Der ORF als „Labor der Demokratie“

Public-Value-Studie entwickelt eine Zukunftsvision des ORF-Bildungsauftrages

Wien (OTS) - Wie kann der Bildungsauftrag im digitalen Medienzeitalter erfüllt werden? So lautet die Fragestellung der Public-Value-Jahresstudie „Der Auftrag: Bildung im digitalen Zeitalter“, die der ORF im Rahmen seiner Qualitätssicherung gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk beauftragte. Daran beteiligte Wissenschafter/innen aus Deutschland und Österreich präsentierten im „ORF-DialogForum“ im RadioKulturhaus Wien ihre Analysen, Perspektiven und Empfehlungen. Eine Aufzeichnung des DialogForums ist am Donnerstag, dem 30. November 2017, um 23.15 Uhr in ORF III zu sehen.

Hartmut Rosa von der Universität Jena und Autor des sozialwissenschaftlichen Bestsellers „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“ forderte die öffentlich-rechtlichen Medien dazu auf, zu „digitalen Begegnungsräumen“ zu werden: „Bildung ist gerade im digitalen Zeitalter ein Demokratieauftrag. Öffentlich-rechtliche Medien müssen allen Schichten ein Angebot machen, miteinander zu kommunizieren. Das können private Medien nicht leisten.“

Konrad Paul Liessmann, Autor von „Bildung als Provokation“, betonte die Tatsache, dass es neben kommerziellen Medien auch gemeinwohlorientierte gibt: „Facebook und andere soziale Medien können im Internet nicht ausreichend bereitstellen, was es für eine Demokratie braucht.“

Katharine Sarikakis von der Universität Wien strich dabei die Bedeutung von gesellschaftlichen Allianzen hervor: „Den Bildungsauftrag zu erfüllen, bedeutet auch unbequem zu sein. Öffentlich-rechtliche Medien haben die Chance, Demokratie als Lernprozess zu etablieren.“

ORF eins-Info-Redakteurin Irina Oberguggenberger sagte: „Es geht nicht nur darum, den Menschen komplexe Sachverhalte zu erklären, wir müssen dafür auch geeignete Zugänge und Verständnisbrücken finden.“

Maren Beaufort von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wollte die Konsumentenmentalität der Mediennutzer/innen durchbrochen wissen: „Der Bildungsauftrag kann nur erfüllt werden, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Internet die entsprechenden Möglichkeiten hat und diese auch innovativ und partizipativ nutzt.“

Der Berliner Mediensoziologe Volker Grassmuck wies vor allem auf die Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien für junge Menschen hin: „Die europäische Jugend US-Konzernen auszuliefern, ist politisch fahrlässig. Es braucht Medien, die weder kommerzielle noch parteipolitische Interessen verfolgen.“

Auf der Grundlage seiner Analyse von BBC, ARD, ZDF, SRG und ORF präsentierte Grassmuck eine mögliche Zukunftsvision: Das Projekt des „European Public Open Space“, einer digitalen Plattform, auf der öffentliche Bildungseinrichtungen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen mit dem öffentlich-rechtlichen Medien kooperieren: „Eine derartige entwicklungsoffene Zusammenarbeit könnte zu einer wirkungsvollen Belebung der Demokratie führen und die Antwort der europäischen ‚Public Service Broadcaster‘ auf die drohende Dominanz der US-Internetgiganten sein.“

Willi Mernyi (ÖGB) entwickelte im ORF-DialogForum daraus eine zukunftsweisende Perspektive: „Der ORF muss seinen Bildungsauftrag danach messen, ob er auch ‚bildungsferne‘ Schichten erreicht. Bildung ist kein Fall für Eliten, sondern muss zwingend alle Bevölkerungsschichten erreichen.“

Die Studie, an der auch Bernhard Pörksen (Universität Tübingen) und Klaudia Wick (Deutsche Kinemathek Berlin) mitgewirkt haben, ist auf zukunft.ORF.at abrufbar.

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