"Kiefern sehen rot"

So titelte im Sommer die einschlägig bekannte "Forstzeitung" über die Lage der Schwarzkiefernbestände in unserer Region. Schuld daran, ist ein Pilz namens Diplodia sapinea.

Innerhalb weniger Monate sterben ganze Kronenteile ab und es gibt keine wirksamen Bekämpfungsmittel
DI Dr. Herbert Kohlross, WHG WaldHolz
Hauptsächlich hat der Wald Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktionen zu erfüllen. Der wirtschaftliche Aspekt ist hinten angereiht und der Wiener Neustädter-Teil ist zudem ein Wasserschongebiet
Bezirksförster Ing. Norbert Sauerwein

Neunkirchen (OTS) - Wenn man von Wiener Neustadt über, die längste Gerade Österreichs, auf der Bundesstraße B17 nach Neunkirchen fährt, durchquert man dabei den "Föhrenwald" – eine im 15. Jahrhundert im Auftrag von Kaiser Maximilian angelegte Schwarzföhren-Monokultur. Der Föhrenwald gilt als erster künstlich angelegter Wald Österreichs. Stand anfänglich die Holzgewinnung für die Stadt Wiener Neustadt sowie die Nutzung als Jagdgebiet des Kaisers im Vordergrund, spielte der Wald, dessen Fläche Ende 17. Jahrhunderts vergrößert wurde, auch für die Harzgewinnung und für die Gewinnung von Einstreu aus Schwarzkiefernnadeln für die Stallhaltung eine große Rolle. Nun ist dieser historische und landschaftsprägende Wald in Gefahr. Die Schwarzkiefern werden von einem Pilz heimgesucht - kaum eine Baumkrone, deren Nadeln sich nicht bereits rostbraun verfärbt haben.

Die LEADER-Region NÖ Süd, umfasst große Teile dieses landschaftsprägenden Föhrenwaldes (Bezirk Wr. Neustadt und Neunkirchen). In einem Kooperationsprojekt mit der LEADER-Region Triestingtal, deren Schwarzföhrenbestände ebenfalls betroffen sind, initiierte LEADER-Region NÖ Süd-Geschäftsführer, DI Martin Rohl, 2015 das Projekt „Schwarzföhre Kieferntriebsterben“. Das von der LEADER-Region NÖ Süd und der WWG-Piestingtal getragene Projekt, hat das Ziel, dem flächigen Schwarzkiefernsterben entgegenzuwirken. Fachleute sind genauso in das Projekt eingebunden wie die betroffenen Gemeinden (12 Gemeinden LEADER-Region NÖ Süd, vier Gemeinden LEADER-Region Triestingtal).

Artikel von Autorin, DI Elisabeth Feichter, Forstzeitung - mit dessen freundlicher Genehmigung (gekürzt und adaptiert von Mag. (FH) Katharina Schörner, LEADER-Region NÖ Süd):
Im Rahmen des LEADER-Region NÖ Süd-Projektes, lud das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) Ende Juli zu einer Exkursion in das niederösterreichische Steinfeld, um über die Problematik des Triebsterbens zu informieren. Der adriatische Pilz Diplodia sapinea trat in den 60er Jahren erstmals auf und ist bereits bekannt. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass alle untersuchten Bäume befallen sind. Ein Befall bedeutet jedoch nicht gleich einen Ausbruch der Krankheit. Dieser erfolgt erst, wenn der Baum einer Stresssituation ausgesetzt ist und in den vergangenen fünf Jahren gab es eine ruckartige Entwicklung der Epidemie.

Steinfeld bald ohne Kiefern

Die Böden im Steinfeld sind nur 20 bis 40 cm tief, darunter befindet sich Schotter. Durch die Trockenheit und Hitze geht die Bodenbildung sehr langsam voran. Niederschläge fallen in der Region sehr gering aus. „Die geschlossenen Schwarzkiefernbestände im Steinfeld sind österreichweit einzigartig,” erklärt DI Dr. Leopold Lindebner von der Bezirksforstinspektion Neunkirchen. „Hauptsächlich hat der Wald Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktionen zu erfüllen. Der wirtschaftliche Aspekt ist hinten angereiht und der Wiener Neustädter-Teil ist zudem ein Wasserschongebiet“, ergänzt der Bezirksförster Ing. Norbert Sauerwein. DI Dr. Johannes Schima vom Bundesministerium, Sektion Forstwirtschaft betonte die kulturelle Bedeutung der Schwarzkiefer für die Region. Die Baumart habe eine jahrhundertealte Geschichte, die von der Harzgewinnung über das Landschaftsbild bis hin zur Holzverwendung (z. B. für Theaterböden) reicht. Darüber hinaus erfüllen die Kiefernwälder den Standortschutz und sind in dem waldbrandgefährdeten Gebiet eine geübte Baumart.

