TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "SOS aus dem ländlichen Raum", von Mario Zenhäusern

Statt über neue, moderne Lösungen zu diskutieren, verschanzen sich die Verantwortlichen hinter veralteten Prinzipien.

Innsbruck (OTS) - Der ländliche Raum verkommt immer mehr zum Notstandsgebiet. Es gibt zwar positive politische Initiativen, aber die interessieren außer den Direktbetroffenen niemand.

Seit Jahrzehnten warnen Experten im In- und Ausland vor der Ausdünnung des ländlichen Raums. Nichtsdestotrotz hält die Abwanderung von Postämtern, Nahversorgern oder Polizeidienststellen an. Zuletzt war auch eine massive Verschlechterung der medizinischen Versorgung spürbar. Das Problem hat also längst ein Ausmaß erreicht, das dringende und grundlegende Reformen notwendig macht. Genau das aber passiert nicht.
Die adäquate Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Arzneimitteln und ihre ärztliche Betreuung etwa humpelt seit Jahren den tatsächlichen Anforderungen hinterher. Ein Gynäkologe für 15.000 Frauen im Bezirk Imst ist untragbar. In nahezu allen Landesteilen mit Ausnahme des Großraums Innsbruck fehlen Fachärzte genauso wie die klassischen Landärzte. Aber statt dass sich Land Tirol, Gebietskrankenkasse, Ärzte- und Apothekerkammer an einen Tisch setzen und über eine kosteneffiziente, die Bedürfnisse der Ärzte und Patienten berücksichtigende Lösung verhandeln, verschanzen sich die Verantwortlichen hinter veralteten Prinzipien, die mit den Vorstellungen der jüngeren Generation nicht in Einklang zu bringen sind. Zu oft hat es den Anschein, als sei das wirtschaftliche Wohl des Einzelnen wichtiger als die Gesundheit der Patienten.
Im Laufe der Jahre hat es immer wieder Anläufe gegeben, den ländlichen Raum zu stärken. Initiativen wie jene von Sixtus Lanner oder zuletzt von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, der einen Masterplan vorlegte, enthalten interessante Ansätze. Das interessiert allerdings lediglich die Direktbetroffenen, nicht aber jene, die für Gegenstrategien in den verschiedensten Bereichen verantwortlich sind. Bis sich das ändert, ist es vielleicht schon zu spät.

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