KJA Wien: Kultur des Rauchens fördert Nachahmungseffekte bei Jugendlichen

Wien (OTS) - ÖVP und FPÖ haben – entgegen sämtlicher Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten – am Montag entschieden, das geplante Rauchverbot in der Gastronomie ab Mai 2018 zu kippen. Die KJA Wien begrüßt zwar, dass die zukünftige Regierung die Pläne der LandesjugendreferentInnen unterstützt, das Rauchen erst ab dem 18. Lebensjahr zu gestatten, sieht jedoch wesentliche Grundvoraussetzungen zur Prävention nicht gegeben.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs haben immer wieder auf die negativen Effekte des Rauchens auf eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht und neben der Anhebung des gesetzlich legalen RaucherInnen-Alters auf 18, eine Reihe an Maßnahmen gefordert (http://www.kija.at/images/Positionspapier%20Rauchen%20ab%2018_07653.pdf):

- Ein generelles Verbot von Zigarettenautomaten

- Einhaltung des Rauchverbotes nicht nur in, sondern auch auf Schulgeländen
und auf schulbezogenen Veranstaltungen, in Kinderbetreuungseinrichtungen sowie auf Kinderspielplätzen

- Bundesweite Ausweitung sowie gesetzliche Legitimation von Testkäufen (Mystery
Shopping), wie es bereits in einigen Landesgesetzen normiert ist

- Flächendeckendes Angebot professioneller Informations- und Aufklärungsarbeit über Folgen und Risiken des Nikotinkonsums für den schulischen Bereich (ab der 4. Schulstufe)

- Zielgruppenspezifische Informationskampagnen (für Eltern, Lehrer und Lehrerinnen,
Jugendarbeiter und Jugendarbeiterinnen)

„Die Allgegenwärtigkeit des Rauchens in öffentlichen und sozialen Räumen in Österreich bleibt mit Ausbleiben des Rauchverbots weiterhin bestehen und fördert damit negative Vorbilder“, so Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits. Es ist empirisch bewiesen, dass Peergroup und Familie maßgeblich beeinflussen, ob Jugendliche zur Zigarette greifen oder nicht. Während in Film und Fernsehen kaum mehr geraucht wird, um Nachahmungseffekte bei jungen Menschen einzudämmen, werden Jugendliche in Österreich weiterhin in den meisten Gastronomiestätten mit der Selbstverständlichkeit des Rauchens konfrontiert. „Der Aspekt der Gesundheits- und Raucherprävention wird durch das Negieren von Tatsachen über die Schädlichkeit des passiven und aktiven Rauchens von Seiten der zukünftigen Koalitions-Parteien ad absurdum geführt“, erklärt Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs.

Österreich hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Raucherinnen und Rauchern unter den Jugendlichen: 54% der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren haben mindestens einmal im Leben Tabak geraucht, 29% haben in den letzten 30 Tagen geraucht und jede/r Fünfte raucht täglich (vgl. ESPAD Österreich 2016). Die längst notwendige Trendumkehr wird leider noch länger auf sich warten lassen.

Rückfragen & Kontakt:

Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSAin Monika Pinterits, Mag. Ercan Nik Nafs
(++43-1) 70 77 000
post@jugendanwalt.wien.gv.at

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