Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs fordern aktuelle Kinderkostenstudie

Wien (OTS) - Essen, Kleidung, Wohnraum, Ausgaben für Kinderbetreuung und Schule, Freizeit und Urlaub – Familien müssen zahlreiche Kosten abdecken. Doch wie hoch diese tatsächlich sind, ist faktisch unbekannt. Wenn sich politische EntscheidungsträgerInnen mit Unterhaltsrecht oder Familienförderung beschäftigen, sind solche Daten jedoch unumgänglich.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs fordern gemeinsam mit über 70 anderen Organisationen eine Erhebung der aktuellen Kinderkosten österreichweit, damit familienpolitische Entscheidungen zur materiellen Absicherung von Minderjährigen, anhand empirischer Grundlagen und Fakten und nicht mittels veralteter Berechnungsmuster getroffen werden.

Berechnungsgrundlage aus den 60ern
Die Regelbedarfssätze, die festlegen, wie viel Geld Familien für ein Kind je nach Altersstufe durchschnittlich aufwenden, werden zwar jährlich dem Verbrauchsindex angepasst, die zugrundeliegenden Berechnungen basieren jedoch unverändert auf einer Erhebung aus dem Jahr 1964.  

Seither hat sich sehr viel verändert. Besonders die Mietpreise sind rasant gestiegen, aber auch unsere Bedürfnisse und Standards sind mit jenen von vor 50 Jahren nicht vergleichbar: So sind Smartphone, Laptop und Computer aus dem Alltag – gerade auch von Schulpflichtigen – nicht mehr wegzudenken.

Existenzsicherung
18,2 Prozent der Kinder in Österreich leben in relativer Einkommensarmut, das heißt über 400.000 Kinder und Jugendliche sind in Österreich armuts- und damit ausgrenzungsgefährdet. 40.000 Kinder erhalten – aus unterschiedlichsten Gründen – keine Unterhaltsleistung.

Neben einer statistisch zuverlässigen Basis zur Erfassung der finanziellen Lage von Familien, braucht es daher eine grundlegende Reform des Unterhaltsrechts für alle bis zur Selbsterhaltungsfähigkeit (gekoppelt an die Familienbeihilfe) durch Einführung von nach Alter gestaffelten Pauschalsätzen, welche auf den Ergebnissen einer aktuellen Kinderkostenstudie basieren.

In etlichen Bundesländern sind geflüchtete Kinder und Jugendliche teilweise von Leistungen der Mindestsicherung ausgeschlossen und dadurch von äußerst prekären Lebensumständen betroffen. Die KIJAS fordern, dass jedes Kind eine existenzsichernde Unterhaltsleistung erhalten muss – unabhängig vom eigenen, oder dem Status der Eltern. Jedes Kind hat das Recht auf materielle Absicherung. Weiters fordern sie die Anhebung der Mindestsicherungssätze für Kinder und Jugendliche, orientiert am realen Bedarf der Kinder.

Die Bekämpfung von Kinderarmut ist nicht nur eine wesentliche Investition in die Zukunft, sie ist das Recht der Kinder - das Recht auf bestmögliche Förderung und Entwicklung, auf Leistungen der sozialen Sicherheit, einen angemessenen Lebensstandard sowie das Recht auf Freizeit, Spiel, auf altersgemäße aktive Erholung und Teilnahme am kulturellen Leben.

Die Beauftragung einer aktuellen Kinderkostenstudie wäre ein wichtiges Signal der Politik, dieser Verantwortung, Kinder vor Armut und Ausgrenzung zu schützen, gerecht zu werden.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs appellieren deshalb an die kommende Regierung, dass die Durchführung zum schnellstmöglichen Zeitpunkt erfolgt – damit die österreichische Politik für Kinder und Familien wieder auf sachlich fundierte Grundlagen gestellt werden kann.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSAin Monika Pinterits, Mag. Ercan Nik Nafs
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