Es gibt also genügend Gründe, die Schwarzkiefer im Steinfeld so gut als möglich zu erhalten. Die potenziell natürliche Waldgesellschaft wäre ein Laubmischwald, auf einer Seehöhe von 200 bis 350 m, von Eichen und Hainbuchen dominiert.

Erkennung und Ausbreitung

Experten der BOKU und dem BFW haben bereits viele Erkenntnisse gewonnen. Diplodia sapinea ist ein Erreger des Triebsterbens und muss nicht unbedingt eine Krankheit hervorrufen. Bei schwachem Befall beschränkt sich der Schaden auf ein Sterben der diesjährigen Triebe, eine Erholung ist möglich. Sind die Kiefern jedoch durch Trockenheit oder Wunden etc. geschwächt, kann die Infektion auf ältere Zweige, Äste sowie schließlich auf das Holz übergreifen. „Innerhalb weniger Monate sterben ganze Kronenteile ab und es gibt keine wirksamen Bekämpfungsmittel“ erklärt DI Dr. Herbert Kohlross, WHG WaldHolz. Sekundärschädlinge können ebenfalls zum Problem werden. Kleine, schwarze Fruchtkörper (Pyknidien), in denen sich die Sporen (Konidien) entwickeln, sind charakteristisch für die Erkrankung. Sie finden sich auf den Nadeln, Nadelscheiden, den Zapfenschuppen der zweijährigen Zapfen und der Rinde. Im Frühjahr werden die Pilzsporen mit dem Regenwasser über kurze Distanzen verbreitet.

Genetische Untersuchungen des BFW ergaben, dass jeder vierte Baum nicht autochton, also in diesem Gebiet ursprünglich nicht heimisch, ist. Die meisten stammen aus Istrien beziehungsweise aus dem gesamten Gebiet der Monarchie, erklärt Jan-Peter George seine Forschungsergebnisse. Weitere Untersuchungen der Herkünfte und Einzelbäume nach trockenresistenteren oder weniger anfälligeren Schwarzkiefern sind im Gange. Unterstützend setzt das BFW Kameradrohnen ein. Es wird daran gearbeitet, einen Befall und das Ausmaß im Bestand aus der Luft zu konstatieren.

Gibt es eine Zukunft?

Bereits vor 30 Jahren trat im Marchfeld ebenfalls das Kieferntriebsterben auf. Waldbauexperte DI Dr. Eduard Hochbichler von der BOKU hat entsprechende Waldbaukonzepte erstellt. Kleinflächig und durch Beimischung von alternativen Baumarten konnte die Schwarzkiefer dort (noch) erhalten werden. Durch die Klimaerwärmung verläuft heute der Prozess viel rascher und es ist ein ernstes Thema, gibt DI Dr. Reinhard Hagen, Waldschutzexperte das Landes Niederösterreich zu bedenken.

Halmschlager empfiehlt bei Aufforstungen, Kiefernpflanzen weit auseinander und dazwischen andere Baumarten zu setzen. Auf jeden Fall solle auf die Verjüngung unter Schirm verzichtet werden. Eine Bewässerung von Einzelbäumen kann helfen, ist jedoch nicht immer möglich. In gesunden Kiefernbeständen können Durchforstungen zur Vitalitätssteigerung beitragen. Experten raten dazu, stark befallene Bäume samt Astmaterial rasch aus dem Wald zu entfernen.

Bezirksforstinspektionen und Landwirtschaftskammern stehen kostenlos beratend zur Seite. Ob die Schwarzkiefer in ihrer derzeitigen Ausbreitung erhalten werden kann, ist jedoch fraglich.

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