Dialog Forum Steuergerechtigkeit von AK Niederösterreich und ÖGB NÖ (2)

ExpertInnen diskutierten über die Zukunft von Arbeit und Verteilung

St. Pölten (OTS) - Österreich ist in Europa jenes Land mit der geringsten Besteuerung von Vermögen. Das bedeutet, dass unser Staat fast zur Gänze durch die Einkommen der ArbeitnehmerInnen und UnternehmerInnen finanziert wird, Vermögende leisten mitunter kaum einen Beitrag. Das hat immer größere Ungleichverteilung von Vermögen zur Folge. Wie sich diese Schieflage korrigieren lässt und wie ein faires, sozial gerechtes und leistungsförderndes Steuersystem aussehen kann, wurde heute beim Dialog Forum „Steuergerechtigkeit – Fundament für soziale Sicherheit“ von AK Niederösterreich und ÖGB NÖ mit Expertinnen diskutiert.

 In ihrem Vortrag „Einkommens- und Vermögensungleichheit in Österreich“ befassten sich Dr. Stefan Humer vom Forschungsinstitut Economics of Inequality, und Dr. Mathias Moser vom Institut für Wirtschaftsgeographie, beide WU Wien, kritisch mit dem österreichischen Steuersystem. Die Forschungsschwerpunkte der beiden Wissenschaftler sind das Steuersystem sowie die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen. Zwar habe das österreichische Steuersystem in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Reformen erfahren, an der grundsätzlichen Struktur habe sich jedoch nur wenig geändert. Immer noch liege die Hauptlast auf dem Faktor Arbeit. „Es ist notwendig, zu einem wachstumsfreundlicheren System überzugehen“, sind sich die beiden Experten einig. Weg von Steuern auf Arbeit hin zur Besteuerung von Vermögen und Erbschaften, steuerliche Gleichbehandlung aller Einkommensarten (also auch Kapital) und eine Vereinfachung des Steuertarifes sind ihre Vorschläge.

 In einer abschließenden Podiumsrunde diskutierten Renate Anderl, Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende des ÖGB, em. o. Univ.-Prof. Dr. Helmut Detter, Zukunftsforscher, Dr. Stephan Schulmeister, Wirtschaftsforscher und Universitätslektor, und Dr. Alexandra Weiss, Politikwissenschafterin an der Universität Innsbruck. Im Fokus der Betrachtungen stand die Zukunft der Arbeitswelt und der Weg zu mehr Einkommens- und Vermögensgleichheit.

 Renate Anderl und Alexandra Weiss sprachen die immer noch vorherrschende Geschlechterungleichheit an und mahnten verstärkte Maßnahmen im Interesse der Frauen ein. „Wir brauchen einen wohlgenährten Staat, keinen schlanken“, so Weiss. „Sachleistungen würden in vielen Bereichen mehr bringen“, sagte Anderl.

 Helmut Detter forderte angesichts der fortschreitenden Automatisierung in der Arbeitswelt, dass die Kaufkraft der Menschen stabilisiert werden muss, „da Roboter nicht die von ihnen produzierten Produkte verwenden“. Stephan Schulmeister sah beim Angriff auf den Sozialstaat den dringendsten Handlungsbedarf für die Politik. „Denn der ist gefährdet und in Südeuropa schon weitgehend zerstört“, so Schulmeister.

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