Pathologen: „Bei allem essentiellen Fortschritt ist es wichtig, auch die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren.“

Presseaussendung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie / IAP Austria

Graz/Wien/Mistelbach-Gänserndorf (OTS) - Dass die Pathologie mit Sicherheit eines der medizinischen Fächer ist, die sich derzeit am schnellsten weiterentwickelt, zeigt zuletzt die von der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie zusammen mit der Österreichischen Abteilung der internationalen Akademie für Pathologie (ÖGPath/IAP Austria) in Wien veranstaltete Frühlingstagung (9.-10. März). „Doch bei all dem essentiellen Fortschritt ist es wichtig, auch die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte der Medizin genauso wie die Geschichte der früheren Arbeits- und Lebensumstände, die Geschichte unserer Lehrerinnen und Lehrer sowie Vorgängerinnen und Vorgänger.“ So kommentieren die ÖGPath-Vorstandsmitglieder Prim. Univ.-Prof. Dr. Sigurd Lax (LKH Graz Süd-West) und Dr. Dr. Luka Brcic (Medizinische Universität Graz) in einer Erklärung den 80. Jahrestages des „Anschlusses“. Diese Erklärung wurde von ÖGPath-Präsident Univ.-Prof. Dr. Gerald Höfler (Medizinische Universität Graz) und den Vorstandsmitgliedern Prim. Dr. Christa Freibauer (Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf) und Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger (SMZ Süd) mitgetragen. „Mit den derzeitigen politischen Entwicklungen, die sich zunehmend auf geschlossene Grenzen und limitierte Migration fokussieren, ist es auch uns als Gesellschaft ein Anliegen, auf die obsolet erscheinende Überlegungen hinsichtlich ethnisch und politisch ‚reiner‘ Gesellschaften und die weltpolitischen Konsequenzen, die solche Ideen schon mit sich gebracht haben, hinzuweisen.“

In diesem Zusammenhang hat die ÖGPath/IAP Austria schon 2013 anlässlich des 75. Jahrestages des „Anschlusses“ in Erinnerung an die Vertreibung zahlreicher Ärzte und Wissenschaftler – darunter auch mehr als ein Dutzend habilitierter Pathologen – von unseren Universitäten und aus unserem Land den Hans-Popper-Preis und das Fritz-Schajowicz-Reisestipendium etabliert, so die Vertreter der österreichischen Pathologie: „Beide Auszeichnungen sollen an zwei renommierte, aus Wien stammende österreichische Pathologen erinnern, die in jungen Jahren aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln aus Österreich fliehen mussten.“

  • Der Hans-Popper-Preis der ÖGPath/IAP Austria wird für außergewöhnliche wissenschaftliche Leistungen an Wissenschaftler unter 40 Jahren vergeben, die an einem österreichischen Pathologieinstitut tätig sind und wird von der Firma Menarini finanziell unterstützt. Im Jahr 2016 wurde Dr. Wael Al Zoughbi, ein aus Syrien stammender Mediziner für seine Forschungstätigkeit am Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Graz mit dem Hans Popper Preis ausgezeichnet.
  • Das Fritz Schajowicz Reisestipendium fördert die Teilnahme junger Pathologinnen und Pathologen an wissenschaftlichen Tagungen.

Die Frühjahrstagung der ÖGPath/IAP Austria

Die vergangene Woche von der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie zusammen mit der Österreichischen Abteilung der internationalen Akademie für Pathologie (ÖGPath/IAP Austria) veranstaltete gemeinsame Frühlingstagung fand als Fortsetzung der bewährten Tradition sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker statt, ohne die sowohl die tägliche Diagnostik als auch wissenschaftliche Aufgaben unmöglich zu erfüllen wären. Die aktuellen Themen waren intraoperative Gefrierschnittuntersuchung, Immunhistochemie, spezielle Färbungen und die molekularpathologische Diagnostik beim (erblichen) Dickdarmkarzinom. Eine das Mesotheliom betreffende Sitzung widmete sich der Diagnostik, Therapie und Prognose dieser seltenen Erkrankung. Ein Fokus lag auf dem Spezialgebiet der Kinder-Pathologie, einem äußerst interessanten und herausfordernden Arbeitsgebiet der Pathologie, das speziell eine gute Kommunikation mit Klinikerinnen und Klinikern und Eltern verlangt.

Die ÖGPath konnte auch Dr. Eduardo Calonje und Prof. Bostjan Luyar begrüßen, zwei Welt-Experten der Haut-Pathologie, die in Workshops praktische Fragestellungen von Tumoren und entzündlichen Erkrankungen der Haut behandelten. Prof. Lax und Dr. Dr. Brcic: „Die gesamte Tagung war Studierenden der Humanmedizin fei zugänglich – ein weiterer Schritt, um die Attraktivität unseres Faches für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv zu erhöhen.“

Kurzbiografien von Prof. Popper und Prof. Schajowicz

Hans Popper (1903-1988) arbeitete bereits als Student im biochemischen Labor von Prof. Otto von Fürth und absolvierte Fachausbildungen in Pathologie und anschließend Innere Medizin im Wiener AKH. Er musste 1933 seine bereits ein Jahr zuvor eingereichte Habilitationsschrift zurücklassen. Seine Emigration führte ihn nach Chicago, wo er am Cook County Hospital in den folgenden Jahren die Pathologie aufbaute und sich bald intensiv den Lebererkrankungen widmete. 1957 wechselte er nach New York City als Chef der Pathologie am Mount Sinai Hospital, wo er bis zu einer Emeritierung 1973 tätig war. Sein wissenschaftliches Werk umfasste alle Aspekte der Lebererkrankungen, u.a. die alkoholische Hepatitis, die Virushepatitis und Formen der Cholestase und Zirrhose. Er gilt als der Vater der modernen Hepatologie und Hepatopathologie und ist sowohl bei klinischen Hepatologen als auch bei Hepatopathologen hoch angesehen – die Hans-Popper-Society for Hepatopathology in den USA soll daran erinnern. Er gründete 1948 die American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD). Prof. Popper erhielt 1965 das Ehrendoktorat der Universität Wien und war Lehrer von Prof. Holzner und Prof. Denk. Prof. Michael Trauner errichtet 2011 das Hans-Popper-Labor für molekulare Hepatologie an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie der Univ.-Klinik für Innere Medizin III des AKH Wien ein, ebenso eine jährlich stattfindende Hans-Popper-Lecture.

Fritz Schajowicz (1911-1992) wurde wesentlich von Prof. Erdheim (Pathologie des Krankenhauses Hietzing) beeinflusst und widmete sich zeitlebens der Knochen- und Gelenkspathologie. Seine Flucht führte ihn über Italien nach Argentinien, wo er ganz wesentlich zum Aufbau einer modernen klinisch orientierten Pathologie beitrug und als Begründer der Buenos Aires School of Pathology angesehen wird. Sein weiterer beruflicher Lebensweg führte ihn in die USA nach Chicago und nach Saint Louis. 1972 und 1993 war er Herausgeber der WHO-Klassifikation der Knochentumoren. Prof. Schajowicz erhielt 1990 das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Er blieb zeitlebens in seinem Herzen ein Wiener und Österreicher und pflegte intensive Kontakte zu österreichischen Kollegen wie Frau Prof. Salzer-Kuntschik. 

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