Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 28. Februar 2018. Von STEFAN ECKERIEDER. "Autobauer müssen Verantwortung tragen".

Innsbruck (OTS) - Dieselfahrer müssen durch die drohenden Fahrverbote in deutschen Städten die Versäumnisse und Tricks von Politik und Autoindustrie ausbaden. Die Verursacher der dicken Luft dürfen sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen.

Wer im Inntal in der Nähe der Autobahn tief durchatmet, der weiß:
Gesund ist das nicht. In vielen deutschen Großstädten ist die Konzentration des hauptsächlich durch den Autoverkehr verursachten giftigen Gases Stickoxid sogar so hoch, dass sie für die Anwohner bereits gesundheitsgefährdend ist. Um rasch für bessere Luft zu sorgen, sehen nun einige Städte als einzige Möglichkeit, ältere Dieselfahrzeuge aus den Ballungszentren zu verbannen. Leidtragende sind nun die Fahrer von Dieselfahrzeugen. Ihnen wurde jahrzehntelang weisgemacht, dass Dieselmotoren weniger gesundheitsschädlich seien als Benziner, mit Vergünstigungen wurden sie sogar zum Dieselkauf verlockt.
Mit dem Dieselskandal haben die angedachten Fahrverbote in Düsseldorf und Stuttgart nur am Rande zu tun. Dass nun ein oberstes Gericht in Deutschland einschreiten musste, um für Luftreinheit zu sorgen, geht vielmehr auf die jahrelange Nichteinhaltung von verbindlichen Abgasgrenzwerten durch die gesamte Auto­industrie zurück. Freilich unter tatkräftiger Mithilfe der Politik. Die EU hat zwar immer schärfere Grenzwerte beschlossen, diese mussten aber nur auf Messstationen im Labor eingehalten werden. In der Realität, auf den Straßen, überschreiten die Autos die Werte um ein Vielfaches. Und auch die Tests der mit Software-Updates nachgerüsteten Autos zeigen, dass diese so gut wie keine positiven Auswirkungen auf die Stickoxid-Werte haben.
Die Dieselverbote sind für die Bürgermeister der Städte nun der letzte Ausweg, um die Versäumnisse der EU und Tricks der Autoindustrie auszubügeln. Von der Bundes- und Europapolitik wurden sie mit der Vorgabe, für gesunde Luft zu sorgen und die Grenzwerte in den Städten einzuhalten, alleine gelassen. Die leidtragenden sind Millionen Dieselfahrer, die nun nicht mehr in ihrer Stadt oder zu ihrem Arbeitsplatz fahren dürfen.
Spätestens jetzt müssen die Autobauer und die Politik die Verantwortung übernehmen. Denn während der weltweit größte Autobauer Volkswagen einen Jahresgewinn von rund elf Milliarden Euro präsentiert, schauen nun Millionen Dieselfahrer beim Wiederverkauf ihrer Autos finanziell durch die Finger. Angesichts der jahrelangen guten Geschäfte mit den jetzt verbannten Autos können Hardware-Updates, die erwiesenermaßen die Stickoxid-Werte deutlich senken, den Autobauern nicht länger zu teuer sein. Auch finanzielle Entschädigungen für Dieselfahrer dürfen kein Tabu bleiben.

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