Neues Volksblatt: "Normalfall" (von Markus EBERT)

Ausgabe vom 30. Dezember 2017

Linz (OTS) - „Wenn zwei Parteien, die bei einer Wahl gewonnen haben und von denen eine die stärkste Partei ist, eine Koalition bilden, dann ist das ein demokratischer Normalfall“.
Dieser Satz ist über eine Woche alt — doch er hat keinerlei Wellen geschlagen. Wie denn auch, könnte man fragen, an diesem Satz ist ja auch nichts Aufregendes — solange man den Verfasser nicht kennt. Es handelt sich um den Schriftsteller Robert Menasse, für den die Bildung der türkis-blauen Bundesregierung also „ein demokratischer Normalfall“ ist, gefallen ist der Satz in einem Gespräch mit der Standard-Beilage „Rondo“. Vermutlich liegt es an den Weihnachtsfeiertagen, die auch geistig manchmal ein bisschen träge machen können, dass die linksintellektuelle Elite des Landes noch nicht über den „vielleicht wichtigsten Intellektuellen des Landes“ — laut Standard — hergefallen ist.
Jedenfalls muss man Menasse für seinen Befund dankbar sein — umso mehr, als sich im Ausland gerade eine neue Front gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung aufbaut. Immerhin findet der Schriftsteller weit über Österreichs Grenzen hinaus Gehör.
„Normalfall“ also — genauso, wie ein früherer Grün-Politiker nun österreichischer Bundespräsident ist. Die politische Normalität ist im Jahr 2017 eine andere geworden, aber keine, vor der man sich fürchten muss — was in einer Demokratie auch der Normalfall sein sollte.

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