SOS-Kinderdorf: Doch kein 10. Schuljahr für viele junge Flüchtlinge

Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei SOS-Kinderdorf trotz neuer Regelung ohne Schulplatz und Bildungsmöglichkeiten

Wien (OTS) - „Junge Wienerinnen und Wiener drücken seit rund eineinhalb Wochen wieder die Schulbänke, für zahlreiche junge Flüchtlinge gibt es – leider trotz einer neuen gesetzlichen Regelung – keine Schulplätze“, kritisiert Clemens Klingan, SOS-Kinderdorf Geschäftsleiter. „Der Schulstandort Wien hat es nicht geschafft, die notwendigen zusätzlichen Plätze zu schaffen – die Leidtragenden sind motivierte Schüler, die unbedingt einen Schulabschluss machen möchten.“

Die vor der Sommerpause im Parlament beschlossene Bildungsreform gibt theoretisch im aktuellen Schuljahr auch außerordentlichen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ein freiwilliges 10. Schuljahr zu besuchen und so einen Hauptschulabschluss zu erzielen. Geschaffen wurde diese Regelung für junge Flüchtlinge, die in vielen Fällen im ersten Schuljahr in Österreich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht als ordentliche Schüler geführt werden.

„Fast alle unserer Jugendlichen in Wien, die von der neuen Regelung profitieren sollten, haben keinen Platz für das aktuelle Schuljahr bekommen“, so Klingan. „Die betroffenen Schüler hatten alle im vergangenen Schuljahr Plätze in Neuen Mittelschulen, waren dort gut integriert und in Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss.“ Die Schulerhalter, die für einen Platz ihre Zustimmung geben müssen, haben lediglich auf polytechnische Lehrgänge verwiesen. Dort haben die Jugendlichen aber keine Möglichkeit einen Pflichtschulabschluss zu machen und bekommen auch nicht die Lerninhalte unterrichtet, die für einen solchen gebraucht werden.

Lösung für alle jungen Flüchtlinge gefordert

Hinzu komme eine große Zahl an jungen Flüchtlingen, die bereits bei ihrer Ankunft in Österreich älter als 15 Jahre sind. Für sie bleibt nach wie vor jeder Zugang zum Pflichtschulsystem verwehrt. „Immer noch fehlt ein bundesweiter Plan, wie jungen Flüchtlingen – unabhängig von ihrem Asylstatus – flächendeckend Zugang zu Bildung und Ausbildung verschafft werden kann“, betont Klingan. „Gerade für junge Menschen ist ein Leben in der Warteschleife schwer zu ertragen – sie strotzen vor Wissensdurst und möchten unbedingt einen Schulabschluss machen.“

Letzte Möglichkeit private Finanzierung

Die neue Ausbildungspflicht bis 18, die derzeit groß beworben wird, wäre ein erster wichtiger Schritt auch für junge Flüchtlinge gewesen – leider wurde sie nicht ergriffen. Minderjährige Asylwerber sind aus diesem Gesetz explizit ausgenommen.

„Damit unsere Jugendlichen nicht zum Nichtstun gezwungen sind, bleibt uns als einzige Möglichkeit, eigenständig mit privaten Anbietern Bildungsangebote zu schaffen“, erklärt Klingan. „Ein Ausbildungsplatz für einen Jugendlichen kostet knapp 3.000 Euro, das ist für SOS-Kinderdorf nur schwer finanzierbar – wir hoffen daher auf eine Unterstützung durch die Stadt Wien.“ Für eine gute Integration der Jugendlichen sei diese Variante nicht förderlich, da sie in diesen Angeboten unter sich bleiben und keine Anknüpfungspunkte zu österreichischen Jugendlichen haben.

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