TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Viel heiße Luft mit Stickoxid", von Stefan Eckerieder

Ausgabe vom 23. August 2017

Innsbruck (OTS) - Der Dieselgipfel brachte jenes Ergebnis, das viele erwartet hatten: eine Wahlveranstaltung mit Zuckerln für die Autobauer. Statt Entschädigungen für Kunden und Geschädigte gibt es Software-Updates und Kaufprämien.

Die Hoffnungen in den österreichischen Dieselgipfel waren nach dem Ergebnis seines deutschen Pendants gering, aber wenigstens wurden sie nicht enttäuscht. So kann das Ergebnis des Treffens von Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) mit den Autoimporteuren zusammengefasst werden. Software-Updates und eine Prämie für den Umstieg von alten Dieselfahrzeugen, das ist im Wesentlichen dasselbe Ergebnis, das auch in Deutschland erzielt wurde. Dabei wäre für die Umwelt und die Konsumenten mehr drin gewesen, kritisierte Leichtfried das Ergebnis in Deutschland noch vor wenigen Wochen selbstbewusst. Tatsächlich hat der Minister den Autobauern nicht den Gefallen getan, eine Umtauschprämie, wie sie in Deutschland vereinbart wurde, einzuführen. In Österreich heißt diese Maßnahme nämlich Ökoprämie und wird von den Autobauern nur beim Umtausch eines älteren Dieselfahrzeuges in ein Fahrzeug, das umweltfreundlicher ist, gewährt. Damit sparen sich die Autobauer einiges an Geld. Freiwillig, wie anzumerken ist, denn die Prämie ist nicht verpflichtend, ebenso wenig deren Höhe. Die kann jeder Autobauer für sich in den nächsten Tagen bekannt geben.
Die freiwilligen Software-Updates der Hersteller sollen zudem hierzulande von einem Gutschein verstärkt werden, den jeder Dieselfahrer erhalten soll, der diese technische Maßnahme auch durchführt.
Was es auch in Österreich nicht gibt, ist eine Hardware-Aufrüstung, eine Entschädigung für an der Nase herumgeführte Kunden und auch nicht für an Atemorganen geschädigte Menschen. Ebenso wenig gibt es Klarheit für Dieselfahrer. Nach dem mageren Ergebnis des Gipfels müssen Dieselfahrer weiterhin befürchten, dass Gemeinden mit starker Verkehrs- und Abgasbelastung Dieselfahrzeuge verbannen und sie – die Kunden – damit die Verfehlungen der Autobauer und der Politik ausbaden müssen.
Für den Verkehrsminister machten es aber die kleinen, feinen Unterschiede zum deutschen Ergebnis aus, um gestern zu erklären, dass man mit diesem Ergebnis nun vor dem großen Nachbarn mit den tricksenden Autobauern liege.
Das ist Populismus, sagen die einen, Wahlkampf nennen es die anderen. Was auf alle Fälle bleibt, ist viel heiße Luft, mit zu viel Stickoxid. Denn Tests der Automobilclubs haben gezeigt, dass die versprochenen Senkungen der Abgaswerte von 30 Prozent auch nach den Updates nur selten wahr werden.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001