Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien fordert nationale Anstrengung zur Verhinderung bzw. Erkennung von (sexualisierter) Gewalt

Wien (OTS) - Gestern war „Tag der Kinderrechte“ – wie jedes Jahr haben zahlreiche Organisationen und Vereine auf Kinderrechtsverletzungen aufmerksam gemacht und an Erwachsene und politisch Verantwortliche appelliert, sich für die Umsetzung der Kinderrechte auf allen Ebenen einzusetzen.

Die Konvention über die Rechte des Kindes wurde am 20.11.1989 von den Vereinten Nationen beschlossen und 1992 in Österreich ratifiziert. Diese besteht aus 54 Artikeln, die sich in Versorgungsrechte, Partizipationsrechte und Schutzrechte zusammenfassen lassen.

Gewaltprävention ist ein zentrales Thema und wird in Artikel 19 (Schutz vor Gewalt, Misshandlung und Verwahrlosung) sowie in Artikel 34 (Schutz vor sexuellem Missbrauch) beschrieben.

Sexualisierte Gewalt war und ist ein massives Problem in unserer Gesellschaft, das alle sozialen Schichten, alle Kulturen und Religionen, alle gesellschaftlichen Bereiche durchzieht. Gerade Kinder und Jugendliche sind besonders häufig Opfer von sexuellen Übergriffen, Missbrauch und anderen Formen sexualisierter Gewalt. Dies verletzt nicht nur die Würde von Kindern und deren Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen, sondern führt von massivem Leid bis hin zu schweren Traumata.

Gewaltprävention muss daher sämtliche Lebensbereiche von Minderjährigen erfassen.

Je enger die Beziehung und je großer die Abhängigkeit zwischen potentiellem Täter und Opfer ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Missbrauchshandlungen intensiver, über einen längeren Zeitraum und mit vermehrt auch psychischer Gewalt ausgeführt werden.

Sexualisierte Gewalt kann überall geschehen, in der Familie, in Schulen, am Arbeitsplatz, oder in (Sport-)Vereinen.

Gerade im Sport sind Grenzen zwischen angebrachten oder notwendigem Körperkontakt und unangenehmen Berührungen oft fließend. Grenzüberschreitende Interventionen beginnen dort, wo z.B. die Intimsphäre junger Menschen missachtet wird, das kann auch durch gewalttätige bzw. sexualisierte Sprache passieren, nicht nur durch körperliche Berührung.

Wie aktuellen Meldungen der Presse im Bereich des (Leistungs-)Sports zu entnehmen ist, häufen sich auch in Österreich, aktuell im heimischen Skisport, Vorwürfe gegen Trainer. Eine ehemalige Skifahrerin berichtete im Standard von systematischem Machtmissbrauch und Vergewaltigung in ihrer aktiven Zeit in den 1970er Jahren. Wie für viele Betroffene war es für sie und viele andere schwierig über das Erlebte zu sprechen. Zu groß war die Angst, dass einem nicht geglaubt oder die sexuelle Gewalt verharmlost wird. Täter sorgen zusätzlich durch Druck und Drohungen in einer äußerst perfiden Weise dafür, dass Erlebtes nicht nach außen dringt.

Viele schaffen es erst Jahre später, wenn sie den Tätern nicht mehr ausgeliefert sind, sich zu öffnen – oft zu spät, um Anzeige zu erstatten.

Ein achtsamer und respektvoller Umgang im Sport ist daher besonders wichtig. Klare Strukturen, beginnend mit der Aufnahme von TrainerInnen über Schulungen, bis hin zu Interventionen bei Verdacht auf Übergriffen sind unumgänglich, damit ein Klima, das Übergriffe begünstigt, best möglichst vermieden werden kann.

„In Österreich gibt es nach wie vor keine verpflichtenden Standards zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Diese zu etablieren sei jedoch unumgänglich, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen sicherzustellen“, fordern die Kinder- und JugendanwältInnen Monika Pinterits und Ercan Nik Nafs.

Wesentliche Maßnahmen sind u.a. die Etablierung verpflichtender Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen zu sexualisierter Gewalt in pädagogischen Aus-, Fort- und Weiterbildungen, etwa über Täterstrategien und welche Umstände sexuelle Übergriffe begünstigen, sowie weiters wie im Verdachtsfall umzugehen ist. Als AnsprechpartnerIn für betroffene Kinder und Jugendliche sollten in allen Vereinen gut ausgebildete Kinderschutzbeauftragte etabliert werden.

Ein hochprofessioneller Umgang mit der Thematik, die Installierung von Rahmenbedingungen die Schutz gewährleisten und die Verpflichtung zu einem respektvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Erwachsenen jeden Geschlechts sollte ein Qualitätsmerkmal für alle Vereine, Organisationen und Institutionen sein so Ercan Nik Nafs.

„Die Einholung einer Strafregisterbescheinigung von BewerberInnen, bevor es zur Ausübung der Tätigkeit kommt, muss verpflichtend für alle Vereine gelten. Dies ist kein Garant, spiegelt aber die Haltung und Vereinskultur wider und schreckt ev. potentielle Täter ab. Dabei geht es nicht darum, Institutionen oder Vereine unter Generalverdacht zu stellen, sondern einen möglichst flächendeckenden Kinderschutz sicherzustellen und sexualisierte Gewalt zu benennen und zu verurteilen“, betont Monika Pinterits.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien fordert daher Bund und Länder dazu auf, in Form eines Kinderschutzgipfels gemeinsam mit ExpertInnen verbindliche Maßnahmen zu setzen.

Eine nationale Strategie wäre auch ein wichtiges Bekenntnis für das Ernstnehmen des Problems und eine Stärkung für alle Opfer, die immer noch mit Diskriminierungen, Vorwürfen sowie sexuellen Übergriffen rechnen müssen.

Rückfragen & Kontakt:

Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
DSAin Monika Pinterits, Mag. Ercan Nik Nafs
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