Kunst Haus Wien präsentiert „Visions of Nature“

Neue Fotografieausstellung zeigt das Verhältnis von Mensch und Natur

Wien (OTS/RK) - Das Kunst Haus Wien, ein Museum der Wien Holding, richtet seinen Fokus von 13. September 2017 bis 18. Februar 2018 mit der neuen Ausstellung „Visions of Nature“ auf das Verhältnis von Mensch und Natur. Vor dem Hintergrund des Anthropozän, der vom Menschen geprägten Epoche der Erdgeschichte, geht es um die künstlerische Verarbeitung unseres Eingreifens in Landschaft und Natur.

Ambivalentes Naturverständnis im Fokus

Eine Auswahl von 25 Positionen österreichischer und internationaler KünstlerInnen führt in der Ausstellung eindrücklich vor Augen, dass dem Medium Fotografie und Video im Bestreben, das gegenwärtige Verhältnis von Mensch und Natur zu verstehen, eine besondere Rolle zukommt.

Die stets in Veränderung begriffene Beziehung der Menschen zur Natur wird aus künstlerischer Sicht, aus unterschiedlichen Perspektiven reflektiert. Es sind Naturbetrachtungen, die die heutige Ambivalenz unseres Naturverständnisses – Natur als Zufluchts- und Sehnsuchtsort zum einen, eine immer weitreichender von Zerstörung und Ausbeutung bedrohte Umwelt zum anderen – bebildern, filtern und analysieren.

Mit der Ausstellung wird deutlich, wie sehr der Mensch sich nicht mehr als Teil der Natur begreift, sondern diese auf Grund komplexerer Zusammenhänge und indirekterer Abhängigkeiten weitaus abstrakter erlebt.

Naturfotografie und Naturbetrachtung

Im Unterschied zur direkten Betrachtung ist die Fotografie von Natur einer rationalen Ordnung unterworfen, die von den BetrachterInnen ausgeht. So domestiziert das fotografische Abbild der Landschaft die Natur, über die Wahl des Bildausschnitts, die Belichtung und über die Zweidimensionalität des Mediums. Die Abbildung von Landschaft und Natur erzeugt zwangsläufig eine Distanz zu dieser, ihre künstlerische Übersetzung lässt eine Reflexion mit mannigfachen Bedeutungsebenen zu.

Schon die Eingangsarbeit von Bruno von Roels mit dem Titel „I was in love with a place in my mind“ stellt klar, dass die Ausstellung nicht die konkrete Natur behandelt, sondern Vorstellungen von Natur interpretiert und in Bilder übersetzt. So thematisiert Ola Lanko beispielsweise Landschaftsfotografie als individuelle Naturerfahrung und arbeitet in ihrer Installation das Stereotyp unseres Blicks auf die Natur heraus.

Die Werke Axel Hüttes, oft als der Landschaftsmaler unter den Fotografen bezeichnet, oder Simone Niewegs, mit ihren Bildern von Wäldern, scheinen dazu geradezu im Gegensatz zu stehen. Sie produzieren präzise, durchkomponierte Landschaftsaufnahmen, deren Bildmacht die emotionale Wirkung von Natur verstärken. Als Bild- und Klangkomposition inszeniert Tomas Eller die Bewegung eines einzelnen Blattes in einer meditativen Videoarbeit, die die Natur in ihrer Fragilität zeigt und als Sinnbild der menschlichen Existenz erscheint.

Den Menschen selbst, der sich in der Landschaft positioniert, zeigen die Aufnahmen von Andreas Gursky und Michael Höpfner, auch auf das Zeit- und Größenverhältnis von Natur im Vergleich zu einem menschlichen Leben anspielend. Rodrigo Braga filmt sich selbst in Aktion und Reaktion, in einer performativen Arbeit visualisiert er den Kampf mit der Natur, den Menschen als Naturkraft.

