Elizabeth T. Spira wird 75! – ORF gratuliert mit einem Abend in ORF 2

Spira-Porträt, Doku über Erfolgsgeheimnis der „Liebesg’schichten“ und zwei selten gezeigte „Alltagsgeschichten“ zum Wiedersehen am 16. Dezember

Wien (OTS) - Anlässlich des 75. Geburtstags von Elizabeth T. Spira am 24. Dezember würdigt der ORF die Jubilarin mit einem Abend am Samstag, dem 16. Dezember 2017, in ORF 2. Auftakt macht die Dokumentation „Elizabeth Toni Spira – Ich bin nicht wichtig“ um 21.55 Uhr. In dem Film von Robert Neumüller gewährt die Dokumentaristin der österreichischen Seele selbst tiefe Einblicke. Danach, um 22.45 Uhr, zeigt ORF 2 die Dokumentation „‚Liebesg’schichten und Heiratssachen‘ – Das Geheimnis des Erfolgs“ von Tanja Lesowsky und Jenny Rezny als unterhaltsamen Rückblick mit soziologischen, psychologischen und philosophischen Analysen des TV-Phänomens aus heutiger Sicht. Und um 23.30 Uhr gibt es ein Wiedersehen mit „Alltagsgeschichten aus Wien“, die zuletzt 1995 gezeigt wurden. Der Film zeigt eine Collage mit den Highlights ihrer Wiener Sendungen, die zu einem sehr persönlichen Blick auf ihre Heimatstadt verwoben wurden. Zum Abschluss steht um 0.30 Uhr die erste Folge der Kultserie „Alltagsgeschichten“ aus dem Jahr 1985 erstmals wieder auf dem Programm von ORF 2: „Spiel nicht mit den Gassenkindern – Kindheit in der Kaiserstadt“.

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„Elizabeth Toni Spira – Ich bin nicht wichtig“ um 21.55 Uhr

In den siebziger Jahren nahm sich eine junge, ambitionierte und neugierige Journalistin kein Blatt vor den Mund – ob Fristenlösung, Antisemitismus, Kampf um Arbeitsplätze, Kärntner Ortstafelkonflikt:
Elizabeth T. Spira lieferte manche Sternstunde politischen Fernsehens. Ständig auf der Suche nach der Wahrheit, die im Verborgenen schlummert, eckt sie immer wieder an. Doch der Erfolg gibt ihr recht: Romy, Nestroypreis, Staatspreis und jede Menge offizielle Ehrungen. Was jedoch noch viel mehr wiegt: Sie wird von ihrem Publikum geliebt. Mit ihren „Alltagsgeschichten“ und später mit „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ wird sie zur Quoten-Queen des österreichischen Fernsehens.
Regisseur und Kameramann Robert Neumüller begleitet Elizabeth Toni Spira bei ihren Gesprächen mit Kandidaten der „Liebesg’schichten“, taucht aber ebenso ein in die für viele noch unbekannte Welt ihrer Jugend – zu den Orten ihrer Kindheit in Glasgow und London, trifft mit ihr die Kindergärtnerin aus dem Londoner Anna-Freud-Heim, besucht mir ihr das jüdische Krakau und das stalinistische Nowa Huta. Der Film präsentiert so manche filmische Rarität des ORF-Archivs, zeigt Ausschnitte aus Elizabeth T. Spiras frühen Dokumentationen – die gesellschaftspolitischen Arbeiten aus den Anfangsjahren als junge Journalistin – und natürlich aus den größten Erfolgen der Kultreihe „Alltagsgeschichte“.

„‚Liebesg’schichten und Heiratssachen‘ – Das Geheimnis des Erfolgs“ um 22.45 Uhr

Der Film begibt sich auf die Suche nach dem Phänomen „Liebesg’schichten“. Keine andere TV-Reihe reflektiert so gekonnt den Wandel von Werten und Rollenbilder in unserer Gesellschaft. Einstellung und Lebensweisen der Menschen haben sich in den vergangenen 20 Jahren verändert: Die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren ist selbstverständlich geworden, Frauen, die ihre Bedürfnisse nach Liebe und Sex ausdrücken, ebenso. Während früher schräge und skurrile Protagonistinnen und Protagonisten auf Partnersuche gingen, locken die „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ heute Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten an. Nicht verändert hat sich die Sehnsucht: Alle suchen die große Liebe und eine gut gelebte Partnerschaft.
Soziologin Dr. Irmtraud Voglmayr spricht über veränderte Rollenbilder, Philosophin Katharina Lacina ergründet das Phänomen der Liebe, und die Psychologen Roland und Sabine Bösel erläutern Beziehungsdynamiken und die Sehnsucht nach stabilen und langlebigen Partnerschaften.
Sendungsmacherin Elizabeth T. Spira hat so manche witzige Anekdote, aber auch berührende Momente aus der 20-jährigen Arbeit an diesem Erfolgsformat zu erzählen.
Schauspielerin Lotte Tobisch, die Grande Dame des österreichischen Theaters, sieht in der Einsamkeit vieler – vor allem älterer – Menschen ein Erfolgsgeheimnis der Sendung.
Die Regisseurinnen Tanja Lesowsky und Jennifer Rezny lassen in ihrer Dokumentation 20 Jahre „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ Revue passieren und laden zum Nachdenken und Schmunzeln ein.

