Argumente des Pensionskassen-Fachverbandes können die fundamentalen Probleme nicht überdecken

Ein kalkulatorischer Faktencheck zum Pensionskassensystem

Wien (OTS) - Es ist durchaus verständlich, dass der Fachverband (FV) in seiner Rolle als Vertreter der Pensionskassen (PK) das positive Veranlagungsergebnis des Jahres 2017 als Argument bei seinen Bemühungen um die Ausweitung des PK-Systems einsetzt. Im Interesse der Pensionskassen-Berechtigten sollte sich der FV aber endlich zu einer fairen, objektiven Darstellung der Ergebnisse durchringen und von dem andauernd genannten 5,5%-igen Durchschnittsertrag p.a. seit 1991 Abstand nehmen.

  Diese Zahl ergibt sich durch Addition der jährlichen Prozentsätze und Division durch 27 Jahre – rechnerisch zwar richtig, inhaltlich aber nichtssagend. Denn die hohen Erträge der 90-iger Jahre kommen nur für ein geringes investiertes Kapital und wenige Berechtigte zum Tragen, aber die Verluste und die Minderperformance sowie die massiven Pensionskürzungen ab dem Jahr 2000 für viele (auch zukünftige) Pensionisten werden damit verschleiert.

  Nur eine Kapitalgewichtung der Erträge kann der tatsächlichen Entwicklung des PK-Systems Rechnung tragen: vgl. die beigefügte Grafik, die dieses Problem anschaulich darstellt.

  Praxisbeispiel: Norbert S. , Veranlagungsgemeinschaft mit 5,5% Rechenzins, Pensionsantritt 1.1.2000 mit PK-Pension 562,- EUR, 2012: 447,- EUR, 2017: 358,- EUR.

  Eine Zusatzpension, die keinerlei Inflationsanpassung bietet, ja sogar empfindlichen Kürzungen ausgesetzt ist – bekanntlich haben viele Bezieher (und Anwärter!) einer PK-Pension bereits mehr als die Hälfte ihrer Pensionsansprüche verloren – erfüllt nicht die Kriterien einer gesicherten Altersversorgung. Ohne gründliche Reform des Systems kann aus der sogenannten „zweiten Säule der Pensionssicherung“ niemals eine brauchbare Ergänzung zur staatlichen Altersversorgung werden.

  Die „Ertragskosmetik“ des Fachverbandes wird jedenfalls die Fehler im System auf Dauer nicht zudecken können. Je länger die Evaluierung hinausgeschoben wird, desto schwieriger wird es, eine sinnvolle Sanierung im Interesse aller derzeitigen und künftigen Betroffenen (immerhin derzeit fast eine Million Personen) in die Wege zu leiten.

  Pekabe bekennt sich zur zweiten Säule als sinnvolle Ergänzung zum staatlichen Pensionssystem, drängt aber auf eine Reform, die die Interessen der Betroffenen und nicht nur die der PK erfüllt. Wir appellieren daher an den ÖGB und die AK, die Regierung von der dringenden Notwendigkeit einer gründlichen und nachhaltigen Reform des PK-Systems im Sinne der Arbeitnehmer zu überzeugen und damit den Seniorenrat und pekabe bei ihren diesbezüglichen Bemühungen zu unterstützen.

 

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Günter Braun
Pressesprecher des PEKABE-Schutzverband der Pensionskassenberechtigten
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