Die Sehnsucht nach Natur

Ein großer thematischer Bereich der Ausstellung widmet sich der künstlerischen Annäherung an die Natur und der Sehnsucht nach Naturerfahrung: Exemplarisch dafür steht der koreanische Künstler Myoung Ho Lee, der Bäume wie in einem Fotostudio in Szene setzt und portraitiert. Jakko Kahilamieni lebt in Finnland und nähert sich 100 Hektar geerbtem Land, indem er es fotografiert. Medienreflexiv verarbeitet Vanja Bucan die Sehnsucht nach intakter Natur, um nur einige der Positionen anzuführen.

Anthropozän – ein neuer Begriff in der Kunst

Dem Phänomen Natur wurden in vielen vorangehenden Jahrhunderten philosophische, natur- und kulturwissenschaftliche Theorien gewidmet. So war auch die Repräsentation von Natur immer abhängig vom kulturellen Kontext: In einer Zeit, in der sich das allgemeine Naturverständnis dahin gewandelt hat, unsere Umwelt und die Natur vor allem schützen zu müssen, spricht man von einem neuen Begriff, dem Anthropozän. Dieser wurde vom Geologen und Chemiker Paul Crutzen 2001 eigeführt und zur Diskussion gestellt, um das Zeitalter des Menschen zu bezeichnen, dessen Eingriffe und Veränderungen auf der Erde künftig in geologischen Schichten nachweisbar sein werden. Zahlreiche Arbeiten der Ausstellung beziehen sich auf das Phänomen Anthropozän:
Andreas Duscha, der fotografisch festhält, wie sich der Mensch in die Natur einschreibt. Oder die Arbeit von Jennifer Colten, die in „Wasteland Ecology“ die Verheerungen, die der Mensch der Natur zufügt, analysiert. Ebenso kann man die Aufnahmen entlegener, künstlich geformter Landschaften wie etwa den steirischen Erzberg oder einen Eisberg von Mathias Kessler diesem Themenkreis zuordnen.

Kunst zum Verständnis der Natur

Mit dem maßstabsgetreuen Transfer von Natur ins fotografische Abbild arbeitet Claudia Märzendorfer und versetzt einen Quadratmeter sattgrüner Almwiese in den Ausstellungsraum. Die vordergründige Banalität des Sujets überrascht mit der unendlich erscheinenden Farben- und Formenvielfalt, die Urkraft der intakten Natur scheint einen aus dem Bild heraus anzuspringen. Wer sich zu Hause weiter daran sattsehen möchte, darf das Poster mitnehmen – als Erinnerung einer weiteren Naturbetrachtung durch Fotografie. Oder zählt das Betrachten des Fotos schon als Naturerfahrung?

Teilnehmende KünstlerInnen

Darren Almond, Rodrigo Braga, Vanja Bucan, Jennifer Colten, Andreas Duscha, Tomas Eller, Michael Goldgruber, Andreas Gursky, Ilkka Halso, Roni Horn, Michael Höpfner, Axel Hütte, Adam Jeppesen, Jaakko Kahilaniemi, Mathias Kessler, Claudia Märzendorfer, Ola Lanko, Myoung Ho Lee, Ralo Mayer, Simone Nieweg, Charly Nijensohn, Donna Ong, Anna Reivilä, Bruno V. Roels und Michael John Whelan.

Tipp: Am Samstag, den 16. September findet von 10:00 bis 21:30 Uhr die „Erzberg-Tour“ statt, eine Exkursion zum Erzberg mit dem Künstler Mathias Kessler. Thema ist neben der Frage nach dem wirtschaftlichen Wert der Natur auch die Betrachtung, wie diese spezielle, durch den Tagebau geprägte, von Menschen gemachte, Landschaft die soziale und gesellschaftliche Struktur der Gegend prägte und prägt. Mehr Infos unter: https://www.kunsthauswien.com/de/fuehrungen/erzberg-tour/

Darüber hinaus findet am Donnerstag, 05. Oktober 2017, von 17:00 – 20:00 Uhr ein Symposium statt. Unter dem Titel „Wie leben im Anthropozän“ beleuchten drei hochkarätige Vorträge und eine Podiumsdiskussion die Resonanz auf das Anthropozän-Konzept in Kunst und Gesellschaft.

Download von Pressefotos inklusive Bildnachweis unter folgender URL: http://www.kunsthauswien.com/de/presse/pressefotos-download (Schluss)

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