„Alltagsgeschichten aus Wien“ um 23.30 Uhr

In insgesamt 60 Ausgaben der Dokumentarreihe „Alltagsgeschichte“ porträtierte Elizabeth T. Spira mit viel subtilem Humor Österreicherinnen und Österreicher. Im Jahr 1995 hat sie aus ihren Wiener Sendungen eine Collage gestaltet, in der sie verschiedene Highlights zu einem sehr persönlichen Blick auf ihre Heimatstadt verwoben hat. Das Ergebnis ist ein legendärer Streifzug von der Wiener Trabrennbahn zum Prater, gefolgt von einem Besuch im Kaffeehaus. Sie ist zu Gast bei Hundebesitzern, im Gemeindebau, an der Wiener Donau und im Schrebergarten. Alles Orte, die Spira im Laufe der Jahre mit ihren „Alltagsgeschichten“ ergründet und damit gleichzeitig geprägt hat. Im Mittelpunkt ihrer Gespräche steht stets die „österreichische Seele“ und deren Befindlichkeit. Ihre Protagonisten sind die sogenannten kleinen Leute, deren Geschichten die Regisseurin in ihren Filmen erzählt und deren Lebensräume sie vorstellt. Es geht immer um die psychische, soziale und historisch gewachsene Gemütslage ihrer Landsleute. Hier finden sich Tragik und Komik oft dicht nebeneinander, manchmal sind sie scheinbar deckungsgleich. Durch subjektive Meinungsäußerungen, persönliche Erinnerungen und Erzählungen von Menschen skizziert auch diese Collage aus „Alltagsgeschichten“ ihre Orte und die dort vorherrschenden sozialen Phänomene stets kurzweilig.

„Alltagsgeschichte: Spiel nicht mit den Gassenindern – Kindheit in der Kaiserstadt“ um 0.30 Uhr

Ihre erste „Alltagsgeschichte“ hat Spira den Lebensbedingungen der Kinder um die Jahrhundertwende gewidmet. Ältere Menschen, aus den unterschiedlichsten Milieus in Wien, berichten über ihre Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte während ihrer Kindheit. Es sind dies Geschichten aus dem Alltag in den Zinskasernen von Favoriten und Ottakring. Erzählt werden sie von den Kindern, deren Eltern oft arbeitslos waren oder sich in Fabriken abrackerten. Ihre frühen Lebensjahre waren meist geprägt von Hunger und einem eher dürftigen Dasein.
Spira lässt aber keine Zweifel daran, dass es damals auch viele Haushalte gab, in denen man keine Not kannte. So manche Tochter aus gutem Hause hatte ein unbeschwertes Leben. Kinder aus solchen Familien wurden von Bediensteten ins Ballett gebracht, mit viel Bildung ausgestattet und fuhren mit ihren Eltern regelmäßig auf Sommerfrische. Gleichzeitig war ihr Leben geprägt von Isolation, weil ihnen etwa das Spielen auf der Straße verboten war. Was Arm und Reich damals gemeinsam hatten, war, dass man den Erwachsenen mehr Respekt entgegenbrachte. Viele Eltern wurden noch mit dem „Sie“-Wort angesprochen. Das Schlagen und Demütigen der Kinder war in vielen Familien auf der Tagesordnung. Es ging aber auch damals in Wien bereits oft um Fremdenfeindlichkeit. Wenn etwa die Kinder der deutschsprachigen Schulen die Schüler aus Böhmen beschimpften oder Zugewanderte mit Steinen beworfen wurden.
Zwischen die zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen hat Spira großzügig historisches Filmmaterial aus der Kaiserzeit, von Aufmärschen des Militärs, Paraden mit dem Kaiser, und unzählige Fotos aus Familienalben eingearbeitet.

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