Neues Volksblatt: "Linke Polemik?" von Markus EBERT

Ausgabe vom 25. Jänner 2018

Linz (OTS) - „Wo man singt, da lass' dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder“, heißt es bekanntlich. Sinngemäß nimmt das auch der FPÖ-Spitzenkandidat für die niederösterreichische Landtagswahl, Udo Landbauer, in Anspruch, wenn er sagt, er habe „niemals verwerfliche Lieder gesungen“. Dass sich jetzt die Staatsanwaltschaft dafür interessiert, was denn tatsächlich so alles an möglicherweise fragwürdigem Liedgut in der Wiener Neustädter Burschenschaft „Germania“ gepflogen wurde, ist angesichts der bekannt gewordenen Textpassagen eine Selbstverständlichkeit. Für Gedankengänge dieser Art ist auch zwischen zwei Buchdeckeln kein Platz, selbst wenn die Passagen mittlerweile geschwärzt oder gar entfernt sein sollen.
Die übliche freiheitliche Strategie, die Anwürfe gegen Landbauer als „linke Polemik“ abzutun, verfängt trotz aller gegenteiliger Beteuerungen — widerliches Lied, die FPÖ habe sich stets klar von antisemitischem und rassistischem Gedankengut abgegrenzt, bei Herausgabe des Liederbuches war Landbauer erst elf Jahre alt — nicht wirklich. Denn über eines kommt auch Landbauer nicht hinweg: Er hat sich selbst eine Burschenschaft als eine Art ideologische Chillout-Zone ausgesucht, deren Leitspruch „Deutsch und treu in Not und Tod“ lautet. Die linken Polemiker werden diesen Satz einschlägig interpretieren, umso interessanter wäre, was Landbauer dazu einfällt.

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