Gedanken zum Rohingya-Konflikt in Myanmar

verfasst von Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft

Wien (OTS) - Ich habe im Rahmen der aktuellen medialen Berichterstattung über den leider wiederholt aufgeflammten ethnischen Konflikt in Myanmar einige Anfragen erhalten, zu deren Beantwortung ich hier meine Gedanken formulieren möchte:

Ich war im Jänner 2016 persönlich Teilnehmer einer großen internationalen und interkonfessionell besetzten buddhistischen Friedenskonferenz in Myanmar und habe bei dieser Gelegenheit den obersten Vertreter der Muslime in Myanmar getroffen und mit ihm gesprochen. Er hat mir bestätigt, dass dieser Konflikt in erster Linie kein religiöser, sondern vor allem nationalistisch motiviert ist und auch noch sehr viel mit der ehemaligen Militärdiktatur zu tun hat, die heute immer noch ihre Fäden zieht. Dieses Gespräch hat meinen Eindruck bestätigt, dass bei diesem Konflikt – so wie leider an vielen Orten unserer Erde – ein fundamentalistisch motiviertes Fehlverhalten regiert. Fundamentalismus führt zwangsläufig zu Konflikten und kann immer auch mehrere Ursachen haben, nationalistische sowie auch religionsbezogene.

Wir, die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft, haben bereits im Oktober 2012, gemeinsam mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, eine Presseaussendung gemacht, in der wir dieses Geschehen in Myanmar aufs Schärfste verurteilt haben. Unabhängig davon haben wir auch eine Protestnote direkt nach Myanmar gesandt – leider ohne Erfolg und Reaktion. In einer weiteren Presseaussendung 2013 haben wir auch klar gestellt, dass Mönche, welche sich dort nationalistisch exponieren, nicht mehr als buddhistische Mönche gelten können, da sie damit den Pfad der Buddha Lehre verlassen haben.

Insgesamt ist wohl dazu zu sagen, dass diese Vorkommen – genauso wie alle ähnlichen Geschehen in unserer Welt – aufs Schärfste zu verurteilen sind und alles zu tun ist, um das so schnell als möglich zu einem Ende zu bringen. Der Konflikt in Myanmar ist aus unserer Sicht natürlich besonders dramatisch, da er in einem buddhistischen Land stattfindet. Es ist sehr bedauerlich, dass der Nationalismus und sehr schwierige komplexe Machtinteressen dort stärker sind als die Kraft der buddhistischen Lehre!

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass es die Komplexität dieses Konfliktes kaum bis gar nicht möglich macht, sich daraus ein halbwegs richtiges Urteil zu bilden. Die dort seit vielen Jahrzehnten laufenden Ursachen und Wirkungen sind für uns nicht durchschaubar – unabhängig davon: Gewalt ist und bleibt abzulehnen!
Ahimsa – absolute Gewaltlosigkeit – ist oberste Maxime der Buddha-Lehre.

Kein fühlendes Wesen soll Gewalt erleiden! Diese Maxime klingt gut und schön, impliziert aber auch das Dilemma unserer samsarischen Welt, in der es auch nötig werden könnte, Gewalt als Mittel der Leidabwehr anwenden zu müssen.

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