Wiener Kongress „com.sult“ berät über die Zukunft Europas

Ehemaliger tschechischer Präsident Vaclav Klaus und drei Nobelpreisträger bei der Eröffnung im Rathaus

Wien (OTS/RK) - Wie bewältigen wir Herausforderungen wie den Klimawandel und Migration? Wie schaffen wir es, auch den kommenden Generationen ein lebenswertes Europa zu hinterlassen? Über mögliche Antworten auf diese Fragen beraten namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dieser Tage beim Wiener Kongress „com.sult“ im Haus der Industrie. Bereits im Vorjahr erarbeiteten die TeilnehmerInnen eine 12-Punkte-Agenda. Diese soll beim diesjährigen Kongress aktualisiert und zu einem strategischen Prioritätenprogramm geformt werden.

Die Konferenz findet heuer bereits zum 15. Mal in Wien statt und wurde gestern im Rathaus offiziell eingeläutet. Einige der prominenten Kongress-Gäste hielten Keynotes, darunter der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus sowie die Nobelpreisträger Timothy Hunt, Jerome Isaac Friedman und Dan Shechtman.

Eröffnende Worte fand der Erste Vorsitzende des Wiener Gemeinderats, Thomas Reindl. Angesichts des Jubiläums, das der Kongress mit seiner 15. Ausgabe feiert, erinnerte Reindl an runde Jahrestage, welche Österreich heuer begeht: Nicht nur markiere das Jahr 2018 die Geburt der Ersten Republik vor hundert Jahren. Mit Ausnahme der dunklen Zeit des Nationalsozialismus habe Wien nun seit einem Jahrhundert einen sozialdemokratischen Bürgermeister. Darin, und zwar in der „politischen Stabilität“, sah Reindl das „Geheimnis“ dafür, dass Wien acht Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt wurde.

Initiator David Ungar-Klein entsann sich ob des Jubiläums des allerersten „com.sult“-Kongresses vor 15 Jahren: Microsoft-Chef Bill Gates sei damals der einzige prominente Gast gewesen. Heute träfen sich jedes Jahr viele führende Köpfe aus verschiedenen Bereichen, um über Zukunftsthemen zu diskutieren. Zukunft - Das ist für Ungar-Klein Wissenschaft, Innovation und Technologie. Aber auch eine Europäische Union, der die Westbalkanstaaten angehören. Gerade vor dem Hintergrund, dass Österreich im zweiten Halbjahr 2018 den EU-Ratsvorsitz übernehme, wünschte sich Ungar-Klein in dieser Angelegenheit Fortschritte.

Der ehemalige Präsident der Tschechischen Republik, Václav Klaus, sah Europa vor großen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Menschen in den Ländern seien gespalten – nicht zuletzt aufgrund der Migrationspolitik mancher Staaten, befand Klaus. Dies manifestiere sich etwa in Wahlergebnissen in Europa, denn migrationskritische Parteien würden Zugewinne verbuchen. Der Wiener Kongress „com.sult“ solle dazu genützt werden, Impulse für Lösungen zu diesen „großen Herausforderungen“ zu geben.

Der Medizin-Nobelpreisträger Timothy Hunt erinnerte sich an seinen ersten Besuch in Wien. Dieser sei nicht gerade erfreulich gewesen. Wien habe er immer als Herkunftsort großer WissenschafterInnen angesehen, umso enttäuschter sei er über „mittelmäßigen Labore“ gewesen. Heute sei das freilich anders, sagte Hunt. In Wien sei die Wissenschaft „wieder erwacht“; die Stadt werde damit „seiner Geschichte gerecht“.

Als „absolut notwendig“ bezeichnete Physik-Nobelpreisträger Jerome Friedman den Wiener Kongress „com.sult“. Die Probleme auf der Welt würden immer größer: Das Klima verändere sich und in weiten Teilen litten die Menschen an Hunger. Diese Herausforderungen könnten nur durch Fortschritte in der Wissenschaft bewältigt werden, unterstützt von der Politik und finanziert von der Wirtschaft.

Auch Chemie-Nobelpreisträger Dan Shechtman sah in der globalen Erwärmung die größte Bedrohung für die Menschheit. Ganze Länder würden austrocknen, was zu Hungersnöten, Wasserknappheit und schließlich zu Kriegen und Fluchtbewegungen führe. Um weitere Katastrophen in Afrika zu verhindern, müsse Europa helfen. Besonders fatal sei fehlendes Wasser, sagte Shechtman. Mit der Entsalzung von Meerwasser könnte man diesem Problem entgegentreten.

Wiener Kongress "com.sult"

Die Tagung "com.sult" findet jährlich zu Jahresbeginn in Wien statt. SpitzenvertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nehmen an Arbeitsgruppen sowie Diskussionsrunden teil. Nach der gestrigen Eröffnung im Rathaus steigt das weitere Programm heute, Dienstag, im Haus der Industrie (3., Schwarzenbergplatz 4). Ihr Kommen angekündigt haben unter anderem Nigel Farage, ehemaliger Chef der britischen Partei UKIP, Linke-Politiker Gregor Gysi sowie der serbische Finanzminister Dusan Vujovic. Organisiert wird "com.sult" vom Wiener Unternehmer David Ungar-Klein.

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