Neues Volksblatt: "Rot-Blau" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 4. Oktober 2017

Linz (OTS) - Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl mag sich, sollte er am Montagabend im Privat-TV die Diskussion zwischen SPÖ-Chef Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verfolgt haben, zufrieden zurückgelehnt haben. Der Vorreiter einer rot-blauen Koalition konnte konstatieren: Da wurde kein politisches Porzellan zerschlagen. Womit auch bestätigt wurde, wovor etwa die Volkspartei beharrlich warnt — dass nämlich Rot-Blau sehr wohl eine wahrscheinliche Koalitions-Option ist, wenn es sich nur irgendwie ausgeht. Dass statt Kern dann Niessls politischer Ziehsohn Hans Peter Doskozil das Ruder im roten Boot übernimmt, gilt ja gemeinhin als ausgemacht.
Der rhetorische Nicht-Abgrenzungspakt der beiden Diskutanten — sieht man einmal von ein paar verbalen Pflichtübungen ab — bringt jedenfalls den Kanzler noch mehr in die Zwickmühle. Indem er nichts dazu getan hat, Rot-Blau als Option auszuschließen, enttäuscht er jene in seiner Partei, die — wie der Wiener Bürgermeister — explizit nicht mit der FPÖ koalieren wollen. Wobei das Wort von Michael Häupl SPÖ-intern wohl auch nicht mehr das große Gewicht hat, seit er sich selbst sein Ablaufdatum aufgeklebt hat.
Unter dem Strich haben Strache und Kern bewiesen, dass am Wahltag nur eines zählt: Die Volkspartei muss so stark werden, dass an ihr vorbei keine Koalition gebildet werden kann, sonst kommt Rot-Blau.

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