Ethik im Finanz- und Wirtschaftsjournalismus

Podiumsdiskussion im ÖBV Atrium

Wien (OTS) - Am Dienstag, den 21. November 2017 fand im ÖBV Atrium die Podiumsdiskussion „Ethik im Finanz- und Wirtschaftsjournalismus“ des Finanzjournalistenforums statt. Viele bekannte Vertreter der Finanzbranche sowie journalistisch tätige Personen fanden sich im Publikum.

Nach der Begrüßung der Diskussionsteilnehmer, darunter Dr. Michael Fembek, ehem. stellvertretender Chefredakteur des Magazins Gewinn, Programm Manager der Essl Foundation, Vizepräsident im Verband für gemeinnütziges Stiften, A.o. Univ.-Prof. Dr. Fritz Hausjell, Stellvertretender Institutsvorstand am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, DI Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums und Astrid Valek, MAS, MBA Pressesprecherin und Leiterin Marketing und Unternehmenskommunikation der ÖBV und der Besucherinnen und Besucher durch den Vorstandsvorsitzenden der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV), Mag. Josef Trawöger, starteten die TeilnehmerInnen die kontroversiell geführte Diskussion.

Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Selbstverpflichtung des Journalismus, die wirtschaftlichen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft einer ethischen und moralischen Kontrolle zu unterziehen: „Finanz- und Wirtschaftsjournalisten haben nicht nur die Aufgabe, zu informieren, sondern auch, für die moralische Kontrolle der Wirtschaft zu sorgen. Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Medien erfordern es, immer mehr Geschichten in kurzer Zeit zu liefern. Das gilt auch für angestellte Journalisten, aber ganz besonders für die zunehmende Zahl der freien Journalisten. Unter diesen Umständen ist eine gründliche und kritische Berichterstattung nur noch sehr eingeschränkt möglich. Das ist umso bedauerlicher, als die Anforderungen an einen kritischen und gut informierten Journalisten in Folge der Finanzkrise stark gewachsen sind“, so DI Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums.

A.o. Univ-Prof. Dr. Fritz Hausjell beleuchtete in der Diskussion einige Interessenskonflikte und Defizite im Bereich des Finanzjournalismus: „Die klassischen Medien befinden sich in einer Vertrauenskrise, welcher nur durch Erhöhung der Transparenz begegnet werden kann. Der EU-Auftrag, diesbezügliche, nationalstaatliche Regeln für Journalisten zu schaffen, war ein erster Ansatz. Die in Österreich getroffene Regelung im Selbstkontrollgremium Österreichischer Presserat ist ein wichtiger, aber nicht ausreichender Schritt. Zudem müssen meiner Meinung klare Unvereinbarkeitsregeln vereinbart werden: Eigentümer und Herausgeber von Medien, in denen Finanzjournalismus angeboten wird, sollten weder an Unternehmen beteiligt sein dürfen, die Finanzprodukte anbieten, noch in deren Aufsichtsgremien vertreten sein." Finanzjournalisten sollten nach Ansicht von Hausjell die Möglichkeiten, die ihnen digitale (Medien)-Archive bieten, stärker nutzen, um so aktuelle Entwicklungen in der Finanzwirtschaft mit der Geschichte zu vergleichen. Wie die Beispiele „Lehman Brothers“ und auch Dot.Com-Blase zeigen, wurde diese Warnfunktion seitens der Journalisten nicht immer in ausreichendem Maße wahrgenommen.

Unvereinbarkeitsregeln sollte es, so Hausjell, "nicht nur im Finanzjournalismus, sondern generell zwischen Medien und Politik geben. Bedenklich sind nämlich auch die Fälle in einzelnen europäischen Ländern, in denen Inhaber von größeren Medien-Konglomeraten dann - mit Hilfe dieser Medienmacht - in die Spitzenpolitik und auf Regierungsbänke wechseln. Hier sollten die europäischen Länder zu klaren Unvereinbarkeitsregeln kommen, denn Fälle wie Berlusconi gefährden eindeutig demokratische Verhältnisse, da die Kritik- und Kontrollfunktion der Medien gegenüber Staat und Politik durch die Zusammenballung von Regierungs- und Medienmacht wesentlich eingeschränkt sind."

Dr. Michael Fembek hob in der Diskussion die Arbeitsmarktsituation von Journalisten sowie wirtschaftliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten hervor: „Die Finanzjournalisten sind heute oft in prekären Arbeitsverhältnissen, mit immer seltener werdenden Vollzeitanstellung eingebettet. Journalistinnen und Journalisten sehen sich mit laufenden Einsparungen in den Redaktionen konfrontiert, während die Unternehmen, über die berichtet werden soll, teils durchaus über große finanzielle Mittel verfügen. Das Geschäftsmodell der meisten Wirtschaftsmagazine basiert seit langem im Wesentlichen auf den Anzeigeneinnahmen - ein Geschäftsmodell, das aber seit Jahren rückläufig ist und auch nicht mehr zurück kommen wird, wenn man die Breite der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten von Unternehmen sieht. Generell ist es für die journalistische Branche derzeit nicht einfach, Lesern einen Weg durch die aktuelle Niedrigzinsphase mit hohen Aktienkursen und Immobilienpreisen, niedrigsten Anleiherenditen und Guthabenzinsen zu empfehlen - speziell auch aus langfristigen Vorsorgeüberlegungen. Wenn die Zinsen einmal steigen, und das müssen sie wohl gemessen am heutigen Niveau, wird das alle bekannten Anlagekategorien betreffen. Mir persönlich ist es ein Anliegen, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge (z.B. Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich) bei Investitionen stärker berücksichtigt werden, Stichwort Impact Investing.“

Astrid Valek brachte die Sicht von Medienkonsumenteninnen und -konsumenten, wie auch die Standpunkte von Wirtschaftstreibenden in die Diskussion ein: „Trotz spürbarer Einsparungen in den Redaktionen ist die Qualität im Finanzjournalismus immer noch sehr gut. Schade ist, dass die Berichterstattung von einigen wenigen großen Unternehmen dominiert ist. Aus Lesersicht sollten auch kleine Unternehmen mit weniger Marketingbudget zu Wort kommen. Was auffällt ist, ist dass die Berichterstattung in allen Medien und Kanälen relativ homogen ist, was darauf schließen lässt dass die Eigenrecherche von Journalisten nicht so groß ist und überwiegend Pressetexte übernommen werden. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Qualität einen höheren Stellenwert erhält und Leser für gute journalistische Leistungen Geld ausgeben, genauso wie für andere Dinge des Lebens.“

Wortmeldungen und Fragen von Zuhörerinnen und Zuhörern wurden in den Gesprächen berücksichtigt und das Publikum nutzte die Gelegenheit, im Anschluss an die Veranstaltung mit den Diskutanten und anderen Besuchern im ÖBV Atrium weiterzudiskutieren. Gegen Schluss der Veranstaltung kündigte DI Martin Kwauka, Gründer des Finanzjournalistenforums weitere Aktivitäten an.

Rückfragen & Kontakt:

Astrid Valek, MAS, MBA
Leiterin ÖBV Marketing und Unternehmenskommunikation
Pressesprecherin
1016 Wien, Grillparzerstraße 14
Tel.: 059 808-1015
astrid.valek@oebv.com
www.oebv.com

Mag. Michael Zentner
ÖBV Marketing und Unternehmenskommunikation
1016 Wien, Grillparzerstraße 14
Tel.: 059 808-1020
michael.zentner@oebv.com
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