• 20.11.2017, 11:09:54
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„kreuz und quer“ am 21. November: „Das letzte Jahr – Sterben als Teil des Lebens“ und „Phänomen Nahtod“ – ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Alle Menschen wünschen sich einen würdevollen Tod frei
von Schmerzen, aber nur wenige dürfen das so erleben. „Gerade im
medizinischen Alltag erscheint das Sterben oft wie ein
Betriebsunfall, etwas, das nicht sein sollte. Wahr ist aber, dass das
Sterben Teil des Lebens ist, und dass auch umgekehrt jeder Sterbende
ein Lebender ist, bis zum Schluss“, sagt Caritas-Präsident Michael
Landau: „Ich bin überzeugt, wir brauchen eine Kultur des Lebens, zu
der auch eine Kultur des Sterbens, eine Kultur der Solidarität mit
den Sterbenden gehört.“ „kreuz und quer“ – präsentiert von Christoph
Riedl-Daser – zeigt dazu am Dienstag, dem 21. November 2017, um 22.35
Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Das letzte Jahr – Sterben als Teil
des Lebens“ von Andrea Eder und Kurt Langbein: ein Film gegen die
Verdrängung und Tabuisierung des Sterbens in der modernen
Gesellschaft.

Wie soll man über etwas reden, für das es keine Worte gibt? Der Film
„Phänomen Nahtod“ von Michael Ginthör lässt um 23.25 Uhr jene zu Wort
kommen, die aus der eigenen intensiven Erfahrung berichten können:
Sabine Mehne, Buchautorin und Mutter von drei Kindern – aufgrund
ihrer schweren Krebserkrankung stand sie 1995 kurz vor dem Tod. Oder
der Taucher Bernhard Marmorstein, der 2004 bei einem tragischen
Unfall im Attersee verunglückte. Zudem soll das Phänomen auch aus
einer kultursoziologischen (Dr. Ina Schmied-Knittel), einer
theologischen (Prof. DDr. Andreas Resch, Prof. Dr. Ulrich Körtner),
einer medizinisch/neurologischen (Dr. Dirk Proeckl) und einer
psychologischen Sicht (Dr. Engelbert Winkler) betrachtet werden.
Engelbert Winkler ist sogar der Meinung, dass praktisch jede
Auseinandersetzung mit dem Tod bzw. dem Jenseits auf die psychische
Disposition seiner Patienten im Diesseits positive Auswirkungen hat.
Der Tod ist also gut fürs Leben?

„Das letzte Jahr – Sterben als Teil des Lebens“ – Ein Film von Andrea
Eder und Kurt Langbein

Andrea Eder und Kurt Langbein begleiten acht Menschen durch den
Alltag, für die die Ärzte keine Heilungschancen mehr sehen. Was sind
die Gedanken und Sehnsüchte in dieser Zeit und was können Angehörige
und Mediziner in dieser Phase sinnvoll tun? Roberto Hierländer etwa
ist unheilbar an Darmkrebs erkrankt. Er hat einer palliativen
Chemotherapie zugestimmt, um so seinem fünfjährigen Sohn und seiner
Lebensgefährtin noch so lange wie möglich nahe sein zu können: „Ich
halte durch! Eigentlich habe ich keine Zeit, um zu sterben – ich habe
noch so viel zu erledigen.“ Ilse Kreuzinger, die im Pflegeheim ihre
letzte Zeit verbringt, will „so wenig wie möglich an den Tod denken“.
Und Konrad Höß, der seine an ALS erkrankte Frau liebevoll begleitet,
sieht wie seine Frau, mit der er nur noch durch Blicke kommunizieren
kann, dem erwartbaren Ende ruhig entgegen.

Die Palliativmedizin bietet den Betroffenen und ihren Angehörigen
Betreuung und Hilfe. Aber erst einer von zehn der rund 80.000
Menschen, die jährlich in Österreich sterben, kann eine solche
würdevolle Betreuung bekommen. „Es gibt einen Konsens, dass
Palliativ- und Hospizversorgung bzw. auch die Begleitung der
Angehörigen ungeheuer wichtig ist, aber alle sind der Überzeugung,
die jeweils anderen wären dafür zuständig“, kritisiert Michael Landau
die Situation. „Ein Großteil muss durch Spenden finanziert werden.
Aber niemand käme auf die Idee, für ein gebrochenes Bein oder ein
intensivmedizinisches Bett Spenden zu sammeln. Menschen dabei nicht
im Stich zu lassen, eben auch mit ihnen am Ende dieses Weges zu sein,
sie zu begleiten, das verändert etwas für alle, die damit befasst
sind, aber auch für die Gesellschaft insgesamt.“

„Phänomen Nahtod“ – Ein Film von Michael Ginthör

Es wird meistens vom Verlassen des Körpers, vom Bad im göttlichen
Licht, dem Erleben kosmischer Harmonie und von Begegnungen mit
Verstorbenen berichtet, wenn es um die Erfahrungen jener geht, die
knapp wieder ins Leben zurückgeholt wurden. Jenseits von
Spekulationen um den Wahrheitsgehalt oder um die kulturelle
Determiniertheit solcher Berichte steht fest, dass Nahtoderlebnisse
mehr als nur einschneidend für die Betroffenen sind und in der großen
Mehrzahl der Fälle zu positiven Veränderungen in der Lebensgestaltung
führen. Viele gehen die Dinge danach weit gelassener an, neigen
weniger zu Depressionen und entwickeln sogar altruistische Adern,
während sie zuvor eher Ego-Typen waren.

Nahtoderlebnisse werden gerne als „Schlüssellochaufnahmen“ aus dem
Jenseits bezeichnet. Dass das nur eine der möglichen Lesarten ist,
liegt auf der Hand. Während noch in den 1960er Jahren eine gewisse
Ignoranz herrschte, was das Thema betrifft, hat sich mittlerweile
eine Industrie um Nahtod-Phänomene entwickelt. Das Thema fasziniert
die Menschen, Esoteriker und Spirituelle sowieso, aber vermehrt auch
Schulmediziner und Naturwissenschafter.

Immerhin geht es hier um die letzten Geheimnisse: um die Frage nach
einer Existenz der Seele oder eines „Bewusstseins“ bzw. dem möglichen
Weiterleben nach dem Tod. Berechtigte Fragen, die sich alle
Sterblichen einmal stellen: Was bleibt von meinem Ich im Jenseits?
Trifft man dort alle Verstorbenen wieder? Ist die Angst unbegründet?
Wo früher zu wenig über das Thema geredet wurde, sind die
Interpretationen mittlerweile inflationär geworden: Heute herrscht
ein regelrechter Wettkampf um die Deutungshoheit von
Nahtodphänomenen. Faktum ist: Es gibt vieles, was die moderne Medizin
nicht erklären kann, aber auch die Kirche äußert sich nicht gern zu
Nahtoderlebnissen, da sie sich damit auf theologisch dünnes Eis
begeben müsste.

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