„kreuz und quer“ am 17. Oktober: „Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ und „Die Kinder des Holocaust“

Wien (OTS) - In guten Zeiten mag es leicht erscheinen, seinen Glauben zu leben. In konfliktbeladenen Zeiten hingegen kann es schnell lebensgefährlich werden, für seinen Glauben einzustehen und nach den christlichen Werten zu handeln. „Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ porträtiert drei ganz verschiedene Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Was sie miteinander verbindet:
Der Glaube ist für sie nicht bloß eine spirituelle Angelegenheit, sondern eine konkrete Handlungsanleitung fürs Leben. Für ihre aus der christlichen Überzeugung resultierende Haltung ernten sie jedoch bei Weitem nicht nur Zuspruch. „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – zeigt dazu am Dienstag, dem 17. Oktober 2017, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ von Peter Kullmann und Magdalena Maier. Um 23.10 Uhr folgt der Film „Die Kinder des Holocaust“ von Zane Whittingham, in dem sechs Augenzeugen berichten, wie sie die Gräuel des Naziterrors überlebten.

„Unbeugsam – Drei Christen in Zeiten der Krise“ – Ein Film von Peter Kullmann und Magdalena Maier

Die amerikanische katholische Ordensschwester und Friedensaktivistin Megan Rice ist 87 Jahre alt. Im Juli 2012 bescherte ihr eine Protestaktion weltweite Aufmerksamkeit – aber auch eine mehr als zweijährige Gefängnisstrafe. Gemeinsam mit zwei Mitstreitern war sie in die nationale Atomwaffenanlage Y12 in Oak Ridge, Tennessee, eingebrochen, um gegen das – ihrer Meinung nach – menschenverachtende atomare Wettrüsten zu protestieren. Ausgestattet mit Spraydosen, mehreren Flaschen voller Blut, Transparenten mit ihren Botschaften und frisch gebackenem Brot als Zeichen ihrer friedvollen Absichten landeten sie einen Medien-Coup und bescherten den Behörden einen Sicherheits-GAU. „Dass es so einfach war, den Zaun zu überwinden, war einzig und allein eine göttliche Fügung. Es war also nicht wirklich unsere eigene Leistung. Und dass wir bei der Aktion nicht ums Leben gekommen sind, verdanken wir auch dem Herrn“, so Megan Rice. Megan ist eine Frau der Taten. Für ihre Überzeugung „für das Leben“, wie sie es nennt, nimmt sie viel in Kauf. Das belegt ihr stattliches Vorstrafenregister. Wie oft sie schon im Gefängnis saß, weiß sie mittlerweile gar nicht mehr. Und wer Megan Rice’ Lebensweg – von der Krankenschwester in Afrika bis zur Friedensaktivistin der größten Atommacht der Erde – genauer betrachtet, ahnt schnell: Ihre Mission ist radikal, für sie ist der Glaube eine Verpflichtung vor Gott und für die Menschen.

Dóra Kanizsai-Nagy erntet längst nicht so viel Zuspruch von der Bevölkerung. Sie arbeitet als Flüchtlingshelferin in Budapest in einem politischen Klima, in dem Flüchtlinge oftmals zu Eindringlingen und Verbrechern abgestempelt, die Aktivisten der Hilfsorganisationen als deren Kollaborateure denunziert werden. Unter den Gegnern der EU-Flüchtlingspolitik nimmt die ungarische Regierung des Ministerpräsidenten Viktor Orbán wohl so etwas wie die Führungsposition ein. Dabei werden die zunehmenden Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen und Migranten nicht nur von der radikalen Rhetorik einiger Politiker geschürt. Auch für Pál Huszár, den Generalkurator der evangelisch-reformierten Kirche in Ungarn, sind die meisten Flüchtlinge „Eindringlinge“. „Diese Menschen benehmen sich nicht wie echte Hilfesuchende. Richtige Asylbewerber laufen einem nicht die Türe ein. Und deshalb kann man von unserer Kirche keine Solidarität erwarten.“ Dass Dóra Kanizsai-Nagy selbst in der eigenen Kirche für ihr Engagement angefeindet wird, macht ihr schwer zu schaffen. „Auf einem Kirchentreffen habe ich über unsere Arbeit in der Flüchtlingshilfe gesprochen, als ich hörte, dass man uns ‚Staatsverräter‘ nennt. Es kam mir scheinheilig vor, dann am Ende der Veranstaltung gemeinsam das Vaterunser zu beten.“

