Klimaschutz: Konsum als weit größerer CO2-Emissionstreiber als gedacht

Industrie leistet wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – Treibhausgase als globale Herausforderung erkennen

Wien (OTS) - „Wer das Volumen von Treibhausgasen reell betrachten will, kommt nicht daran vorbei, die Herstellung der Handelsgüter mit einzubeziehen. Und hier zeigt sich, dass die Klimarelevanz des Konsums größer ist als gedacht“, betonte heute, Mittwoch, Andreas Windsperger, Leiter des Instituts für Industrielle Ökologie (IIÖ), in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Robert Schmid, Umwelt- und Energiesprecher der Bundessparte Industrie und Stephan Schwarzer, Leiter der Umweltpolitischen Abteilung in der WKÖ. Die österreichische Wirtschaft leiste bereits jetzt wichtige Beiträge für den Klimaschutz und werde auch künftig ihre Verantwortung wahrnehmen, so Schwarzer. Treibhausgase müssten als „globale Herausforderung“ gesehen werden, so Schmid, der auf die Ergebnisse der aktuellen ClimAconsum-Studie die das IIÖ gemeinsam mit den Partnern Joanneum Reseach und der Bundessparte Industrie der WKÖ und den Schweizer Partner Treeze und Soceco die Studie durchgeführt hat: Bei einer konsumbasierten Betrachtung hat Österreich 2013 130 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, dieser Wert liegt damit in etwa 60 Prozent über der nationalen Treibhausgas-Inventur von rund 80 Millionen Tonnen.

 Es bringe wenig, Emissionen dorthin zu verschieben, wo sie nicht mehr zu sehen seien, so Schmid. Wenn für die Herstellung eines Produktes in Europa ein Kilogramm CO2 emittiert werden, sind es in Südostasien fünf bis sieben Kilogramm. „Es ist wohl das Naheliegendste, dass die Politik alles für eine starke heimische Produktion mit hoher Wertschöpfung und viel Beschäftigung tut“, so Schmid. Deshalb sei es so wichtig für die heimische Wirtschaft, dass keine Maßnahmen auf nationaler oder EU-Ebene gesetzt werden, die einerseits den Standort in Verlegenheit bringen und andererseits im Endeffekt sogar schlecht fürs Klima sind.

 „Wir benötigen kein Golden Plating, wir benötigen praktisch umsetzbare Regelungen, die dazu führen, dass die Produkte unserer modernen Industriebetriebe marktfähig bleiben und wir einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten“, so Schmid, der insgesamt drei anstehende Handlungsfelder sieht: Einerseits die Implementierung von Nachfolgetechnologien in der Produktion, an denen  in den verschiedenen Branchen mit Hochdruck geforscht und gearbeitet werde. Nötig hierfür seien aber hohe Investitionen. Es gehe aber nicht nur um Technologie, sondern auch um die Produkte selbst. Am Beispiel von Dämmstoffen sei rasch ersichtlich, dass die Energieeinsparung während der Nutzungsdauer den Energieeinsatz bei der Produktion massiv überwiegt, das heißt die Klimaamortisation ist schon nach kurzer Zeit erreicht. Und drittens, die Digitalisierung selber, die gerade in bisher in ausgelagerten Produktionsbereichen dazu führen werde, dass Europa als Produktionsstandort eine Renaissance erleben wird. „Mit dem Nebeneffekt, dass damit auch aktiver Klimaschutz betrieben wird. Deshalb gilt es, die Industrie insgesamt zu stärken. Ein starker Industriestandort Europa wird ausschlaggebend sein, um die anstehenden Herausforderungen besser zu meistern“, betonte Schmid.

 Rechtssicherheit für Investoren und Verfahrensbeschleunigung bei UVP notwendig, Mobilisierung von Investitionen zentral

 „Die österreichische Wirtschaft leistet bereits wichtige Beiträge für den Klimaschutz und wird auch künftig ihre Verantwortung wahrnehmen“, ergänzt Schwarzer.

Dringend erforderlich seien jedoch Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen. Schwarzer nannte als zentrales Thema die Rechtssicherheit für Investoren. „Derzeit kommt wegen unklarer steuerlicher Einordnungen das wichtige Projekt Energiespeicherung in Form von Wasserstoff und nichtfossilem Methan nicht in Gang. Für die Versorgungssicherheit benötigte Wasser- und Windkraftprojekte sowie Speicher- und Leitungsvorhaben stecken über viele Jahre in UVP-Verfahren fest, in denen sie „zu Tode geprüft“ werden“, erläuterte der WKÖ-Experte für Umweltpolitik.  „Hier braucht es ein klares Bekenntnis zur Verfahrensbeschleunigung“, unterstrich Schwarzer. Im Hinblick auf Gebäudesanierungen seien langfristig stabile Förderincentives nötig. Die derzeit aufgelegten Programme würden mit März

 zu spät kommen, und eine zu geringe Haltbarkeit aufweisen und wären zu eng gefasst. „Wir müssen aber auch das schwerfällige Energieeffizienzgesetz durchlüften, das viel Aufwand und wenig Nutzen erzeugt. Ohne massive Investitionen über einen langen Zeitraum können die hochgesteckten Energie- und Klimaziele nicht erfüllt werden - sie bedeuten aber auch große Chancen für Wachstum und Beschäftigung. Wichtigste Aufgabe der Politik ist es, diese Investitionen zu mobilisieren und zu ermöglichen“, so Schwarzer.

