einer Form von Autismus, dem Asperger-Syndrom, besonders gut eignen", erklärt Bettina Hillebrand, Geschäftsleiterin des Social Business Specialisterne, das sich als Experte für den passgenauen beruflichen Einsatz dieser Talente weltweit einen Namen gemacht hat.

Logisch-analytisches Denken, Präzision und eine herausragende Konzentrationsfähigkeit sind Beispiele für jene Fähigkeiten, die Menschen mit Autismus auszeichnen. Über 80.000 Menschen sind von der angeborenen Wahrnehmungsstörung in Österreich betroffen. Geschätzte 19.000 Personen sind ohne Beschäftigung, obwohl sie arbeitsfähig wären.

Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, ein sehr wörtliches Sprachverständnis, sowie die bestechende Ehrlichkeit machen es Betroffenen bei klassischen Bewerbungsgesprächen oder im Jobeinstieg schwer, sich gegen BewerberInnen ohne Autismus durchzusetzen.

Johannes Klietmann, Specialisterne Mitarbeiter und selbst Autismus-diagnostiziert, stellt fest: "Unternehmen suchen einen Experten für Computer, aber im Interview kann man nur als Experte für Menschen überzeugen - das scheint mir unlogisch", so Klietmann, der seinen Weg darin gefunden hat, anderen die Wahrnehmung seiner Welt in Workshops und Vorträgen näher zu bringen.

Ohne Qualifikation, keine Chancen

"Wir hören immer wieder, dass die meisten Ausbildungen für Menschen mit Autismus nicht barrierefrei sind. Viele beginnen etwa ein Studium und hätten auch die Intelligenz es abzuschließen, können aber mit überfüllten Hörsälen oder der nötigen Selbstorganisation nicht umgehen. Wenn wir Autismus-gerechte Ausbildungsangebote schaffen, ist das ein echter Mehrwert für alle Beteiligten", weiß Bettina Hillebrand.

Aktuell stellt sich für Specialisterne die Frage wie sich die angekündigte Kürzung der AMS Budgets auf die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration ihrer Zielgruppe künftig auswirken wird: "Bislang war das AMS ein starker Partner in der marktnahen Qualifizierung unserer Bewerberinnen und Bewerber. Einsparungen bei Schulungen und Förderungen könnten dazu führen, dass diese Menschen nie eine Chance bekommen ihre Stärken einzusetzen", fürchtet Bettina Hillebrand.

Jährlich wenden sich rund 100 Erwachsene mit Autismus an Specialisterne, viele ohne verwertbare Berufsausbildung, aber mit herausragendem Potenzial.

TestingPro: Best practise in der IT

Ein österreichisches Vorzeigeprojekt ist das Ausbildungsangebot TestingPro des IT-Unternehmens Nagarro, bei welchem talentierte Personen mit Autismus zu gefragten ExpertInnen im Software-Testing geschult werden. 7 von 10 AbsolventInnen finden kurz nach Abschluss mit Hilfe von Specialisterne und Nagarro einen gut bezahlten Job in der IT. "Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Unternehmen bekommen Zugang zu besonderen Fachexperten, die Betroffenen können ihre Talente am Arbeitsmarkt einbringen und wir erweitern unsere Angebotspalette durch außergewöhnliche Fähigkeiten, während wir gleichzeitig soziale Verantwortung wahrnehmen", so Hannes Färberböck, Geschäftsführer des IT Dienstleisters Nagarro in Österreich. 

Ab Herbst 2018 stehen zehn neue Ausbildungsplätze mit ISTQB Zertifizierung zur Verfügung. Das Projekt wird durch eine Förderung des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort unterstützt. Interessierte mit Autismus-Diagnose können sich ab sofort bei Specialisterne unter www.specialisterne.at bewerben.

Spürbare Effekte auf Unternehmen

Dass die Beschäftigung von Menschen mit Autismus für Unternehmen Wirkung zeigt, beweist eine Erhebung der Wirtschaftsuniversität Wien unter Kollegen und Vorgesetzten von Angestellten mit einer Autismus Diagnose: Bei 60% der Befragten hat sich die empfundene Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit erhöht und 56% gaben an, dass sich seit der Einstellung der KollegInnen mit Autismus die Atmosphäre im Team verbessert hat. Die hohe Leistung und Qualität der Arbeit war dabei unbestritten: 92% schätzten die fachliche Integration des Kollegen als positiv ein.

Österreichische Vorreiter in der Zusammenarbeit mit Menschen mit Autismus sind neben Nagarro große Unternehmen quer durch alle Branchen und Größen wie z.B. REWE International AG (Handel), das Telekommunikationsunternehmen T-Mobile, der Pharmakonzern Shire, aber auch heimische Mittelstandsbetriebe wie Business Circle (Konferenzen) oder Suxxesso (SAP Testing). Sie alle schätzen die hohe Qualität in der Arbeit ihrer KollegInnen mit Autismus genauso wie den Mehrwert, den Vielfalt im Unternehmen stiftet.

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