Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich: Kinderliga fordert Bundeskinderbeirat

Vergleichbar mit dem Bundesseniorenbeirat soll ein gesetzlich verankerter und mit unabhängigen ExpertInnen besetzter Bundeskinderbeirat die Interessen von Kindern vertreten.

Es ist eigentlich eine Zumutung, dass eine so große und für die Zukunft Österreichs relevante Bevölkerungsgruppe keine Interessensvertretung hat! Unser Wunsch an die kommende Regierung wäre  ein eigenes Ministerium für Kinderund Jugend - unsere realpolitische rasch umsetzbare Forderung ist ein Bundeskinderbeirat. So etwas gibt es für Senioren ja auch
Dr. Christoph Hackspiel, Präsident der Österreichischen Kinderliga
Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen und verständliche, konkrete Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind wichtige nächste Schritte zur Verbesserung der Situation in Österreich
Mag.a Hedwig Wölfl, Psychologin und Vizepräsidentin der Kinderliga
Die Kinderliga wird auch in Zukunft nicht müde sein, Kindern, Jugendlichen und wenn immer möglich auch deren Familien eine Stimme zu geben. Für ein kinder- und Familienfreundliches Österreich, für deutlich verstärkte Investitionen in eine umfassende und damit körperliche, geistige, soziale und seelische Gesundheit  von Kindern. Die Energiereserven in Österreich liegen weniger in den Bodenschätzen, als  in den Talenten und Potentialen unserer Kinder
Dr. Christoph Hackspiel, Präsident der Österreichischen Kinderliga

Wien (OTS) - Am 10.10.2017 stellten Dr. Christoph Hackspiel, Präsident der Österreichischen Kinderliga, und sein Team den aktuellen Jahresbericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich mit dem Themenschwerpunkt "Seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" vor.

Wunsch der Kinderliga: Kinderministerium - realpolitische Forderung: Bundeskinderbeirat

In Österreich leben rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Obwohl bekannt ist, dass frühe Investitionen sich in einem besseren körperlichen und seelischen Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen auswirken, erhalten Kinder nach wie vor nur ca. 6% der Gesundheitsaufwendungen und rangiert damit europaweit im hinteren Feld. „Es ist eigentlich eine Zumutung, dass eine so große und für die Zukunft Österreichs relevante Bevölkerungsgruppe keine Interessensvertretung hat! Unser Wunsch an die kommende Regierung wäre  ein eigenes Ministerium für Kinderund Jugend - unsere realpolitische rasch umsetzbare Forderung ist ein Bundeskinderbeirat. So etwas gibt es für Senioren ja auch“, lautet Hackspiels klarer Appell. Dieses Gremium sollte sich aus parteipolitisch unabhängigen ExpertInnen zusammensetzen sowie aus Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre, die die besten ExpertInnen sind, wenn es um ihre Interessen und Bedürfnisse geht. Weitere im Rahmen der Pressekonferenz genannte gesundheitspolitische FOrderungen der Kinderliga sind:

  • Aussagekräftige Datenlage zur Kinder- und Jugendgesundheit
  • Prävention und Gesundheitsförderung
  • Berufsübergreifende, interdisziplinäre Netzwerkarbeit
  • Stärkung der Elternschaft
  • Ausreichendes, kostenfreies diagnostisch-therapeutisches Angebot
  • QualitätssicherungHealth-in-All-Policies[2]

Als besonderes Anliegen nennt Hackspiel darüber hinaus mehr qualitative Zeit in Kinderbetreuung und Schulen. Dafür müssen dringend die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich besorgniserregend: „Seelische Gesundheit“ ist Jahresthema der Kinderliga

Neben den in der Öffentlichkeit wahr genommenen Kindergesundheitsthemen gibt es einen wesentlichen Bereich, dessen Bedeutung gerne verdrängt wird: die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, deren Zustand vermehrt Anlass zur Besorgnis gibt. Bindungsstörungen, depressive Verstimmungen, fehlende Impulskontrollen, Angststörungen, Essstörungen, Rückzug in virtuelle und nicht selten viel zu früh in pornografische Welten, Zwangsstörungen, psychosomatische Erkrankungen nehmen nicht nur deutlich zu, es sind vor allem immer mehr Minderjährige davon betroffen. Legt man Ergebnisse internationaler Studien auf Österreich um, kann davon ausgegangen werden, dass zumindest 170.000 Kinder und Jugendliche deutlich psychisch erkrankt sind, sodass sie eine unmittelbar Diagnostik und Behandlung bräuchten. Obwohl  mehr als die Hälfte der Betroffenen eine Behandlung dringend wünscht, erhalten nur 36.000 dieser Patienten auch eine medizinische und/oder therapeutische Versorgung. Ursache dafür sind nicht nur der Mangel an kassenfinanzierten Therapieplätzen und Kinder- und Jugendpsychiatrien, sondern es werden nach wie vor viele Symptome nicht erkannt, bagatellisiert oder verheimlicht und überfordern nicht nur die Kinder und Jugendlichen sondern auch deren Umfeld. „Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen und verständliche, konkrete Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind wichtige nächste Schritte zur Verbesserung der Situation in Österreich“, erklärt Mag.a Hedwig Wölfl, Psychologin und Vizepräsidentin der Kinderliga. Die Kinderliga hat diesen Umstand zum Anlass genommen, den Jahresthemenschwerpunkt der seelischen Gesundheit zu widmen.

Kinderliga fordert verstärkte Investitionen in körperliche und seelische Gesundheit der Kinder

Hackspiel fordert gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, die es erlauben, in Familien und Nahräumen mehr Gewicht auf qualitativ wertvolle Zeit, kindgerechte Erfahrungswelten und gleiche Entwicklungschancen für alle zu legen. Besonders Augenmerk gilt jenen Kindern und Jugendlichen, die durch mangelnde Schulbildung Ausgrenzung erleben, weniger Lebensperspektiven haben und im Selbstwert geschwächt sind. „Die Kinderliga wird auch in Zukunft nicht müde sein, Kindern, Jugendlichen und wenn immer möglich auch deren Familien eine Stimme zu geben. Für ein kinder- und Familienfreundliches Österreich, für deutlich verstärkte Investitionen in eine umfassende und damit körperliche, geistige, soziale und seelische Gesundheit  von Kindern. Die Energiereserven in Österreich liegen weniger in den Bodenschätzen, als  in den Talenten und Potentialen unserer Kinder“, schließt Hackspiel und formuliert nochmals die Forderung nach einem gesetzlich verankerten Bundeskinderbeirat.

Dies ist eine Kurzfassung des Pressetextes. Ein umfassender Nachbericht der Pressekonferenz steht Ihnen zum Download auf http://www.kinderjugendgesundheit.at zur Verfügung.

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Verena Bittner
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