Dziedzic: 12-Stunden-Tag erster frauenpolitischer Rückschlag

Grüne: Frauenagenden müssen auf den Verhandlungstisch

Wien (OTS) - "Die Einigung von ÖVP und FPÖ auf einen 12-Stunden-Tag sorgt zu Recht für Unmut. Hier stehen allein die Interessen der Wirtschaft im Vordergrund. Für Frauen und Familien hätte ein 12-Stunden-Arbeitstag dramatische Auswirkungen. Das wäre ein erster frauenpolitischer Rückschlag", kritisiert die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic die jüngste Ankündigung der Koalitionsverhandler.

Berufstätige Eltern seien bereits jetzt häufig am Ende ihrer Belastbarkeit. In den meisten Regionen Österreichs sind die Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen nicht auf 12-Stunden-Tage der Eltern ausgerichtet. "Leidtragende werden wieder die Frauen sein, die die lang arbeitenden Männer zu Hause ersetzen, vollkommen unlösbar ist der 12 Stunden-Tag für Alleinerziehende."

Angesichts dieser Entwicklungen sieht die Grüne die aktuelle Initiative der Betreiberinnen des Frauen*Volksbegehrens als äußerst wichtig an: Diese richteten gemeinsam mit dem österreichischen Frauenring, der Allianz Gewaltfrei leben und der Initiative #aufstehn einen Offenen Brief an die zukünftige Regierung und die neuen Nationalratsabgeordneten. Mehr als 70 frauenpolitische Organisationen und zahlreiche prominente Frauen unterzeichneten diesen. Die Grünen unterstützen den Aufruf wie die darin enthaltenen Forderungen.

"100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts haben Frauen in Österreich noch immer nicht dieselben Chancen wie Männer. Sie verdienen weniger, übernehmen den Großteil der unbezahlten Arbeit, schlittern als Alleinerziehende oder als Pensionistinnen in die Armut und kämpfen im Beruf gegen die gläserne Decke an. Das ist in einem europäischen Staat 2017 ein Versagen der Politik und gleichzeitig ein dringender Auftrag an diese", stellt Dziedzic klar. Geschlechtergerechte Einkommensverteilung, Maßnahmen zugunsten existenzsichernder Arbeitsplätze und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen Vorrang in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik haben.

"Ein eigenständiges Frauenministerium mit ausreichend Budget für konkrete Maßnahmen, genauso wie ein geschlechtergerechtes Budget sind schon immer Forderungen der Grünen. Das zukünftige Regierungsprogramm werden wir darauf überprüfen, ob nicht nur die eine Hälfte der Bevölkerung profitiert. Eine Aushöhlung des Sozialstaates, Schwächung der Gewerkschaften und die Wiedereinführung des 12-Stunden-Tages werden vor allem Frauen zu spüren bekommen. Wir fordern von den Verhandlungspartnern ein Umdenken und werden uns mit der Zivilgesellschaft dafür stark machen", kündigt Dziedzic an.

Heute, am 7.12., um 16h wird die Schauspielerin Maxi Blaha am Heldenplatz, vor dem provisorischen Parlament, umringt von den Unterstützenden des Offenen Briefes, den Text verlesen. Alle Menschen sind dazu aufgerufen, die Aktion zu unterstützen und den Brief online unter aufstehn.at/wirsindmehr zu unterschreiben.

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