 Hintergrund-Infos zur Studie climAconsum

 In den vergangenen drei Jahren hat ein österreichisches Konsortium (Institut für industrielle Ökologie, Joanneum Research und Bundessparte Industrie der WKÖ) gemeinsam mit Partnern aus der Schweiz den CO2-Ausstoß des österreichischen Konsums genauer unter die Lupe genommen. In Österreich konsumierte Produkte wurden anhand einer Güterflussbilanz rückverfolgt und die gesamten Emissionen bei der Herstellung und Verwendung errechnet. Für rund 1.000 Produktgruppen konnten produktspezifische Lebenszyklusdaten recherchiert werden, wobei speziell der technologische Stand für die jeweiligen Herstellländer berücksichtigt wurde. Damit wird nun der CO2-Rucksack von Importprodukten transparenter.

 Auf der anderen Seite werden in Österreich viele Güter und Waren für den Export hergestellt. Diese werden daher nicht vor Ort konsumiert. Die dahinterstehenden Emissionen wurden ebenfalls ermittelt und in der Bilanz abgezogen.

 Zusätzlich kann das Modell auch die CO2-Emissionen von Produkten aus heimischer Erzeugung mit jenen aus anderen Erdteilen vergleichen. Das Ergebnis: Österreichische Produkte schneiden durch die Bank deutlich besser ab. Mehr Produktion in Österreich (oder mit heimischen Standards) ist eindeutig positiv für das Klima. (PWK783/us)

 Link zum Endbericht:

http://bit.ly/2i0ZDb3

 

Kurzfassung der Studie climAconsum

 Dieses Projekt wurde aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Austrian Climate Research Programme“ durchgeführt.

Projektkonsortium: Andreas Windsperger, Bernhard Windsperger, Institut für Industrielle Ökologie (IIÖ); Neil Bird, Hannes Schwaiger, Gerfried Jungmeier, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH.; Carsten Nathani, Rütter Soceco AG; Rolf Frischknecht, treeze Ltd.; Richard Guhsl, Andre Buchegger, Wirtschaftskammer Österreich – Sparte Industrie

Die Einbeziehung der Treibhausgasemissionen (THG) für die Herstellung der Handelsgüter würde die auf nationale Aktivitäten fokussierte THG-Bilanz auf die Klimarelevanz des österreichischen Konsums (=Produktion + Import - Export) erweitern. Für die Berechnung der konsumbasierten THG-Emissionen von Österreich wurde ein produkt- und technologiebezogener Ansatz gewählt, der auf einer physischen Güterflussbilanz hinter der Bereitstellung der in Österreich konsumierten Produkte beruht. Aus dieser Güterflussbilanz werden mit produktspezifischen Lebenszyklusdaten die Emissionen errechnet, wobei speziell der technologische Stand für die jeweiligen Herstellländer berücksichtigt wurde. Die Ergebnisse führen bei einer konsumbasierten Betrachtung zu THG-Emissionen von 130 Mio. Tonnen im Jahr 2013 und liegen in etwa 60% über der nationalen THG-Inventur. Damit wird die Bereitstellung der importierten Produkte zu einem wesentlichen Teil der THG-Emissionen hinter dem österreichischen Konsums. Dieses Projekt hat gezeigt, dass die Verwendung eines produkt- und technologiebezogenen Ansatzes die Identifikation der wesentlichen Emissionstreiber bei den Produkten ermöglicht, sowie etwaige Mehrbelastungen durch höhere Emissionsintensität der importierten gegenüber national hergestellten Produkten darstellt. Damit können mögliche Reduktionspotenziale und auch „carbon leakage“, aufgezeigt bzw. vermieden werden.

Die Studie hat dazu beigetragen, dass im Jahr 2016 die CCCA-Arbeitsgruppe „Consumption-based GHG accounts for Austria“ mit dem Ziel des Austausches und der Vernetzung der verschiedenen Ansätze zur konsumbasierten THG-Bilanzierung gegründet wurde, siehe: http://bit.ly/2yXNFT2

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Industrie
Mag. Richard Guhsl
Tel.: 05 90 900 3435
richard.guhsl@wko.at

Institut für Industrielle Ökologie
Bernhard Windsperger
bernhard.windsperger@indoek.at

Aktuelle News aus der Wirtschaft für die Wirtschaft – http://news.wko.at/oe

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