Breitband-Internet in Kärnten: Schlusslicht vom Schlusslicht?

Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer ist rund ein Drittel der Betriebe in Kärnten mit ihrem Internetzugang unzufrieden, abseits der Städte ist die Versorgung noch schlechter.

Klagenfurt (OTS) - Wie früher der Straßenbau, die Elektrifizierung oder das Telefon ist heute das schnelle Internet via Glasfaserkabel ein infrastrukturelles Grunderfordernis für einen zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Denn spätestens 2023 ist die Kapazität der bestehenden Kupferleitungen am Ende. Kärnten gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen: Tirol investiert in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro in den Glasfaserausbau, in Niederösterreich arbeiten zehn Experten in einer eigens dafür zuständigen Landesfirma am zeitgerechten Ausbau. Kärnten glaubt, mit einer Million Euro jährlich und eineinhalb Mitarbeitern das Auslangen zu finden. IT-Spartenobmann Martin Zandonella, Gründer und CEO des Internet-Pioniers net4you: „Das Tempo, mit dem wir an der Zukunft bauen, wird in wenigen Jahren zum dramatischen Problem werden.“

Eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftskammer bestätigt diese Befürchtung: Schon heute bezeichnet ein Drittel der Kärntner Unternehmen die zur Verfügung stehende Internetanbindung als mäßig bis schlecht, in Oberkärnten sind es fast 50 Prozent. 45 Prozent der Tourismusbetriebe klagen über zu geringe Bandbreiten, die beispielsweise das Gäste-WLAN beeinträchtigen, was zu negativen Gästekritiken auf Bewertungsportalen führt. Zandonella: „Stellen Sie sich vor, ein Drittel der Betriebe würde sich über zu wenig Strom oder einen Feldweg als Betriebszufahrt beschweren – so geht es uns heute bei der Zukunftstechnologie Internet.“

Als „Missionar“ unterwegs ist auch Marc Gfrerer (logmedia), Kärntner Obmann der Jungen Wirtschaft, die österreichweit die www.missionbreitband.at ins Leben gerufen hat. Er erinnerte das Land daran, dass im aktuellen Breitband-Masterplan bis 2020 Bandbreiten von 100 Mbit pro Sekunde vorgesehen sind – symmetrisch, also für den Down- und Upload: „Das bedeutet Glasfaser, und wir müssen heute damit anfangen, damit wir morgen liefern können.“ Die Anwendungsbeispiele sind vielfältig: Lernen übers Internet (MOOC – Massive Open Online Courses), die Steuerung von Smart Homes, Videokonferenzen als Ersatz für aufwändige Geschäftsreisen, Cloud Computing, die Vernetzung mehrerer Firmenstandorte, die künftige Entwicklung in der Digitalisierung vom Pflegebereich über den digitalen Anwalt bis zum autonomen Fahren – all das braucht ultraschnelles Internet. Gfrerer:
„Es liegt am Land Kärnten, ob wir Jungunternehmer hier eine Zukunft haben.“
Doch das Land Kärnten betreibt den Ausbau dieser künftigen Basis-Infrastruktur auf Sparflamme: 0,1 Prozent ihres Gesamtbudgets – eine Million von einer Milliarde Euro – wendet die zuständige Referentin LHStv. Gaby Schaunig für die Breitbandförderung auf. In Österreich ist die Situation ähnlich: Eine Milliarde Euro steht für die Breitbandoffensive zur Verfügung, Deutschland – etwa zehnmal so groß - setzt mit 100 Milliarden das Zehnfache. Im internationalen Vergleich liegen beide Länder mit einem Anteil an Glasfaser-Anschlüssen von rund 1,5 Prozent in der Schlusslicht-Position; Japan und Südkorea verfügen über rund 70 Prozent, Slowenien über mehr als 20 Prozent, sogar die Türkei hängt uns mit rund 16 Prozent um Lichtjahre ab. Zandonella: „Wir sind in Kärnten das Schlusslicht vom Schlusslicht, das können wir nicht ignorieren. Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt, um den Ausbau bis 2023 zu bewältigen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“

Dazu gehört die Aufstockung des Breitband-Budgets des Landes auf 15 Mio. Euro jährlich, mehr Personal, um die Gemeinden beraten und Projekte vorantreiben zu können, ein leistungsfähiger Glasfaser-Backbone für ganz Kärnten und ein zuverlässiges Monitoring der aktuellen Ausbausituation. Koordiniert könnte diese Version 4.0 der bestehenden Breitbandoffensive durch eine gemeinsame Task Force, in die sich auch die Wirtschaftskammer mit Experten-Know-how, in der Koordination und Information der Unternehmer einbringen will. Zandonella: „Rechnerisch verhält sich das Kupferkabel zu Glasfaser wie ein Gartenschlauch zum Druckrohr des Malta-Kraftwerks. Und diesen Druck werden wir brauchen, um unsere Unternehmen mit Zukunftstechnologien versorgen zu können.“

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