TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 3. Dezember 2017 von Alois Vahrner - Der neue Bischof wird bewegen

Innsbruck (OTS) - Der neue Bischof steht für eine Kirche, die sich öffnet, statt sich einzuigeln. Das ist dringend nötig, wird aber nicht allen gefallen.

Innsbrucks neuer Bischof Hermann Glettler will Brücken bauen und neue Akzente
setzen – mit klaren, auch unbequemen Worten und als Anwalt der Schwächeren.

Für die Gläubigen war es nach dem von oben verordneten Wechsel von Manfred Scheuer nach Linz eine nicht nachvollziehbare, überlange Wartezeit, bis der Vatikan endlich eine Entscheidung traf. Aber spätestens gestern begann mit der Weihe Hermann Glettlers eine neue Ära in der Diözese Innsbruck. Wohl eine des Aufbruchs, für die gerade der neue Bischof in den letzten Wochen schon mehrfach Zeichen gesetzt hat – ein ganz starkes dann gestern: Erstmals in der österreichischen Kirchengeschichte wurde ein Bischof außerhalb eines Doms geweiht, und das vor 8000 Mitfeiernden in der Olympiahalle.
Das stärkste Zeichen für den Aufbruch, auf den sich die katholische Kirche unter Glettler einstellen kann, setzte der neue Bischof dann in seiner auch programmatischen Schlussrede: Es dürfe keine katholische Kirche geben, die „im Selbstmitleid, in der Erschöpfung und in der Diskussion um interne Fragen erstarrt“ sei. Er wolle jedenfalls keine Kirche, die sich „in eine spirituelle Sonderwelt“ flüchte und sich in den Sakristeien und Barockräumen verstecke, sondern eine Kirche, die sich öffnet und aufmacht zu den Fragen und ganz handfesten Problemen der Menschen.
Hermann Glettler, und das machte er klar, wird ein Bischof sein, der eine offene Kirche will. Eine, die sich auch im Sinne von Papst Franziskus als Anwalt der Schwächeren sieht. Ein Schwung und Ansatz, der nötig ist und guttun wird. Der Bischof wird aber auch alles andere als bequem sein und zuweilen auch anecken. Bei manchen Gläubigen und so manchen anderen Kirchenoberen. Vor allem aber auch bei der Politik, wenn diese (das Schlafverbot war jüngst nur ein Beginn) aus Sicht des Bischofs einen falschen Kurs fährt. Tirol darf sich auf eine spannende Ära Glettler freuen.

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