Türkische Wirtschaft wächst kräftig, ist aber zunehmend verwundbar durch externe Faktoren

Staatliche Maßnahmen, höhere Investitionen, steigende Exporte und Erholung des Privatkonsums kurbeln die Wirtschaft an. Jedoch dürfen externe Faktoren nicht unterschätzt werden.

Vor diesem ökonomischen Hintergrund und aufgrund der Schwäche der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro wird die Inflation voraussichtlich steigen
Dr. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria
Die Abwertung der Lira seit September 2017 dürfte den Inflationsdruck auf Verbraucherpreise und Produktionskosten weiter erhöhen. Steigende Preise und Steuern in Verbindung mit einer schwächeren Landeswährung würden die Kaufkraft schwächen und den privaten Konsum bremsen.
Dr. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria

Wien (OTS) -

  • Die türkische Wirtschaft legte in den ersten drei Quartalen 2017 ein deutliches Wachstum hin und übertraf die Erwartungen trotz der Schocks in 2016 deutlich.
  • Zum Wachstum trugen staatliche Maßnahmen, höhere Investitionen, steigende Exporte und die Erholung des privaten Verbrauchs bei.
  • Die wesentlichen Schwachpunkte: Finanzierungsprobleme, zunehmende Abhängigkeit von globalen Finanzinvestoren, schwankende Wechselkurse und steigende Inflation.

Anhaltendes Wachstum übertrifft Erwartungen

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs die türkische Wirtschaft in den ersten drei Quartalen 2017 um 7,4 Prozent. Dies gelang trotz der Schockserie im Vorjahr. Im dritten Quartal ist das BIP Wachstum mit 11,1 Prozent sogar das größte aller G-20-Länder. Zum Wachstum trugen staatliche Maßnahmen, höhere Investitionen, steigende Exporte und die Erholung des privaten Verbrauchs bei.

Einer der größten Treiber war der Credit Guarantee Fund (CGF), mit dem die Regierung kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. Sein Volumen wuchs auf fast 64 Mrd. Dollar (250 Mrd. Türkische Lira) an. Über den Fonds wirkt der Staat faktisch als Garantiegeber für Kredite.

Auch die Investitionen stiegen in den ersten neun Monaten 2017 deutlich an, gegenüber den 2,7 Prozent von Januar bis September 2016 auf plus 7,9 Prozent. Dazu trugen auch die Bauinvestitionen bei, die im dritten Quartal um 12 Prozent stiegen, und vor allem die plus 15,3 Prozent Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Dies ist ein wichtiger Indikator für anziehende Produktion. Auch der private Konsum legte zu, besonders für langlebige Verbrauchsgüter. Hier wirkten Steuersenkungen, unter anderem für Möbel und weiße Haushaltsware stimulierend.

Auch der Export von Waren und Dienstleistungen, der einen Zuwachs um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zeigte, trug stark zum Wachstum der türkischen Wirtschaft bei. Von den 7,4 Prozent Gesamtwachstum entfielen 1,4 Punkte auf den Handel. Die exportierenden Unternehmen, sowohl produzierende als auch Dienstleister, profitieren von der guten Verfassung der europäischen Länder.

In diesem insgesamt positiven Umfeld dürfte das Wachstum des privaten Konsums auch in der ersten Jahreshälfte 2018 anhalten. Die Regierung wird angesichts der bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 an ihrer Stützungspolitik für die Wirtschaft festhalten und weitere Maßnahmen beschließen.

Externe Schwankungen dürfen nicht unterschätzt werden

Trotz der positiven Prognosen bleibt die türkische Wirtschaft anfällig. Besonders das strukturelle Finanzierungsdefizit ist eine große Gefahr. Das CGF-Programm stimulierte die Banken zu Kreditvergaben, das Kredit-Einlagen-Verhältnis stieg in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf 125 Prozent. Damit steigen nicht nur die direkten Bankrisiken, sondern auch die Wechselkursrisiken. Die Türkei ist damit anfälliger für Währungsschwankungen. Das Problem könnte auch die Investitionsbereitschaft, besonders von ausländischen Geldgebern dämpfen.

Das Wechselkursproblem ist verbunden mit dem aktuellen Leistungsbilanzdefizit. Das Defizit wird primär über kurzfristige Kapitalzuflüsse konsolidiert. Die Situation könnte sich zuspitzen, wenn die Türkei noch mehr kurzfristiges Kapital aufwenden müsste, um das externe Defizit zu finanzieren. So würde sich auch die Abhängigkeit von globalen Finanzinvestoren und wiederum das Risiko von Wechselkursschocks erhöhen.

Neben anderen potentiellen Risiken muss die Türkei steigende Zinsen auf Bankkredite fürchten, weil damit die Investitionsdynamik eingebremst würde. Hohe Zinsen gefährden den Cashflow der Unternehmen und die Bereitschaft zu weiteren Investitionen gleichermaßen.

„Vor diesem ökonomischen Hintergrund und aufgrund der Schwäche der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro wird die Inflation voraussichtlich steigen“, erklärt Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria. „Die Abwertung der Lira seit September 2017 dürfte den Inflationsdruck auf Verbraucherpreise und Produktionskosten weiter erhöhen. Steigende Preise und Steuern in Verbindung mit einer schwächeren Landeswährung würden die Kaufkraft schwächen und den privaten Konsum bremsen.“

Ausführlichere Infos und die komplette Studie: www.coface.at

Die Coface-Gruppe, ein weltweit führender Kreditversicherer, schützt Unternehmen überall auf der Welt vor Forderungsverlusten, im Inlandsgeschäft und im Export. 2016 erreichte die Gruppe mit rund 4.300 Mitarbeitern einen konsolidierten Umsatz von 1,411 Mrd. Euro. Coface  ist in 100 Ländern direkt oder durch Partner vertreten und sichert Geschäfte von 50.000 Unternehmen in mehr als 200 Ländern ab. Jedes Quartal veröffentlicht Coface Bewertungen von 160 Ländern. Diese Länderbewertungen basieren auf der spezifischen Kenntnis des Zahlungsverhaltens von Unternehmen und der Expertise von 660 Kreditprüfern und Kreditanalysten, die nah bei den Kunden und deren Debitoren arbeiten.

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