Unter ständiger akuter Bedrohung des eigenen Lebens lebt der Nigerianer George Chima, Arzt und bekennender Christ, seinen Glauben. Die Besonderheit seiner Heimat liegt in dem seltenen Umstand, dass rund die Hälfte der Einwohner des westafrikanischen Landes Christen, die andere Hälfte Muslime sind. George Chimas Heimatstadt Jos im Bundesstaat Plateau liegt sozusagen auf der tektonischen Grenze zwischen den muslimischen Landesteilen im Norden und den christlichen im Süden. Erdbebengleich kommt es seit 2001 in der Stadt immer wieder zu gewalttätigen Konflikten zwischen den Religionsgemeinschaften, insbesondere ausgelöst durch Anschläge der islamistischen Terrorsekte Boko Haram. Eine unsichtbare Grenze durchschneidet heute die Stadt, und wer wo leben darf, entscheidet einzig dessen Religion. Anders als die meisten, die aus ihren angestammten gemischt-konfessionellen Vierteln weggezogen sind, will George Chima die Trennung in „Christen hier, Muslime dort“ nicht einfach hinnehmen: „Wie sollen wir uns als geeintes Volk Nigerias bezeichnen, wenn wir nicht einmal Tür an Tür miteinander leben und beten können?“ George Chimas Kirchengemeinde ist eine der wenigen in dem muslimischen Viertel rund um die Hauptmoschee der Stadt und wurde so zu einem leichten Ziel brutaler Anschläge. Während aber radikale Islamisten die Kirche im Schatten der Minarette niederbrannten, waren es friedliebende Muslime, die die christlichen Gemeindemitglieder warnten und ihnen rechtzeitig zur Flucht verhalfen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren die Anfeindungen so stark, die Angst unter den Kirchenmitgliedern so groß, dass die Gemeinde das Viertel verließ. Doch für immer wegzubleiben, war für George Chima niemals eine Option. Seine Kirchengemeinde kehrte zurück und bemüht sich um eine gute Nachbarschaft mit den Muslimen. „Liebe Deinen Nächsten“ ist für George Chima die Quintessenz seines Glaubens, die er um jeden Preis leben will, auch wenn – nach allem was geschehen ist – zuweilen quälende Zweifel an seiner Seele nagen. „Natürlich bin ich vorsichtig im Umgang mit Muslimen, denn man weiß nie, was im Kopf eines anderen Menschen vorgeht. Von meinen muslimischen Nachbarn weiß ich aber auch, dass der Koran das Töten verbietet. Echte Muslime sind keine Killer. Und ich vertraue Gott, dass er mich erkennen lässt, wer die Wahrheit spricht.“

„Die Kinder des Holocaust“ – Ein Film von Zane Whittingham

Der britische Regisseur Zane Whittingham hat in seinem Film „Die Kinder des Holocaust“ die Schicksale von Ruth, Martin, Trude, Heinz, Arek und Suzanne filmisch aufbereitet. Aber wie bebildert man Flucht, Heimatlosigkeit und Mord? Whittingham entschied sich für eine ungewöhnliche Lösung: Was die sechs Zeitzeugen ihm erzählten, wurde in Zeichentrickfilmen animiert. Die Zeichner von „Fettle Animation“ konzentrierten sich dabei auf eine intensive Symbolsprache der Bilder. In zahlreichen Interviews, ergänzt durch die Animationsfilme, erzählen die Zeitzeugen von ihrer Flucht als Kinder oder Jugendliche nach Großbritannien, wie sie dort heimisch wurden und was diese traumatischen Erlebnisse für ihren weiteren Lebenslauf bedeuteten.

Mit Feingefühl wird unter anderem Areks Geschichte erzählt. Er wurde in Polen geboren und überlebte zwischen seinem elften und 16. Lebensjahr verschiedene Ghettos und Konzentrationslager. Die Zeichentrickbilder werden von der Stimme des heute 85-Jährigen untermalt. In Live-Interviewmitschnitten bekommen die Zeichentrickfiguren ihr menschliches Angesicht. In seiner neuen Heimat England spricht Arek so wie viele der Protagonistinnen und Protagonisten der Dokumentation an Schulen und Universitäten über seiner Kindheit oder dem, was davon übrig geblieben ist.
Trude hat noch Fotografien aus ihrer Schulzeit in Bratislava vor 1938. Eine glückliche Zeit, in der die Nazis noch keine eineinhalb Millionen Kinder umgebracht hatten. Wenn Trude sich heute die Fotografien ansieht, sagt sie: „Und ich schau in die Gesichter, ohne zu wissen, wer überlebt hat und wer nicht. Das Einzige, was ich weiß ist, dass ich überlebt habe.“

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