Europäische Senioren Union (ESU) zum Tag der älteren Menschen: „Talente ansprechen, Inklusion fördern“

Europas größte Seniorenorganisation veröffentlicht neues Positionspapier

Wien (OTS) - Die Internationale Senioren Union ESU, in der Österreich durch Europaabgeordneten Heinz Becker als Vizepräsidenten vertreten ist, veröffentlichte anlässlich des Welttages des älteren Generation am 1. Oktober 2017 ein aktuelles Positionspapier:
Seit 1990 bezeichnen die Vereinten Nationen den 1. Oktober als den „Internationalen Tag der älteren Menschen“. Am 1. Oktober jeden Jahres widmen wir den älteren Personen, ihren Fertigkeiten sowie ihrem Potenzial, der Achtung ihrer Menschenrechte, ihren Bedürfnissen und Erwartungen weltweit Aufmerksamkeit. Würdevoll und ohne Diskriminierung älter werden sind unsere Kernanliegen.
Altern als zentrale Herausforderung
Bereits im den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war klar, dass älter werden und in „alternden Gesellschaften“ leben, wo die Lebenserwartungen zunehmen und Geburtenraten sinken, zu den Kernherausforderungen unseres Zeitalters geworden sind. Die internationale Gesellschaft widmete sich der Lage älterer Personen erstmals im Wiener Internationaler Aktionsplan zur Frage des Alterns im Jahr 1982. Seitdem wurden mehrere internationale Erklärungen und Aktionspläne eingeführt. Man bemühte sich, eine Möglichkeit zu finden, diese in verbindliche Vorschriften aufzunehmen und auf allen Regierungsebenen durchzuführen. Auf europäischer Ebene wurde die verbindliche und grundlegende Haltung der EU bezüglich der Rechte älterer Personen im Artikel 25 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2000) festgehalten: „Die Union anerkennt und achtet die Rechte älterer Menschen auf ein würdiges und unabhängiges Leben und auf Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben.“ In Verbindung mit dem Ziel der Union, „den Frieden, die Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern“ (Art. 3 Vertrag von Lissabon, 2002), hatte die EU eine breite Basis zur Bekämpfung der Diskriminierung und der Exklusion und zur Förderung sozialer Gerechtigkeit und Inklusion. Trotzdem sind unaufhörliche Aktionen zur Durchführung dieser Grundsätze unerlässlich.
Gesellschaften im Umbruch
Demografische Änderungen machen sich unwiderlegbar in allen europäischen Gesellschaften bemerkbar. Voraussichtlich wird bis 2060 ungefähr 30 % der EU-Bevölkerung über 65 Jahre sein. Die Zunahme der „ältesten Alten“, der über 80-Jährigen, ist besonders signifikant. Diese Änderungen werden allerdings bestimmte Regionen schwerer treffen als andere. 2030 wird der Anteil der 65+-Bevölkerung voraussichtlich zwischen 10,4 % und 37,3 % abhängig von der jeweiligen Region schwanken. Deshalb ist es notwendig, dass die Regierungen, staatlichen Behörden, Dienstleister, Forscher, zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien und sämtliche Bürger sich der Herausforderungen der demografischen Veränderungen bewusst sind und bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen.
Gemeinsame Strategie
Die Europäische Volkspartei (EVP) betonte auf dem Kongress in Malta am 26. bis 29. Mai 2017 (siehe: Kongressdokument „Europa sichert unsere Zukunft“), dass die EU eine allgemeine Strategie benötige, um die demografischen Veränderungen zu verwalten und die Entwicklung neuer Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu beschleunigen, um die Lebensqualität und Gesundheit älterer Personen zu verbessern und die soziale Inklusion zu fördern. Diese allgemeine Strategie muss auf einer positiveren Vision älterer Personen und alternder Gesellschaften beruhen. Es geht um die Realisierung des Potenzials eines längeren Lebens, in dem nicht die Beschränkungen und Schwächen älterer Personen, sondern ihre Fertigkeiten und ihr Potenzial (gesunde Lebensjahre, längere Beschäftigungszeit, die Seniorenwirtschaft, ehrenamtliche Mitarbeit über Ehrenämter und Pflege) eine positive Wirkung auf das Individuum, die Gemeinschaft und die Gesellschaft als Ganzes haben.
Fit für die Zukunft
Das Thema des Internationalen Tages der älteren Menschen 2017 lautet “Der Zukunft begegnen: Talente ansprechen, Beitrag und Inklusion älterer Personen in der Gesellschaft.”
