Neues Volksblatt: "Rot und Blau" von Markus EBERT

Ausgabe vom 11. Oktober 2017

Linz (OTS) - „Wir haben heute bewiesen, dass uns Welten trennen“, sagte SPÖ-Chef Christian Kern am Ende der TV-Debatte mit FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache auf die Frage, ob er eine Koalition mit den Blauen ausschließe. So klar, wie sie auf den ersten Blick scheint, ist diese Ansage freilich ganz und gar nicht. Denn Kern hat nicht gesagt, dass SPÖ und FPÖ „Welten trennen“ — kann er auch nicht, wenn man im Burgenland friedlich im Koalitionsbett liegt. Und kann er auch deswegen nicht, weil das kategorische Nein der Bundes-SPÖ zu einem Pakt mit der FPÖ durch den Kriterienkatalog auch schon aufgeweicht ist.
Abgesehen davon stellt sich eine ganz andere Frage: Wenn Kern mit der FPÖ nicht will und mit der ÖVP, wie er unübersehbar in den TV-Debatten vermittelte, nicht mehr kann — mit wem will er dann eigentlich eine Regierung bilden? Immerhin hegt man in der SPÖ weiterhin die Hoffnung, Regierungs- und Kanzlerpartei zu bleiben. Der SPÖ
Platz 1 zu retten, indem man schwarz-blaue Horrorszenarien an die Wand malt, macht jedenfalls wenig Sinn, wenn man am Tag danach die vom Bundespräsidenten eingeforderte „politische Dialogfähigkeit“ mit den möglichen Partnern nicht hat.
Kern macht seine Rechnungen ohne Wählerinnen und Wähler, und er macht sie ohne seine Partei. Die wird nämlich im Zweifelsfall auch ohne ihn darüber befinden, ob Rot und Blau wirklich Welten trennen.

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