„kreuz und quer“ am 12. Dezember: „Still“ und „Vertrauen in die Dunkelheit“

Wien (OTS) - Mit „Still“ zeigt „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 12. Dezember 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2 einen Film von Lukas Beck über die Musiker Otto Lechner, Klaus Trabitsch & die Bethlehem Allstars, ihre letzte „Still“-Tour und darüber, was Weihnachten für sie bedeutet. Um 23.10 Uhr folgt Michael Cencigs Film „Vertrauen in die Dunkelheit“ über den blinden Extrembergsteiger Andy Holzer.

„Still“ – Ein Film von Lukas Beck

Was im heißen Sommer 1995 in einem feuchten, dunklen Kellerstudio begann, wurde zu einem der erfolgreichsten österreichischen „Weltmusik-Projekte“ der vergangenen 20 Jahre. Auf Tourneen im gesamten deutschen Sprachraum erspielte sich die Band über die Jahre eine treue und Generationen übergreifende Fangemeinde. „Still“ hat den Menschen die traditionellen Weihnachtslieder wieder zurückgegeben, für viele wurden sie in diesem neuen Kleid ungewöhnlicher Arrangements erst wieder interessant.

Die außergewöhnlichen Musiker haben auch außergewöhnliche Biografien. Otto Lechner fand als Dreijähriger eine kleine Spielzeug-Ziehharmonika unter dem Christbaum, die sein Leben fortan bestimmte. Schwer sehbehindert verbrachte er viel Zeit zu Hause, und er nutzte diese, um sich das Instrument selber beizubringen. Sein Stil ist einzigartig und wird von Musikerkollegen als Weltklasse eingestuft. Mit 14 Jahren erblindete Otto Lechner. Er besuchte die Oberstufe im Stiftsgymnasium Melk und gründete dort gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Saxofonisten und Bethlehem-Allstar-Mitglied Georg Graf, seine erste Band.

Klaus Trabitsch war einer der renommiertesten Gitarristen Österreichs, Mitglied der Combo von Prof. Kurt Ostbahn, als er sich Mitte 30 bei einem Unfall einen Halswirbel brach. Der Diagnose Querschnittlähmung folgte eine wundersame Heilung. Was seine Finger betrifft, ist der Gitarrist Trabitsch zwar eingeschränkt, wie er selbst sagt, aber er begeistert die Menschen bei seinen Auftritten mit seiner Art, mit Instrumenten Geschichten zu erzählen.

Der Film „Still“ begleitet die Musiker, besucht mit ihnen die Mutter von Otto Lechner bei ihrem traditionellen Schweinsbratenessen zum Tourneestart und hinterfragt ihre Sicht zum Weihnachtsfest und zur Kraft der Stille.

„Vertrauen in die Dunkelheit“ – Ein Film von Michael Cencig

„Als Blinder bin ich nie auf die Idee gekommen, nicht angewiesen zu sein.“ Dieser Satz des Extrembergsteigers Andy Holzer hat den Lienzer Pfarrer Bernhard Kranebitter zu einer Predigt inspiriert: „Wir sind alle aufeinander angewiesen. Wenn wir dazu stehen, entsteht Vertrauen.“ Auf einer Klettertour bilden Bergsteiger und Pfarrer eine Seilschaft – Metapher für menschliche Verbindung (durch das Seil), für Angewiesensein und Vertrauen (einer sichert den anderen) und für das, was man gemeinsam erreichen kann – den Gipfel.

Andy Holzer ist 47 Jahre alt – und von Geburt an blind. Sein Handicap hat ihn jedoch nicht daran gehindert, Extrembergsteiger zu werden. Sechs der Seven Summits – der höchsten Gipfel jedes Erdteils – hat er bereits erklommen. Für den Osttiroler ist das Besteigen von Bergen die beste Methode, um als Blinder die Welt zu begreifen. Und was er von der Welt begreift, gibt der gelernte Heilmasseur gerne weiter:
Indem er unerfahrene Alpinisten wie den Lienzer Pfarrer Bernhard Kranebitter in die Berge begleitet oder als vielgebuchter Vortragender versucht, Sehenden die Augen zu öffnen, Sehenden neue Perspektiven im Leben und auf das Leben zu geben.

Bereits als Kind war Andy Holzer in den Lienzer Dolomiten unterwegs. Seinen Eltern hat Andy Holzer sehr viel zu verdanken. Sie haben sich Mitte der 60er Jahre standhaft geweigert, ihn und seine ebenfalls blinde Schwester in eine Einrichtung für behinderte Menschen zu schicken. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihren beiden behinderten Kindern eine möglichst normale Kindheit angedeihen zu lassen. Und Andy hat diese Chance konsequent genutzt. Er ließ sich von keiner Aktivität seiner Freunde ausschließen, ist mit dem Fahrrad ins Dorf gefahren, hat im Wald Fangen gespielt und ist im Winter über Schanzen gesprungen.

Andy Holzer hat von Kindheit an daran gearbeitet, seine Umwelt mittels aller verbleibenden Sinne so gut wie möglich wahrzunehmen:
mittels Gehörsinn, Tastsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn – verbunden mit seinen Fähigkeiten, zu denken und zu fühlen – und zu glauben. Er will unbedingt den Eindruck vermeiden, was er erreicht hat, sei ganz einfach machbar: „Es ist immer wieder die gewisse Unbekannte, die eingreift in dein Leben. Bei mir ist es der Himmelvater, der liebe Gott. Jesus gibt mir die Chance, dass ich einfach nur ein Mensch sein darf. In dem Moment, wo du keinen Fehler machen darfst, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass du einen machst. Wenn dir aber jemand sagt, Andy, du darfst ruhig danebenhauen, genau dann machst du keinen Fehler. Das gibt mir die Lockerheit und das Vertrauen in die Unbekannte. Der liebe Gott hat unbekannte Werkzeuge, und genau da ist die Chance für mich. Das ist eine wunderbare Kraft, und die richtet mich immer wieder auf, wenn ich hingefallen bin.“

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