Als Europäische Senioren Union (ESU), Sprachrohr der Bedürfnisse und Erwartungen älterer Personen, freuen wir uns über unsere Beteiligung an dieser weltweiten Bewegung der Förderung der Möglichkeiten, die älteren Personen eine glaubhafte Perspektive auf inklusive Gesellschaften für alle bieten. Wir sind froh, dass wir die Beteiligung Älterer an den Gesellschaften – als Erzeuger und Verbraucher, als Ehrenamtliche und Pflegekräfte – feiern können und wir betonen, dass diese Beteiligung verstärkt anerkannt werden muss. Natürlich sind wir überzeugt, dass es auch in Europa notwendig ist, darauf hinzuweisen, dass jeder Mensch – egal welcher Altersgruppe, welchen Geschlechts oder welchen Abhängigkeitsverhältnisses – einen Anspruch auf die Grundrechte und -freiheiten hat, die in den nationalen und internationalen Rechtstexten, Aktionsplänen und Maßnahmen festgeschrieben sind. Nur allzu oft benötigen diese Grundsätze eine bessere Implementierung.
Die jüngsten Armutsstudien, der Zusammenhang zwischen Gesundheitswesen und Armut, das verborgene Leiden älterer Personen, die isoliert leben oder missbraucht werden, zeigen, dass auch in Europa bei weitem nicht alle älteren Personen glückliche Senioren sind. In mehreren Mitgliedstaaten können die Lebensbedingungen und der soziale Schutz älterer Personen verbessert werden. Negative Stereotypen, Missverständnisse bezüglich Senioren und Altersdiskriminierung müssen aus der Welt geschafft werden, damit sich ältere Personen zunehmend an der Wirtschaft, dem sozialen und kulturellen Leben beteiligen können.
Die Bedeutung der Europäischen Union
Europäische Senioren wissen, wie wichtig die EU für den Frieden, die Freiheit und die Sicherheit war und ist. Von einem Vereinigten Europa erwarten sie Wohlfahrt und Wohlbefinden für sich sowie für die künftigen Generationen – auch heute noch. Auch heute erwarten die Senioren, dass die EU sich neuen Herausforderungen stellt: Zwei davon sind demografische Veränderungen und die Entwicklung inklusiver Gesellschaften. Die Europäische Senioren Union (ESU) ist überzeugt, dass die Herausforderung alternder Gesellschaften, der Betonung der Situation der Menschenrechte der Senioren im eigenen Land sowie weltweit, nicht zur ausschließlichen Verantwortung der Regierungen, sondern ebenfalls zu der der Bürger – auf örtlicher, regionaler und internationaler Ebene – gehört. Die älteren Personen spielen selbstverständlich eine wesentliche Schlüsselrolle. Aus diesem Grund ist uns dieses Thema ein besonderes Anliegen.
Aus Anlass des Internationalen Tages der älteren Menschen
• rufen wir auf, ein positiveres Bild der Senioren zu fördern und dabei ihre universellen Menschenrechte und den Positivismus und die Kraft, die von älteren Menschen für unsere Gesellschaften ausgeht, zu betonen, Altersdiskriminierung, insbesondere am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen zu bekämpfen;
• bestehen wir auf die permanente Implementierung der Menschenrechte als Grundlage für die Entwicklung einer altersfreundlichen Politik, aktiver Altersinitiativen und spezieller Dienstleistungen für die besonderen Bedürfnisse älterer Personen;
• drängen wir bei der EU darauf, dass Mitgliedstaaten und Regionen Strategien entwickeln, um den Herausforderungen demografischer Veränderungen gerecht zu werden und das Potenzial längerer Lebenserwartungen (gesund altern, länger arbeiten, Silberwirtschaft, Ehrenämter, ...) durch die Förderung der Solidarität zwischen den Generationen und die Schaffung notwendiger Voraussetzungen für adäquaten Schutz und Wohlbefinden zu nutzen;
• fordern wir die EU und die Mitgliedstaaten auf, sich aktiv an internationalen Initiativen im Bereich der Alterspolitik und des Schutzes der Rechte älterer Personen zu beteiligen (z.B. die Arbeitsgruppe Open Ended Working Group, OEWG der Vereinten Nationen), um gesetzliche Instrumente und Aktionspläne im Hinblick den Schutz älterer Personen und die Anerkennung ihrer wichtigen Rollen weltweit.

Lasst uns unser Engagement in der weltweiten Bewegung zur Förderung der Seniorenrechte feiern, Lasst uns nachhaltige Gesellschaften für alle schaffen, in denen das Potenzial eines längeren Lebens einwandfrei genutzt werden und jeder würdig wachsen und älter werden kann.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Seniorenbund
Wolfgang Müller, MA, MSc
Pressesprecher
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