Tiroler Tageszeitung, Analyse, Ausgabe vom 17. Dezember 2017. Von MICHAEL SPRENGER. "Das Neue am Ende der Konsensdemokratie".

Innsbruck (OTS) - Kurz kann Wahlkampf, Strache Opposition. Das haben beide bewiesen. Jetzt stehen sie vor neuen Herausforderungen – ebenso die SPÖ.

Sebastian Kurz bleibt seiner Taktik treu. Er verzichtet auf die Arrivierten in der Partei. Das machte er so im Wahlkampf und in den Verhandlungen mit der FPÖ. So will er es auch auf ÖVP-Seite in seinem Kabinett handhaben. Er übernahm keinen Minister aus der alten Mannschaft. Die Überlegung scheint klar zu sein. Er ist der Chef, er hat das Sagen, er gibt die Richtung vor.
Während Kurz – zum Leidwesen von Länderchefs und Bündeobleuten – sein Projekt mit einem kleinen Team aus der Jungen Volkspartei realisieren will, hat Heinz-Christian Strache eine aus langen Oppositionsjahren stramme und treue Mannschaft um sich.
Jetzt müssen sich beide, die Türkis-Schwarzen und die Blauen, neu erfinden. Als gemeinsame Klammer für ihr Regierungsprogramm soll der Umbau der Republik dienen. Sie nennen es Veränderung und meinen, eine konservative Hegemonie herzustellen.
Der Erfolg und die Dauer der künftigen Regierung ist von zwei Faktoren abhängig: Können sie überhaupt das Handwerk des Regierens? Die Unerfahrenheit des politischen Geschäfts auf der Regierungsbank ist bemerkenswert. Und wie lange wird die langjährige Kanzlerpartei SPÖ brauchen, um ihre Rolle als Oppositionskraft zu finden? Denn was Strache und Kurz haben, fehlt Christian Kern vollends. Er benötigt dringend ein kleines Team um sich, ausgestattet mit Leidenschaft und Loyalität, eine neue Erzählung, klare Strukturen in der Partei – und ein Ziel.
Denn was beide Seiten wissen – oder wissen sollten: Die Zeit der Konsensdemokratie in Österreich geht zu Ende.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0002