Fünf Minuten sind zu wenig für sinnvolle Primärversorgung

Österreichs Allgemeinmediziner sind Schlusslicht in Europa in Bezug auf die zeitliche Zuwendung zu ihren Patienten

St. Pölten (OTS) - Fünf Minuten sind zu wenig für sinnvolle Primärversorgung

Österreichs Allgemeinmediziner sind Schlusslicht in Europa in Bezug auf die zeitliche Zuwendung zu ihren Patienten

Laut einer internationalen Vergleichsstudie sind die Allgemeinmediziner in Österreich mit einer durchschnittlichen Behandlungszeit pro Patient von fünf Minuten Schlusslicht in ganz Europa. „Mit diesem Wert liegen wir auf etwa dem Niveau von Äthiopien, in Deutschland sind es laut dieser Studie hingegen fast acht Minuten, in der Schweiz sogar mehr als 15 Minuten“, erläutert die Allgemeinmedizinerin und Landtagsabgeordnete (Liste Frank) Dr. Gabriele Von Gimborn, MPH.

Schuld daran sind aus ihrer Sicht jedoch nicht die Mediziner selbst. „Der Leistungskatalog in Verbindung mit dem Stellenplan sorgt für diese Reglementierung. Die Kassenärzte sind ja ausgelastet, mehr geht einfach nicht. Und aufgrund der Honorarsituation und den Kosten in unseren Ordinationen wäre es selbst bei einer Kapazitätsausweitung nicht möglich, mehr Zeit kostendeckend zur Verfügung zu stellen.“

„Primärversorgungseinrichtungen“ sind ohne Kapazitätsausweitung und Honorarplus unwirksam

Mit dem in der vergangenen Woche zwischen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse neu ausverhandelten „Basispapier zur Interessentensuche für Primärversorgungseinrichtungen“ lassen sich aus Sicht von Dr. Von Gimborn die bestehenden Probleme leider nicht beheben. „Es sollen ja lediglich bereits voll ausgelastete Allgemeinmediziner in Zentren „umgesiedelt“ werden. Damit erhöht sich die zur Verfügung stehende Zeit ja nicht. Und um die Allgemeinmediziner in ihrer Tätigkeit zu entlasten bräuchte es ja keine neuen Zentren, sondern lediglich einen allgemeinen Bürokratieabbau.“

Außerdem ist im vorliegenden Konzept keine Anpassung des Honorarvolumens an ein sinnvolles Maß zu erkennen, sondern sogar gerade das Gegenteil. „Alleine durch eine Umschichtung des derzeitigen Scheinschnitts auf eine „Grundpauschale“ und eine „Kopfpauschale“ erreicht man ja weder eine Verbesserung der Honorarsituation an sich noch eine sinnvolle Steuerung.“

Mehr Zuwendung geht nur mit mehr Hausärzten und neuem Leistungskatalog

Dem neuen Modell liegt auf dem Papier jedoch eine deutliche Ausweitung der Leistungsverpflichtung der Ärzte zugrunde. „Das funktioniert aber nur, wenn die Hausärzte in den Zentren für´s gleiche Geld statt wie bisher im Schnitt fast 50 Stunden pro Woche 80 bis 100 Stunden arbeiten. Ob diese Vereinbarung als attraktiv empfunden wird bleibt abzuwarten. Und damit steht und fällt die neue Primärversorgung“, so Dr. Von Gimborn weiter.

Wer die Tätigkeit der Allgemeinmediziner zur Entlastung unserer Fachärzte und Spitäler deutlich ausweiten möchte, braucht daher keine Zentren dieses Zuschnitts. „Wir brauchen mehr Allgemeinmediziner, einen vernünftigen kostendeckenden Leistungskatalog sowie ein sinnvolles Steuerungssystem, etwa in Form eines Hausarztmodells. Ohne diese Merkmale sind alle Reformversuche von Haus aus zum Scheitern verurteilt“, so das Resümee von Dr. Von Gimborn.

 

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Michael Dihlmann
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