WIFO – 100 Jahre Republik Österreich: Eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte mit Startproblemen

Wien (OTS) - Heuer feiert Österreich sein 100-jähriges Jubiläum als Republik. Die schweren Belastungen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg konnten nur mit Hilfe des Völkerbundes überwunden werden. Die schwache folgende Erholung wurde durch die Weltwirtschaftskrise unterbrochen und endete im Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufbau nach 1945 gelang, dank Wirtschaftshilfe der USA, außerordentlich rasch und ging in eine Periode kräftigen Wirtschaftswachstums über. Damit stieg Österreich von einem der ärmsten Industriestaaten zu einem der reichsten auf.

Die wirtschaftliche Lage am Beginn der Ersten Republik Österreich war denkbar schlecht. Nicht nur, dass die kriegerischen Handlungen die produktive Infrastruktur schwer beschädigten und das Potential an Arbeitskräften durch den Tod vieler Menschen geschrumpft war, sondern auch weil durch das Auseinanderbrechen des früheren Staatsgebiets wichtige Märkte verloren gingen. Es kam hierdurch zu einer ökonomischen Desintegration.

In den ersten Jahren der jungen Republik war das Wachstum von Reparaturmaßnahmen geprägt und es folgten lediglich ein paar Jahre der wirtschaftlichen Ruhe, bis die Weltwirtschaftskrise ihre Spuren auch in Österreich hinterließ. Die Wirtschaft schrumpfte nach 1929 vier Jahre in Folge und die gesamtwirtschaftliche Produktion lag 1933 um ein Viertel unter dem Niveau von 1929, bei etwa dem Niveau des Jahres 1922. Nach Überwindung der Großen Depression verlief der einsetzende Aufholprozess eher träge. Erst die militärische Aufrüstung ab 1938 führte wieder zu kräftigen Steigerungsraten des BIP.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren große Schäden sowohl am Kapitalstock als auch am Arbeitskräftepotential zu beklagen. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten setzte jedoch – im Unterschied zur Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – ein beispielloser Aufholprozess ein. Hierbei spielte die großzügige Hilfe der USA wie auch der hohe soziale Friede – wie er in der österreichischen Sozialpartnerschaft zum Ausdruck kam – wichtige Rollen. Die Arbeitslosenquote fiel zwischen 1953 und 1962 von 8,7 Prozent auf 2,7 Prozent.

Die heimische Wirtschaft entwickelte sich im internationalen Vergleich überaus erfolgreich. Zwar wurde die Dynamik immer wieder durch Rezessionen wie beispielsweise die beiden Erdölpreiskrisen unterbrochen, jedoch trieb in weiterer Folge eine Reihe stattgefundener Integrationsschritte die heimische Wirtschaft und insbesondere den Industriesektor weiter an. Nach der Ostöffnung, von der vor allem Österreich aufgrund seiner geographischen Nähe und seinen historisch engen Beziehungen zu diesem neuen Wirtschaftsraum profitierte, kamen der EU-Beitritt Österreichs, die Einführung des Euros und die Osterweiterung der EU als weitere Glieder einer Kette von Integrationsschritten.

Abbildung 1: Entwicklung des realen BIP – auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)

Dieses langanhaltende dynamische Wachstum hat zu einer beträchtlichen Wohlstandssteigerung der heimischen Bevölkerung geführt. Musste ein Facharbeiter in der Metallindustrie im Jahr 1918 noch knapp drei Stunden arbeiten um 1 kg Brot auf dem freien Markt zu erwerben, waren 2017 hierfür nur mehr 11 Minuten erforderlich. 2017 waren für den Erwerb von 100 kWh Strom 61 Minuten erforderlich, 1953 musste man etwa siebenmal so lange dafür arbeiten[1].

Auch heutzutage ist die österreichische Wirtschaft gut positioniert. Die Wirtschaft wuchs 2017 nach WIFO-Prognosen um 3,0 Prozent und sollte auch heuer eine ähnliche Dynamik aufweisen. Allerdings erfordert die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen zahlreiche strukturelle Anpassungen, von denen es abhängen wird, ob Österreich seinen Erfolgsweg weiterführen können wird.


[1] Quelle: Statistik Austria, WIFO-Berechnungen.

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