Kollektivvertragslöhne: Wir brauchen keinen Vergleich scheuen

Österreichs System gewährleistet faire Arbeitsverhältnisse und sozialen Frieden - In Deutschland fast drei Mal so viele Streiktage

Wien (OTS) - Österreich ist Weltmeister in der Tarifbindung: 98% der österreichischen Arbeitnehmer sind von Kollektivverträgen und damit von Mindestlöhnen erfasst. Das liegt daran, dass die Wirtschaftskammer und ihre Fachverbände die meisten KV abschließen und nicht freie Verbände. Allgemein gültige KV gewährleisten allen Unternehmen einer Branche Wettbewerbsgleichheit und allen Arbeitnehmern Mindeststandards.

 Das ist die Basis für faire Kosten- und Arbeitsverhältnisse und sozialen Frieden. „Österreich liegt – wohl auch dank seinem System – beim Grad der Tarifbindung ebenso wie bei der geringen Streikzahl im internationalen Vergleich ganz oben“, stellt Rolf Gleißner, Stv. Leiter der WKÖ-Abteilung Sozialpolitik, für klar.

„Dass uns die meisten Länder um das System beneiden, hindert Kritiker offenbar nicht, immer wieder ein Haar in der Suppe zu suchen. Betrachtet man andere Länder, brauchen wir keinen Vergleich zu scheuen“, nimmt Gleißner Bezug auf einen Artikel der Agenda Austria, der Länder wie Schweden als gute Alternativen nennt.

 Blick über die Grenzen

Schweden hat ein eigenes System: Dort gibt es keine Betriebsräte, nur die Gewerkschaften vertreten die Arbeitnehmer im Betrieb. Um nicht selbst mit der Gewerkschaft verhandeln zu müssen, treten die Unternehmen dort Arbeitgeberverbänden bei, die wiederum KV abschließen. Die hohe Mitgliederzahl entsteht aus diesem Druck heraus, und die Betriebsebene ist somit in Schweden keineswegs stark. Das System ist jedenfalls nicht einfach auf ein anderes Land übertragbar.

In Deutschland ist nur mehr jeder zweite Arbeitnehmer von einem KV geschützt, weil Unternehmen aus den Verbänden, die KV abschließen, austreten oder gar nicht erst beitreten. Eine Konsequenz davon: Die Zahl der Streiktage pro eintausend Arbeitnehmer liegt in Deutschland mit durchschnittlich sieben Tagen sehr viel höher als in Österreich (zwei Tage). Spitzenreiter in der Streikstatistik ist Frankreich mit 123 ausgefallen Arbeitstagen je 1.000 Arbeitnehmer und Jahr.

 Das liegt an den Besonderheiten des französischen Systems:  Dort erreicht man mit 98% zwar dieselbe Tarifbindung wie Österreich, doch schließen in Frankreich freie Verbände die Kollektivverträge ab. Eine Behörde beschließt dann aber, dass die meisten KV für alle Unternehmen verbindlich sind. So werden Standards, die eine Minderheit festlegt, der Mehrheit aufgezwungen. 

 Gleißner: „Heute müssen sich alle Institutionen und Systeme Leistungsvergleichen stellen. Wie der aktuelle Abschluss in der Metallindustrie zeigt, können die Sozialpartner noch ‚liefern‘ und schaffen sinnvolle Lösungen für die Wirtschaft und den Standort.“ (PWK862/PM)

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